Altlandrat Otmar Huber ist am 22. April 2021 verstorben.
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Altlandrat Otmar Huber ist am 22. April 2021 verstorben.

Nachruf

Bad Tölz-Wolfratshausen: Trauer um den Landkreis-Architekten Otmar Huber

Otmar Huber war nie ein „König“, er blieb immer nahbar und auf Augenhöhe des Bürgers. Er war der Architekt des heutigen Landkreises Bad Tölz-Wolf-ratshausen, hat aber viel mehr geleistet. Am Donnerstag ist der Altlandrat 93-jährig gestorben.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der gebürtige Franke kam noch aus einer anderen Zeit. Er erlebte als 17-jähriger Soldat den Krieg und schuftete fast vier Jahre in polnischen Bergwerken als Kriegsgefangener. Das prägte und härtete ihn ab. Zumal, da Otmar Huber eine lebenslange Hepatitis davontrug.

Huber studierte Jura und promovierte in München

Nach der Rückkehr studierte er Jura und promovierte in München. 1962 wurde er ans Landratsamt Bad Tölz versetzt und gewann 1967 als „Unabhängiger“ gegen den etablierten CSU’ler Kaspar Seibold sensationell die Landratswahl. Huber trat erst später der CSU bei. Anekdote am Rande: Sein Vorgänger Anton Wiedemann pflegte immer die Bewilligungen zu unterschreiben. Jurist Huber war für die Ablehnungen zuständig. „Das habe ich geändert“, schrieb Huber später.

Er hat sich im Alter darüber amüsieren können, dass er mit seiner Bilhilde eine Wolfratshauserin heiratete und später gleich quasi die Stadt dazu. Bei der Gebietsreform 1972 hätte der Altlandkreis Tölz erst den darob naserümpfenden Miesbachern zugeschlagen werden sollen. Huber fädelte die Zwangsheirat mit dem größeren Landkreis Wolfratshausen mit ein und sorgte durch kluge Politik dafür, dass zusammenwuchs, was nach Ansicht vieler unmöglich zusammenpassen konnte.

Otmar Huber war 29 Jahre lang Landrat

Hubers 29-jährige Landrat-Zeit war von vielen Reformen geprägt. Er schloss 44 wilde Müllkippen und baute gegen viele Widerstände die Vorzeigedeponie Greiling. Auch am Tölzer Schulzentrum „bastelte“ er mit. Otmar Huber war ein beinharter Kämpfer, wenn es sein musste. Nach sieben Jahren Kampf mit Haken und Ösen setzte der damalige Tölzer AV-Vorstand 1970 gegen die Grundpächterin Prinzessin Liliane von Belgien durch, dass eine Materialseilbahn zur Tölzer Hütte gebaut wurde.

Apropos Kämpfer: Man muss schon fast besessen ehrgeizig sein, wenn man mit 60 noch das Kraulen erlernt. Huber tat es, um 1984 beim Ironman in Hawaii dabei sein zu können. Kein Wunder, dass Huber seinen vier Kindern als Sportsmann Vorbild war.

Sport war seine große Leidenschaft

Sport, davon war er zutiefst überzeugt, habe ihm bis ins hohe Alter eine enorme Leistungsfähigkeit erhalten. Bis in die letzten Tage sei er, erzählt die Familie, mit dem Radl zum Einkaufen gefahren. Ein Sturz, offene Stellen, eine Sepsis: Am Donnerstag hat sich der Kreis für den Altlandrat geschlossen und es hat sich, ja, so muss man wohl sagen, eine Ära vollendet. (Christoph Schnitzer)

Stimmen aus dem Landkreis zum Tod von Otmar Huber:

Dr. Winfried Huber, Otmar Hubers Sohn und Arzt in Holzkirchen:

„Mein Papa war ein gütiger Mensch, der keine Feinde hatte. Er hat seine Arbeit pflichtbewusst und unbestechlich erledigt und war für alle da – sowohl in der Arbeit als auch als Familienvater. Ich hatte das Glück, einen Vater zu haben, der auch als Vorbild großartig war. Als Sportler hat er mir gezeigt, dass man trotz Handicaps und Kriegsverletzungen auch im Alter leistungsfähig sein kann. So was mitzuerleben ist eindrucksvoller als alle Appelle der Krankenkassen. Mein Vater hat die Menschen gemocht, hatte keine Vorurteile und war immer offen für Fremde. Unabhängig von Nationalitäten war in unserer Familie jeder willkommen. Mein Vater war naturverbunden und konnte nie verstehen, was für ein Schindluder die Menschen mit der Natur treiben. Was man noch sagen kann: Er war ein extrem sparsamer Mensch. Er hat zum Beispiel oft sein Hörgerät nicht eingeschaltet, weil er die Kosten für die Batterien sparen wollte. Er hat sich immer gefreut, wenn es zur Jahresmitte Lebkuchen gegeben hat, mit der Begründung: „Wenn wir Lebkuchen in der Kriegsgefangenschaft gehabt hätten, hätten wir viele schöne Tage gehabt.“

