Auf der Flinthöhe in Bad Tölz befindet sich eine von fünf großen Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.
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Auf der Flinthöhe in Bad Tölz befindet sich eine von fünf großen Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Bericht im Ausschuss

Noch ist Platz in Asylunterkünften - Doch Landrat Niedermaier warnt

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Das Thema Unterbringung von Asylbewerbern steht aktuell nicht mehr im Fokus. Doch das könne sich wieder ändern, mahnt der Landrat von Bad Tölz-Wolfratshausen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) hat davor gewarnt, beim Thema Asylunterkünfte nach dem Prinzip „Aus dem Auge, aus dem Sinn“ zu verfahren. Auch wenn der Landkreis im Moment seine Quote bei der Unterbringung von Asylsuchenden erfülle: Das könne sich schnell ändern – „und dann kann auch wieder ins Gespräch kommen, dass wir Turnhallen belegen müssen“, sagte er in der jüngsten Sitzung des Kreistags-Ausschusses für soziale und kulturelle Angelegenheiten.

Zuvor hatte Theresa Kaufmann, zuständige Abteilungsleiterin im Landratsamt, den Kreisräten die jüngsten Asylzahlen vorgetragen. In den Unterkünften in Bad Tölz-Wolfratshausen seien zum Stichtag 30. September 1157 Geflüchtete untergebracht gewesen, 75 weniger als vor einem Jahr. Dabei handele es sich um 830 „klassische Asylbewerber“ und 318 sogenannte Fehlbeleger, also Personen, die bereits einen Aufenthaltsstatus haben, aber keine Wohnung finden und einstweilen in den Unterkünften bleiben können.

Landkreis hat weiter starkes Interesse, dezentrale Unterkünfte zu schaffen

Für Asylbewerber hält der Landkreis nach Kaufmanns Angaben aktuell 966 Plätze in 84 dezentralen Unterkünften bereit. In den größeren Gemeinschaftsunterkünften – betrieben von der Regierung von Oberbayern – stünden 749 Plätze zur Verfügung. Etwas Luft gibt es also noch. Von Seiten des Landratsamts bestehe aber „weiterhin starkes Interesse, dezentrale Unterkünfte zu bekommen“, betonte Kaufmann.

Niedermaier ergänzte, dass es vor allem problemtisch werde, wenn die bestehenden großen Unterkünfte – es gibt zurzeit zwei in Bad Tölz, eine in Geretsried und zwei in Wolfratshausen – nicht verlängert würden, etwa aus politischen Gründen. Oberbayernweit bestehe schon jetzt ein „akuter Mangel an zentralen Unterkünften“.

Momentaufnahme: Aktuell kein Asylbewerber im Landkreis mit Corona infiziert

Als positive Momentaufnahme konnte Theresa Kaufmann vermelden, dass zurzeit kein Asylbewerber in den Unterkünften im Landkreis mit dem Coronavirus infiziert sei. Ausnahme ist hier freilich die Unterkunft an der Steinsäge in Wackersberg. Sie wurde von der Regierung von Oberbayern bekanntlich eigens eingerichtet, um hier infizierte Asylbewerber aus ganz Oberbayern in Quarantäne unterzubringen. Hier halten sich laut Kaufmann zurzeit 14 Personen in Isolation auf.

In den jüngsten Treffen im „Arbeitskreis Asyl“ habe sie zuletzt von Asylhelfern keine Rückmeldung über akute Probleme bekommen, berichtete Kaufmann. Allerdings sei zu beobachten, dass sich heute weniger Freiwillige fänden, weil das Thema nicht mehr so im Fokus von Politik und Öffentlichkeit stehe.

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