Kommunen aus dem Landkreis haben spezielle Strategien der Geldanlage (Symbolbild).
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Kommunen aus dem Landkreis haben spezielle Strategien der Geldanlage (Symbolbild).

Finanzen

Bad Tölz-Wolfratshausen: So legen Städte und Gemeinden ihr Geld an

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Durch die Insolvenz der Greensill-Bank in Bremen haben auch Kommunen in Bayern Geld verloren. Im Landkreis ist jedoch keine Gemeinde oder Stadt betroffen. Sie haben andere Strategien bei der Geldanlage. Leicht ist es jedoch nicht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wenn über das Insolvenzverfahren der Greensill-Bank berichtet wird, werden schnell Erinnerungen an die Finanzkrise 2008 wach. Auch jetzt wird der Ruf nach mehr Kontrolle und Transparenz auf dem internationalen Finanzmarkt wieder laut. Bei dem Skandal um die Greensill-Bank schauen nun einige deutsche Städte und Kommunen in die Röhre. Allein in Thüringen gibt es 30 Kommunen, die zusammen mehr als 328 Millionen Euro bei der Bank in Bremen angelegt hatten. In Bayern sind unter anderem Oberschleißheim und Vaterstetten mit je fünf Millionen Euro betroffen. Sie hatten das Geld schon vor einiger Zeit in Bremen angelegt, die Bank zahlte noch geringfügig Zinsen. Das Problem ist, dass für die Einlagen keine Absicherung gilt.

Oft Zusammenarbeit mit Banken aus der Region

Wie halten es die Städte und Gemeinden im Landkreis mit der Geldanlage? Die Gemeinde Gaißach etwa hatte 2020 eine Rücklage in Höhe von acht Millionen Euro. „Wir arbeiten überwiegend mit regionalen Banken zusammen“, sagt Kämmerer Hans Fischhaber. Man habe einige kurzfristige, aber auch langfristige Geldanlagen so gesteuert, dass der nötige Cashflow bei den anstehenden Investitionen und Aufgaben vorhanden sei. Im zurückliegenden Haushaltsjahr musste Gaißach Negativzinsen in Höhe von rund 500 Euro abführen, berichtet Fischhaber. Das sei relativ gering.

„Aber nicht nur die Negativzinsen sind mittlerweile ein Problem, sondern auch die Kontoführungsgebühren der Banken“, sagt der Kämmerer. In Gaißach habe der Gemeinderat entschieden, in den kommenden Jahren einiges zu investieren, etwa in Turnhalle und Kindergarten.

Bad Tölz: „Setzen auf die sichere Karte“

Investiert wird auch in der Verwaltungsgemeinschaft Kochel-Schlehdorf. „Wir setzen auf eine langfristige Anlage in die Infrastruktur. Hieraus sollte durch Miet- und Pachteinnahmen der entsprechende Zuwachs entstehen“, sagt Kämmerer Thomas Bacher. Außerdem bestehe die Möglichkeit, Festbeträge für fünf, sechs Jahre auf ein oder mehrere Bausparverträge zu verteilen. „Derzeit sind wir in beiden Gemeinden noch in der Lage, mit den örtlichen Banken Freigrenzen in Höhe von 500 000 Euro auf unsere Bankkonten zu erhalten“, sagt Bacher. „Sollten diese Freigrenzen fallen, steht die Verwaltung derzeit mit weiteren Banken der Region in Verhandlung für ein Kommunalkonto.“

In Bad Tölz, sagt Kämmerer Hermann Forster, „setzen wir auf die Karte Sicherheit“. Hier lag der Haushaltsansatz für die Rücklage Ende 2020 bei 7,5 Millionen Euro. Der Stadtrat habe schon 2018 beschlossen, bei der Geldanlage mit den örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken beziehungsweise mit der Sparkasse zu arbeiten, weil dort die sogenannte Institutssicherung gelte: „Das heißt, die Banken sichern sich gegenseitig ab, sollte einer Probleme bekommen“, sagt Forster. In der Tölzer Kämmerei gelte „Sicherheit vor Ertrag“. Man habe zudem noch ältere Bausparverträge, die immerhin zwischen 0,25 und 0,75 Prozent Zinsen einbrächten.

Auch in Geretsried legt man das Geld „grundsätzlich eher konservativ an“, sagt Pressesprecher Thomas Loibl. Man sei sich der Verantwortung „sehr bewusst“. „Aktuell steht die sichere Verwahrung im Vordergrund. Unsere Partner sind fünf Banken aus der Region, mit denen wir bisher noch Freibeträge vereinbaren konnten“, so Loibl. „Werden diese überschritten, fallen natürlich auch für uns Negativzinsen an.“ So wurden im Jahr 2020 beispielsweise knapp über 100 000 Euro an „Verwahrungsentgelten“ bezahlt. Heuer liege dieser Ansatz niedriger, nämlich bei 75 000 Euro. Grund sind laut Loibl die vielen Investitionen.

Die Gemeinde Münsing legt das Geld mittlerweile überwiegend bei österreichischen Banken an, berichtet Kämmerer Hubert Kühn. Der beste Zinssatz liege derzeit bei 0,46 Prozent, und das Verfahren „sei nicht aufwendiger als bei einer deutschen Bank“, sagt Kühn. Auch in Österreich gebe es die Institutssicherung.

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