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Amtsgericht Wolfratshausen

Opfer (14) massiv unter Druck gesetzt: Loisachtaler verurteilt

  • vonRudi Stallein
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Wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung wurde ein 23-Jähriger aus dem Loisachtal zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Schuldig der Verbreitung pornografischer Schriften in fünf Fällen, Vergewaltigung in drei Fällen in Tateinheit mit Beschaffung pornografischer Schriften sowie sexueller Nötigung in acht Fällen: So lautet das Urteil gegen einen jungen Mann (23) aus dem Loisachtal. Er wurde zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Zudem ordnete das Gericht zwei Wochen Dauerarrest an.

Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen sah es als erwiesen an, dass der Chemikant Ende November, Anfang Dezember 2017 ein 14-jähriges Mädchen via Whatsapp dazu genötigt hatte, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen und dabei Handy-Videos zu machen (wir berichteten). Außerdem soll der Angeklagte im Frühjahr 2018 eine damals 18 Jahre alte Arbeitskollegin mehrmals zum Oral-Verkehr gezwungen haben. Weil auch dies gegen den Willen der jungen Frau geschehen sein soll, war es von der Staatsanwaltschaft ebenfalls als Vergewaltigung angeklagt worden.

Diesen Punkt wertete das Gericht jedoch abschließend nur als acht Fälle der sexuellen Nötigung in einem minderschweren Fall. „Hier fehlt es an der besonderen Erniedrigung. Sie war ja einverstanden, nur nicht in der Form“, schloss sich das Gericht der Einschätzung des Verteidigers an, der die Vorsitzende Richterin Friederike Kirschstein-Freund und ihre zwei Schöffen mit seinem Plädoyer „ins juristische Grübeln gebracht“ hatte.

„Missbraucht gefühlt habe ich mich nicht. Verarscht trifft es besser.“

Rechtsanwalt Jost Hartmann-Hilter hatte herausgestellt, dass die Auszubildende eingeräumt hatte, anfangs in den Angeklagten verliebt gewesen zu sein und gerne mit ihm „normalen“ Sex gehabt hätte. Auch mit dem Oral-Sex war die 18-Jährige zunächst einverstanden. „Aber er hat einfach nicht ernst genommen, als ich gesagt habe, ich will nicht mehr“, hatte die junge Frau in ihrer Videovernehmung erklärt. Zudem hatte sie gesagt: „Missbraucht gefühlt habe ich mich nicht. Verarscht würde das Ganze besser treffen.“

Nicht folgen konnte das Gericht der Auffassung des Anwalts zur Bewertung der „pornografischen Schriften“, die sein Mandant (in Form von Penisfotos) an die 14-Jährige geschickt und ebenso von dem Mädchen eingefordert hatte – sowohl Bilder als auch Videos der sexuellen Handlungen, als Beweis, dass die „Sklavin“ die Anweisungen ihres „Meisters“ befolgte. „Pornografisch ist das bloße Übersenden von nackten Körperteilen, auch in erigiertem Zustand, nicht“, argumentierte Hartmann-Hilter.

14-Jährige penetrant unter Druck gesetzt

Kein Zweifel bestand an der Schuld des Angeklagten im schwerwiegendsten Anklagepunkt. Über mehrere Wochen hinweg hatte er sein 14-jähriges Opfer massiv und äußerst penetrant unter Druck gesetzt. Aufgrund der Art und Weise seines Verhaltens stellte das Gericht die Schwere der Schuld fest, die zur Verhängung einer Jugendstrafe erforderlich ist. „Sie sind absolut planmäßig vorgegangen, haben einen Videochat benutzt, um an Handynummern von Mädchen zu kommen und haben Online-Spiele benutzt, um solche Spielchen zu treiben“, hielt Richterin Kirschstein-Freund dem Beschuldigten vor. Und anders als die heute 20-jährige Geretsriederin, die sich auf den Angeklagten eingelassen hatte, habe die Schülerin, die nach Auskunft der Nebenklagevertreterin bis heute unter den Vorgängen leidet, „keinerlei Ausweg gesehen. Sie hat geglaubt, sie habe keine Wahl.“

Das Gericht setzte die Strafe für drei Jahre zur Bewährung aus. Der Angeklagte wurde angewiesen, an seine Opfer Schmerzensgeld zu zahlen: 6000 Euro an die Schülerin, 2000 Euro an die frühere Arbeitskollegin.

Außerdem soll sich der Mann in eine ambulante Sexual-Therapie begeben. Zugunsten des Angeklagten wertete das Gericht, dass sich das Verfahren „sehr, sehr lange hingezogen hat“ und er sich seitdem nichts mehr habe zu Schulden kommen lassen.

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