1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Bad Tölz

Virus-Angst hält Geschäftsreisende fern

Erstellt:

Von: Andreas Steppan

Kommentare

null
Der Schlüssel zur Krise: Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt bei den Betreibern von Hotels und Gaststätten im Landkreis für spürbare Einbußen. © Foto: dpa

In den Hotels im Landkreis gehen derzeit viele Stornierungen ein - bedingt durch die Angst vor dem Corona-Virus. Gastgeber befürchten: „Das wird einigen die Beine wegziehen“

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus’ zeigen sich aktuell in der Tourismusbranche besonders deutlich: Hotels im Landkreis haben damit zu kämpfen, dass reihenweise Buchungen storniert werden. In erster Linie sind es die Aufenthalte von Geschäftsreisenden, die wegbrechen.

„Eine Firma hat bei mir gerade 62 Nächte storniert, eine andere 60“, berichtet der Tölzer Hotelier Jürgen Ostermann. Auch von Privatpersonen registriert Ostermann in seinem „Alpenhof“ eine überdurchschnittliche Anzahl an Absagen – auch wenn er nicht in jedem Einzelfall die genaue Begründung kennt. „Insgesamt habe ich Stornierungen für 200 Nächte.“

Diese Lücken seien in einem Monat, in dem es ohnehin „sehr ruhig“ zugehe, besonders bedauerlich, sagt Ostermann. „Natürlich sind das Umsätze, die fehlen.“ Dennoch bleibt der Geschäftsmann relativ gelassen. „Wenn das jetzt entscheidend für unser Überleben wäre, dann wäre ich hier falsch. Ich sehe das als Phase, die wir aussitzen müssen.“ Ähnliche Verluste gebe es immer wieder, heuer zum Beispiel durch den Ausfall der Langlaufsaison wegen Schneemangels.

Auch Max Lochner, der Besitzer des Hotels Neuwirt in Gelting, spürt es nach eigenen Worten „ganz gewaltig“, dass ihm wegen des Corona-Virus’ Übernachtungen wegbrechen. Firmen hätten Tagungen abgesagt und Dienstreisen verschoben. Davon, dass sich Individualreisende zurückhalten, merkt er hingegen noch nichts – weil die Tourismus-Saison noch gar nicht angefangen habe. „Das geht erst Mitte April los.“

Die Devise lautet: „Nerven bewahren“

Kurzfristig seien die Einbußen verkraftbar, meint Lochner. „Aber wenn das noch lange so geht, wird es einigen die Beine wegziehen.“ Bitter fände er es etwa, wenn im Mai die Entsorgungsmesse IFAT in München abgesagt würde. Die hat ihm in den vergangenen Jahren zuverlässig Buchungen beschert. Lochners Devise aktuell: „Nerven bewahren.“

Zuletzt gecancelt wurde in München die Internationale Handwerksmesse. Davon betroffen war auch Lydia Hofherr, weil sie dadurch einige Absagen von Firmen für ihr Hotel in Königsdorf bekam. Dass das Restaurant im Posthotel Hofherr leerer wäre als sonst, registriert die Chefin dagegen noch nicht. „Aber man weiß natürlich nicht, wer normalerweise gekommen wäre und jetzt lieber daheim bleibt.“

Von „sehr vielen Absagen“ von Geschäftsreisenden berichtet auch Alexandra Steiner, Inhaberin des Wolfratshauser „Landhaus-Cafés“. „Das ist schon blöd, wenn so etwas passiert – aus Gründen, die man nicht beeinflussen kann“, sagt Steiner. „Denn als Hotel lebt man schließlich von den Übernachtungen.“

Nicht anders sieht es im Arabella Brauneckhotel in Lenggries aus. „Das ganze Tagungs- und Businessgeschäft fehlt“, berichtet Hoteldirektor Christoph Seitz. „Die Firmen weisen ihre Mitarbeiter an, keine Meetings abzuhalten, sondern das alles auf elektronischem Weg zu erledigen.“ Doch auch Seitz hofft das Beste: „Natürlich ist das blöd. Aber das ist aus meiner Sicht eine Delle, da kommen wir schon wieder raus.“

„Wir schütteln den Gästen keine Hände“

Der Hotelbetrieb habe die Möglichkeit, durch eine Anpassung der Arbeitsprozesse oder Verschiebungen bestimmter Aktionen wirtschaftlich zu reagieren. Von der Unternehmensgruppe zu der das Hotel gehört, kämen diesbezügliche Vorschläge. „Wir sind da gut gerüstet.“

Am wichtigsten ist den Hoteliers bei alldem, dass ihre Gäste und Teams gesund bleiben. Sie achte darauf, im Hotel „alles zu desinfizieren“, zum Beispiel Türgriffe möglichst keimfrei zu halten, sagt Lydia Hofherr. Die Mitarbeiter seien angehalten, die Handhygiene noch penibler einzuhalten als ohnehin schon.

„Zurzeit schütteln wir unseren Gästen nicht die Hand, und ich stürme zur Begrüßung nicht auf sie zu wie sonst, sondern halte einen Meter Abstand“, berichtet „Alpenhof“-Chef Ostermann. Zu den Maßnahmen im Arabella Brauneckhotel gehört laut Direktor Seitz, dass weniger Teller oder auch geringere Mengen an Speisen ans Buffet gestellt werden – „damit alles noch frischer ist“.

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus dem Landkreis Bad Tölz - inklusive aller Entwicklungen rund um die Kommunalwahlen auf Gemeinde- und Kreisebene. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare