Die meisten Kinder sind zurück in den Kindergärten. Die Einrichtungen im Landkreis haben sich auf die neuen Gegebenheiten eingestellt. 
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Die meisten Kinder sind zurück in den Kindergärten. Die Einrichtungen im Landkreis haben sich auf die neuen Gegebenheiten eingestellt. 

Corona Lockerungen 

Die Kinder singen nur an der frischen Luft

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Abstand halten, in festen Gruppen zusammenbleiben, noch öfter Hände waschen: So sieht der Alltag derzeit in den Kindergärten im Landkreis aus.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Erst wurde die Notbetreuung ausgeweitet, dann durften die Vorschulkinder und deren Geschwister wieder kommen, schließlich auch „Mittelkinder“, die im Herbst 2021 eingeschult werden: Mittlerweile ist, was die Zahl der betreuten Mädchen und Buben betrifft, in den meisten Kindergärten im Landkreis wieder Normalität eingekehrt. Davon abgesehen aber hat sich in den Betreuungseinrichtungen einiges geändert, seit sie im März aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus schließen mussten.

„Pädagogisch haben wir einen Schritt zurück gemacht“, sagt Dietlind von Plettenberg, Leiterin des Bad Heilbrunner Kindergartens. Denn das eigentliche teiloffene Konzept, bei dem die Kinder sich zwischen den Gruppen frei bewegen können, ist derzeit nicht möglich. Verstärkt sei man draußen, bringe den Kindern bei, wie man Abstand halte und wahre – und noch öfter als ohnehin schon stehe Händewaschen auf der Tagesordnung. Vor allem für Brotzeit und Mittagessen brauche man viel Raum. „Normalerweise sitzen sechs Kinder an einem Tisch, jetzt sind es nur zwei.“ Daher werde auch der Turnraum zum Mittagessen genutzt, das Turnen fällt aus. Die Kinder seien von ihren Eltern schon gut informiert gewesen. „Aber wir haben die Situation natürlich auch mithilfe eines Bilderbuchs besprochen.“ Trotz der ungewohnten Lage wolle man den Kindern so viel Normalität wie möglich bieten.

Beim Essen sitzen nur zwei Kinder an einem Tisch 

Nur zwei bis drei Kinder pro Gruppe würden noch fehlen, sagt Maria Girmann, Leiterin des Kindergartens Arche Noah in Bad Tölz. Die Eltern seien sehr bemüht, auch die Kinder hätten sich richtig gefreut zurückzukommen. „Es ist eine wirklich schöne Stimmung.“ Glücklicherweise gebe es einen großen Garten, in dem sich die Gruppen aufhalten können, ohne sich zu nahe zu kommen.

Derzeit werde überlegt, wie den künftigen Schulkindern ein schöner Abschied beschert werden könne. „Wir werden vielleicht in kleinen Gruppen noch Ausflüge oder andere gemeinsame Aktionen machen“, sagt Girmann. Der traditionelle Abschlussgottesdienst sei auf jeden Fall möglich, er soll im Freien stattfinden.

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„Die Schutzmaßnahmen sind vernünftig“, findet die Leiterin. Allerdings ist Girmann auch etwas irritiert. „Für Lehrer gelten strenge Abstandsregeln, und wir sitzen hier mit 20 Kindern ganz nah in einem Raum.“ Natürlich werde ständig gelüftet und so viel Zeit wie möglich im Freien verbracht. Aber in Kindergärten in München beispielsweise sei es üblich, das Personal regelmäßig testen zu lassen. „Aber bei uns wir nur getestet, wenn man Kontakt zu einem Infizierten hatte oder Symptome zeigt.“ Erst kürzlich sei es einer Erzieherin nicht gut gegangen und sie musste sich testen lassen. „Aber wir haben sechs Tage auf das Ergebnis warten müssen“, sagt Girmann. „So etwas ist einfach ungut.“

Empfang mit Maske machte einigen Angst

Es sei schon eine Herausforderung, die „Nicht-Begegnungs-Ordnung“ einzuhalten, sagt auch Brunhilde Singhammer vom Kindergarten Isarbiber in Arzbach. Inzwischen seien fast alle Kinder zurückgekehrt. Es werde täglich abgestimmt, wer den Garten wann nutzen könne und wer wann in welchem Raum ist. Die Kinder werden derzeit von einer Erzieherin, die Mundschutz trägt, vor der Einrichtung in Empfang genommen. Dies hätte einige jüngere Kinder etwas irritiert, sie hatten Angst. „Sie mussten sich darauf erst einstellen“, sagt Singhammer.

Etwas verwirrend seien die Vorgaben. „Wir wissen teilweise nicht, was geht und was nicht.“ Die Vorgaben würden alle eingehalten. Dennoch empfindet sie manches als großes Durcheinander.

Die Kinder hätten den Kindergarten wieder herbeigesehnt. Der Start mit den Vorschulkindern sei sehr schön gewesen. „Da konnten wir mit den Großen ganz in Ruhe alles langsam angehen.“

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Elterngespräche würden derzeit am Telefon erfolgen, Tür-und-Angel-Gespräche werden im Freien mit Maske abgehalten. Auch die anvisierten Elternabende werden möglich sein, wenn auch stets nur mit 15 Personen.

„Permanent ändert sich etwas“, sagt Carla Albers, Leiterin vom Montessori-Kinderhaus in Kochel. Man müsse wahnsinnig flexibel sein. Am 1. Juli komme dann der eingeschränkte Regelbetrieb. „Dann sind alle Kinder wieder an Bord. Wir freuen uns darauf.“ Bereits nach den Pfingstferien seien 90 Prozent der Kleinen zurückgekehrt.

„Alle haben sich gefreut ihre Freunde wieder zu treffen“ 

Es gebe verschiedene Eingänge für die Gruppen. Im Gang müssten Personal und Eltern Mundschutz tragen. Auch auf gründliches Händewaschen werde geachtet. „Aber die Kinder wissen das schon, dass sie bis 20 zählen oder ein Lied singen sollen.“

Wichtig sei der Montessori-Pädagogik eigentlich die Selbstständigkeit der Kinder, beispielsweise bei der Zubereitung oder dem Schöpfen des Essens. „Aber jetzt erhalten die Kinder ihre Mahlzeit portioniert und sitzen weit auseinander. Da haben sie uns die Rückmeldung gegeben, dass sie das nicht gut finden.“ Ein Aspekt, der im Tagesablauf nun fehle, sei das Singen. „Nur beim Wandern oder Spazieren an der frischen Luft singen wir zusammen.“

Die meisten Kinder seien ganz entspannt in die Kita zurückgekehrt, sagt Albers. „Alle haben sich gefreut, ihre Freunde wieder zu treffen.“

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