Josef Niedermaier, Landrat:

„Ich war schon als 16-Jähriger oft zu Besuch im Hause Huber, weil seine Söhne und ich gemeinsam Biathlon gemacht haben. Ich habe Otmar Huber als wahnsinnig offenen und geistig beweglichen Menschen kennengelernt. Mit ihm habe ich einige prägende Momente erlebt. Mitte der 80er-Jahre ging es um die Müllentsorgung. Da sind die Leute vors Landratsamt gezogen, haben eine Puppe mit seinem Konterfei an den Galgen gehängt und verbrannt. Mit 17, 18 Jahren konnte ich nicht verstehen, wie Leute so boshaft sein können. Davor war mir das Thema Mülldeponie eher egal, aber ab diesem Zeitpunkt habe ich alle Artikel zu diesem Thema gelesen. Otmar hat seine Ziele da mit einem unglaublichen Nachdruck verfolgt. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass sein Weg absolut richtig war. Ich habe eine tiefe Ehrfurcht vor seiner politischen Lebensleistung. Er hat die FOS und BOS in Tölz vorangetrieben und hat den Landkreis zum Bildungslandkreis gemacht. Und er hat den Landkreis zusammengebracht. Wie integrierend er gewirkt hat, ist mir erst richtig klar geworden, als ich die alten Akten in den Händen gehalten habe. Als ich dann Landrat geworden bin, hat er gesagt, dass ich unbedingt bei der Tour der Hoffnung mitfahren soll, das ist eine große Benefiz-Radtour von Sportlern und Politikern für die Kinderkrebs-Forschung. Zwei Wochen fahren die Leute durch Deutschland und sammeln bei Firmen und auf Marktplätzen Geld. Otmar Huber war Gründungsmitglied. Ich war fünfmal dabei und immer mit ihm auf dem Zimmer. Durch die vielen Gespräche habe ich gemerkt, wie ihn die Kriegszeit geprägt hat. Sein Leitspruch war: „Wir müssen in der Welt von morgen bestehen.“ Das hat er extrem gelebt.“

Manfred Nagler, ehemaliger Landrat und Nachfolger von Otmar Huber:

„Otmar Huber war ein tadelloser Mensch und ein hervorragender Landrat. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als er bei uns in Thanning seine erste Rede als Landratskandidat gehalten hat. Als ich ein junger Bürgermeister in Thanning war, hab’ ich Dinge fabriziert, die vielleicht nicht so richtig gut waren. Da hat Otmar Huber sein Schild über mich gehalten, und dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass ich drei Landschaftsschutzgebiete unbedingt ausweisen wollte. Da gab es mit einigen Bürgern einen Mordsstreit. Otmar Huber hat nachgegeben und hat mich dabei unterstützt. Später war ich sein Vertreter als Landrat. Wir haben sehr eng zusammengearbeitet. Ich habe ihn in dieser Zeit noch besser kennengelernt und noch mehr schätzen gelernt.“

Andreas Wiedemann, ehemaliger Vorsitzender des WSV Bad Tölz und sportlicher Wegbegleiter:

„Otmar Huber war einer der Ersten in Tölz, die Triathlon ausprobiert haben – für solche Sachen war er sehr aufgeschlossen. Beim Tölzer Triathlon war er immer dabei. Nicht nur als Aktiver, sondern auch als Helfer. Wenn man mit ihm unterwegs war, hatte man immer eine schöne Zeit. Ich habe ihn bewundert, wie er die Sachen angegangen ist. Otmar war ein bäriger Sportskamerad, sehr gesellig und wahnsinnig ehrgeizig. Er war ein unruhiger Geist, er konnte nicht einfach ruhig dasitzen. Alpinskifahren hat ihm nicht gereicht, er musste danach immer gleich noch zum Langlaufen gehen. Jeder Tag war komplett mit Aktivitäten ausgefüllt.“

Heinz Karg, ehemaliger Kreiskämmerer:

„Otmar Huber war als Chef sehr zurückhaltend und zuvorkommend. Er war kein richtiger Chef, sondern hat eine natürliche Autorität ausgestrahlt. Ich mochte ihn gerne und bin gut mit ihm zurechtgekommen. Sein juristischer Sachverstand war außergewöhnlich.“ (Patrick Staar)

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