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Passbilder vom Amt: Schock für Fotografen

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Von: Melina Staar

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Gute Miene zum bösen Spiel: Die geplante Änderung für Passfotos gefährdet die Existenz von Fotografen wie Bettina Krinner aus Lenggries. © Foto: Arndt Pröhl

Wer einen neuen Pass oder Personalausweis beantragt, soll sein Porträtfoto – um vor Manipulation zu schützen – künftig nur noch direkt im Amt machen dürfen. Für Fotografen würde das drastische Einbußen bedeuten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nach einem Vorschlag aus dem Innenministerium sollen Passfotos künftig nur noch in der jeweiligen Behörde unter Aufsicht eines Mitarbeiters gemacht werden. Der Hintergedanke: Es soll vermieden werden, dass Fotos manipuliert werden. Fotografen würden dadurch einen wichtigen Bestandteil ihres Geschäfts verlieren.

„Das ist sehr nachteilig für uns“, sagt Franz Xaver Kohlhauf vom „Fototreff“ in Bad Tölz. „Passfotos sind ein Grundgeschäft.“ Würden diese weggenommen, sei das deutlich zu merken. Zumal er sich sicher ist, dass dann auf Behörden einiges zukomme. „Gerade Kinder oder auch ältere Personen benötigen eine spezielle Aufmerksamkeit, wenn es um Porträts geht.“ Da sei viel Zeitaufwand gefragt. „Es ist nicht so einfach.“ Dazu komme, dass sich ein Fotograf die Mühe mache, dass ein Porträt zur Zufriedenheit des Kunden ausfalle. „Beim Amt wird darauf sicher nicht geachtet.“

Als „katastrophal“ bezeichnet den Vorstoß auch Ingrid Dörr-Bardeleben, Inhaberin des „Fotostudio Dörr“ in Wolfratshausen. „Wenn wir keine Passfotos mehr machen, können wir zusperren.“ Hochzeiten und Familienfeiern würden meist an den Wochenenden stattfinden, Passfotos seien das Tagesgeschäft. Und es betreffe nicht nur die Fotografen selbst. „Unsere Angestellten, Azubis, die müssten wir alle entlassen.“ Das Geschäft sei sowieso härter geworden. „Immer mehr Leute fotografieren auf Feiern alles selbst“, sagt Dörr-Bardeleben. Das hänge auch mit der Entwicklung der Smartphones zusammen, deren Kameras immer besser geworden seien.

Passbilder vom Amt: „Optimal, wenn es autorisierte Studios vor Ort gebe“

Das eigentliche Problem sei eine Software, mit der man zu Hause selbst seine Fotos bearbeiten könne. „Da sind Fälschungen leicht möglich.“ Sie versteht nicht, warum nicht diese Software eingeschränkt werde. „Optimal wäre es, wenn es autorisierte Studios vor Ort gebe, die die Fotos direkt ans Amt schicken.“ Sie vermutet, dass der eigentliche Hintergedanke des Vorstoßes sei, dass der Staat selbst Geld mit den Fotos verdienen möchte. „Aber wie sollen die Behörden den Aufwand bewältigen?“

Als sie die Nachricht kurz nach Heilig-Drei-König gehört habe, „war ich total entsetzt“, sagt Bettina Krinner, Fotografin aus Lenggries. Wenn das Gesetz wirklich in Kraft treten sollte, sei das existenzgefährdend für viele Fotografen. Bei ihr selbst machen Passfotos etwa ein Drittel des Umsatzes aus. Angesichts der ohnehin schwierigen Lage für den ortsansässigen Fach- und Einzelhandel stellt diese neue Gesetzgebung keine Unterstützung seitens der Regierung der mittelständischen Betriebe dar. Sie hofft, dass eine Lösung gefunden wird, die für alle Seiten tragbar sei. Wenn etwa der Fotograf das Passfoto ans Amt übermittele, sei Manipulation so gut wie nicht möglich.

Bürgermeister-Sprecher: „Warum reicht bisherige Lösung nicht aus?“

Was die Gesetzesänderung für die Kommunen bedeutet, darüber hat sich Michael Grasl, Bürgermeister-Sprecher im Landkreis, noch nicht den Kopf zerbrochen. „Wenn es soweit kommen sollte, machen wir uns Gedanken.“ Es müssten dann eigene Geräte aufgestellt werden, mit denen die Fotos gemacht werden könnten. „Es wäre auf jeden Fall ein Mehraufwand.“ Zwar sei für seine Gemeinde Münsing ein neues Rathaus geplant, mehr Personal gebe es deswegen aber nicht automatisch. „Warum reicht die bisherige Lösung mit allen biometrischen Feinheiten denn nicht aus?“, fragt sich Grasl.

Der einzige Vorteil, den Grasl sieht: „Der Bürger spart sich einen Weg.“

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