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Schluss mit bunt: EU-Verordnung verbietet viele Farben für Tattoos

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Von: Patrick Staar

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Seit dem 5. Januar dürfen die meisten altbewährten Farben bei Tattoos nicht mehr verwendet werden.
Seit dem 5. Januar dürfen die meisten altbewährten Farben bei Tattoos nicht mehr verwendet werden. © dpa

Seit der Änderung einer EU-Verordnung Anfang Januar dürfen Tätowierer viele Farben nicht mehr nutzen. „Die Neuregelung ist Quatsch“, sagt ein Tätowierer aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen dazu.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Reach-Verordnung der EU bringt die Tattoostudios in Schwierigkeiten. Seit dem 5. Januar dürfen sie die meisten altbewährten Farben nicht mehr verwenden: „Die Neuregelung ist nutzlos und Quatsch“, sagt Michael Vizzini, Shop-Manager bei „Newborn Tattoo“ in Wolfratshausen. Julie Magen von „Inkwise Tattoo“ in Bad Heilbrunn sieht es genauso: „Das Verbot macht keinen Sinn und ist völlig überzogen.“

Zwei Pigmente sind von den Beschränkungen bis 2023 ausgenommen

Die sogenannte „Reach-Verordnung“ gibt es schon seit 2007. Sie regelt die sichere Verwendung von Chemikalien in Europa. Sie gibt vor, welche Stoffe in Haarfarben, Kosmetikprodukten und Tätowierfarben verwendet werden dürfen. Seit der Änderung der Verordnung ab 5. Januar gelten strengere Regeln für Gemische. Bestimmte Stoffe dürfen nur noch in so geringen Mengen enthalten sein, dass sie quasi verboten sind. Betroffen sind auch einige Pigmente und Konservierungsmittel, die in Tattoofarben verwendet worden sind, zum Beispiel „Disperse Yellow 3“ oder „Acid Violet 17“. Die beiden Pigmente „Blue 15:3“ und „Green 7“ sind bis zum 4. Januar 2023 von der Beschränkung ausgenommen. Das Bundesamt für Risikobewertung kommt zu dem Ergebnis, dass diese beiden Pigmente vergleichsweise gering giftig seien. Es gebe jedoch nur wenige Daten zu diesem Thema, so dass eine Risikoeinschätzung zurzeit nicht möglich sei.

Neuregelung bedeute, „dass 95 Prozent der Mittelchen auf dem europäischen Markt nicht mehr erlaubt sind“

„Die Neuregelung bedeutet, dass 95 Prozent der Mittelchen auf dem europäischen Markt nicht mehr erlaubt sind“, sagt Julie Magen. „Wie ich es jetzt mit den Farben mache, weiß ich nicht.“ Vorerst kümmere sie sich ausschließlich um Schwarz-Weiß-Projekte. Magen hat keinerlei Verständnis für die Änderung: „Mit Blau und Grün tätowiere ich seit 1995. Das sind gute Pigmente, da sind noch nie Allergien aufgetreten – nicht bei mir und nicht bei meinen Kunden.“

Erst einmal Verzicht auf farbige Tattoos

Magen will erst mal abwarten, was der Bundesverband Tattoo (BVT) empfiehlt. Eines der Probleme der Branche sei, dass dort nur wenige Tattoostudios Mitglied seien. Magen hofft auch auf eine Liste von Firmen, die regelkonforme Farben anbieten.

Ähnlich ist die Situation bei „Newborn Tattoo“ in Wolfratshausen: „Im Moment verzichten wir auf farbige Tattoos“, sagt Shop-Manager Michael Vizzini. „Uns bleibt keine andere Wahl, weil wir keine anderen Farben herbekommen.“ Die gegenwärtige Situation sei „anstrengend und nutzlos, denn wir haben schon bisher die sichersten Farben verwendet, die es jemals gegeben hat“. In den vergangenen 100 Jahren sei kein einziger Fall bekannt geworden, in dem ein Tattoo Krebs ausgelöst habe: „Aber 100 Jahre sind vielleicht ein zu kurzer Betrachtungszeitraum“, merkt Vizzini sarkastisch an.

Generell gehe der Trend ohnehin in Richtung Schwarz-Weiß-Tattoos

Generell bleibt er aber gelassen: „Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Die Hersteller würden demnächst bestimmt Farben produzieren, die alle Vorgaben erfüllen. Vizzini geht davon aus, „dass sich die Situation bis Ende Februar, Anfang März geregelt haben wird“. Generell gehe der Trend ohnehin in Richtung Schwarz-Weiß-Tattoos, bei der Hälfte sei aber immer noch „was Farbiges drin“.

Alles andere als glücklich über die Neuregelung ist auch Tom Hurtner vom Tattoostudio „Nailed Ink“ in Bad Tölz: „Das ist Scheiße, da brauchen wir nicht drum herum zu reden.“ Für ihn selbst halte sich der Schaden aber in Grenzen, „denn ich baue ganz selten mal ein, zwei Farben in die Tattoos ein“. Dies habe ästhetische Gründe, Graue und Schwarze würden ihm einfach besser gefallen. Bei Grau- und Schwarztönen gebe es einige Alternativen.

Bundesverband verbreitet keine Untergangsstimmung

Der Bundesverband selbst verbreitet auf seiner Homepage keine Untergangsstimmung. Die Situation komme „weder überraschend noch aus dem Nichts“, heißt es in einer Stellungnahme: „Wir sind insoweit relativ optimistisch, dass die Regeln eines freien Marktes dieses Problem lösen werden.“ Was man allen Beteiligten ein wenig zu Gute halten müsse, sei die Komplexität der Regularien. Diese seien selbst für Fachleute nicht einfach zu verstehen.

Nach Ansicht des Verbands wären einige Probleme durch eine bessere wissenschaftliche Erkenntnislage lösbar: „Nicht wenige der für uns ungünstigen Verbote und Grenzwertbestimmungen beruhen mehr auf Vermutungen als auf Wissen.“ Der Verband wolle gegen die bestehende Regelung vor Gericht ziehen und Sicherheitsdossiers für die einzelnen Stoffe erstellen lassen.

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