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Bad Tölz-Wolfratshausen: Testpflicht an Kitas startet ohne Probleme

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Von: Patrick Staar

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Um in den Kindergarten gehen zu dürfen, müssen die Kinder seit Montag einen negativen Schnelltest vorweisen. Für alle Betroffenen bedeutet dies einen Mehraufwand.
Um in den Kindergarten gehen zu dürfen, müssen die Kinder seit Montag einen negativen Schnelltest vorweisen. Für alle Betroffenen bedeutet dies einen Mehraufwand. © Peter Keffel/DPA

Eltern müssen ihre Kinder für den Kita-Besuch nun drei Mal pro Woche testen. Große Probleme haben die Beteiligten damit nicht – allerdings stellen viele die Frage nach dem Sinn.

Bad Tölz-Wolfratshausen - „In meinen Augen ist das eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“, kritisiert Martina Bernwieser, Leiterin des Reichersbeurer Kindergartens. Anfang Dezember hatte der Ministerrat entschieden, dass Eltern in Bayern vom 10. Januar an ihre Kinder, die älter als ein Jahr sind, drei Mal die Woche testen müssen, wenn diese in der Kita betreut werden sollen. Immer montags, mittwochs und freitags sollen Eltern ihre Kinder zu Hause testen und in der Einrichtung das negative Testergebnis nachweisen. Dazu können sie entweder die Testkassette vorzeigen oder in einem Formular mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass ein negatives Testergebnis bei ihrem Kind vorliegt.

Keine großen Probleme bei Kita-Testungen

„Die allermeisten Eltern haben es gewusst und die Testkassette mitgebracht“, sagt Bernwieser. Auch wenn das von manchen befürchtete Chaos ausgeblieben ist, macht Bernwieser keinen Hehl aus ihrer Abneigung: „Das ist die erste Corona-Maßnahme, die mich richtig ärgert, denn sie bedeutet einen Haufen Arbeit und Aufwand“. Zugleich halte sich der Nutzen ihrer Ansicht nach in Grenzen: „Von wem der Test stammt, sei dahingestellt. Wer unehrlich sein möchte, kann es ganz leicht sein.“ Außerhalb des Landkreises gebe es viele Orte, in denen – wie an den üblich Schulen – PCR-Pooltests gemacht werden.

Nicole Wellmann, Leiterin des Kinderland Wolfratshausen, bestätigt: „Wir müssen den Eltern sehr vertrauen, dass sie ihr Kind zu Hause wirklich getestet haben.“ Sie ist allerdings der Meinung: „Das ist okay so.“ Die ersten Tage mit Corona-Tests seien „ganz entspannt“ verlaufen. Nur fünf von 125 Eltern hätten die notwendigen Formulare nicht dabei gehabt, „weil ihr Drucker nicht funktioniert hat“. Diesen Eltern wurden dann im Kindergarten die Zettel in die Hand gedrückt. Einen „wahnsinnigen Mehraufwand“ kann Wellmann nicht erkennen. Personell sei das Kinderland gut aufgestellt: „Dass eine Mitarbeiterin nun an der Tür steht, können die anderen Kolleginnen auffangen.“

Kita-Tests: Vertrauen in die Eltern gefragt

Monika Rinshofer, Leiterin der Kita Heilige Familie in Bad Tölz, will sich zum Nutzen der Neuregelung nicht äußern: „Das Wichtigste ist, dass der Start problemlos war, und dass die Eltern die Testpflicht akzeptiert haben.“ In der Kita habe es weder Probleme noch negative Kommentare gegeben. Dies bestätigt eine Mitarbeiterin des „Kinderland Gartenberg“ in Geretsried, die namentlich nicht genannt werden will: „Die Eltern waren sehr offen dafür.“ Sie räumt aber ein: „Es sind immer Eltern dabei, bei denen man sich Frage stellt, ob sie sich den Stress mit den morgendlichen Tests wirklich antun – ohne dass ich jemandem was unterstellen will“. Die Umsetzung der neuen Regeln sei für das Kinderland schwierig, da montags, mittwochs und freitags nun eine Kinderbetreuerin zwischen sieben und neun Uhr an der Tür stehen und die unterschriebenen Formulare entgegennehmen muss. Dieses Personal fehle im Gruppendienst. „Viele Eltern haben gesagt: Ihr Armen müsst euch das auch noch antun.“ Im Gegensatz zu vielen anderen Kitas herrsche im Kinderland allerdings keine Personalnot. Irgendwie sei die Änderung auch verständlich, räumt die Mitarbeiterin ein: „Es geht um die Sicherheit aller.“

Unehrlich sein wird zu leicht gemacht

Geradezu ins Schwärmen gerät Carla Albers, Leiterin des Montessori Kinderhauses in Kochel, wenn sie von den ersten Tagen mit Testpflicht erzählt: „Alles hat ganz, ganz toll geklappt. Ein dickes Lob an alle Eltern.“ Es gebe einige Familien, die zwei oder drei kleine Kinder im Kinderhaus haben, „aber auch die haben die Tests mitgebracht“. Das Kinderhaus sei in der Vergangenheit von Quarantäne gebeutelt worden. „Daher sind die Eltern bereit, einiges zu tun, um eine gesicherte Betreuung aufrecht zu erhalten.“ Durch die Testpflicht ändere sich nicht viel. Es sei seit jeher üblich, dass die Eltern nicht einfach in den Kindergarten hereinspazieren, sondern ihr Kind an der Tür abgeben. „Und jetzt machen die Mitarbeiterinnen eben am Stehtisch noch ein Hakerl – ein Hauch mehr Arbeit, aber nicht dramatisch.“ Albers räumt ein, dass sie mit Schlimmerem gerechnet hatte: „Ich habe schon befürchtet, dass wir zum Testzentrum werden und ein Testzelt aufbauen müssen.“ Sie vertraue den Eltern: „Der Versuch, Sicherheit zu generieren, steht über allem. Jeder wünscht sich, dass das aufhört und alles wieder normal wird.“

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