Vom Frauenhaus in eine eigene Wohnung: Verein legt neues Programm auf
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Die Flucht ins Frauenhaus ist für die Betroffenen der erste Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft. Auch beim zweiten Schritt, dem Umzug in eine eigene Wohnung, hilft der Verein „Frauen helfen Frauen“.

So sollen auch Vermietern die Sorgen genommen werden

Vom Frauenhaus in eine eigene Wohnung: Verein „Frauen helfen Frauen“ legt neues Programm auf

Die Wohnungssuche gestaltet sich für Frauen aus dem Frauenhaus oft als besonders schwierig. Mit seinem neuen Programm „Second Stage“ will der Verein „Frauen helfen Frauen“ die Betroffenen dabei unterstützen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Wohnungsmarkt im Kreis ist hart umkämpft, viele Menschen suchen monatelang erfolglos nach einer Mietwohnung. Besonders schwierig ist die Situation für diejenigen, die akut eine Bleibe benötigen – etwa Frauen, die mit ihren Kindern Zuflucht im Frauenhaus gesucht haben. Mit dem neuen Projekt „Second Stage“ will der Verein „Frauen helfen Frauen“ die Betroffenen bei der Wohnungssuche unterstützen.

Projekt unterstützt Frauen bei der Wohnungssuche

„Einige Vermieter haben große Angst davor, dass es schiefgeht, wenn eine unserer Bewohnerinnen die Wohnung bezieht“, schildert Nicoline Pfeiffer, Gründerin des Vereins „Frauen helfen Frauen“, die Problematik. Die Frauen sind alleinerziehende Mütter. Einige von ihnen mussten aus Angst vor ihrem gewalttätigen Ex-Partner ihren Beruf aufgeben, weshalb sie nun von Hartz IV leben. 

Bei Wohnungsbesitzern stehen solche Bewerberinnen nicht sehr hoch im Kurs. Die Folge: Im Frauenhaus, „das einfach nicht darauf ausgerichtet ist, dass man darin mehrere Monate lebt“, wartet eine Familie bereits seit drei Jahren darauf, eine eigene Wohnung beziehen zu können.

Nicoline Pfeiffer Gründerin des Vereins „Frauen helfen Frauen“, der im Landkreis ein Frauenhaus betreibt.

Dieses Schicksal ist kein Einzelfall. „Die Frauen wünschen sich sehnlichst eine Bleibe, in der sie ihren Kindern ein stabiles Umfeld bieten und für sich und die Familie eine Zukunft schaffen können“, sagt Pfeiffer. Der Verein möchte die Bedingungen für ihre Schützlinge auf dem Wohnungsmarkt verbessern und nimmt dafür als eines von 17 Frauenhäuserin in Bayern an einem Modellprojekt teil. 

Verein „Frauen helfen Frauen“ macht bei Modellprojekt mit

Beim „Second Stage“-Programm werden die Frauen langfristig betreut und beraten, um wieder Fuß fassen zu können. Michaela Glunk, die das Projekt leitet, steht auch mit Vermietern und Ämtern in Kontakt, um den Frauen ein normales, friedliches Leben zu ermöglichen. Die Sorge mancher Vermieter bei Anfragen aus dem Frauenhaus sei zwar verständlich, aber nicht gerechtfertigt. „Die Frauen beziehen zwar Arbeitslosengeld“, erklärt Glunk, „aber das Jobcenter zahlt absolut zuverlässig - und die Vermieter bekommen dadurch ihr Geld pünktlich und sicher.“ 

Auch die Angst davor, dass das Leben in den eigenen vier Wänden die oftmals traumatisierten Frauen, die aus einer Gewaltbeziehung geflüchtet sind, überfordern könnte und es deshalb regelmäßig Probleme in der Wohnung geben könnte, hält Glunk für weitestgehend unberechtigt: „Die Frauen wünschen sich nichts so sehr, wie ein Leben führen zu können, in dem sie eben nicht wieder mit allen Seiten Probleme bekommen.“ 

Deshalb seien sie sehr darauf bedacht, dass das Dasein im familiären Umfeld so läuft, wie ein Vermieter sich das wünsche. Kurzum: „Die Vermieter bekommen mit unseren Frauen zuverlässige, ruhige und langfristige Mieter.“

Second-Stage-Programm zeigt erste Erfolge

Das Second-Stage-Programm, für das der Verein Förderungen von der Landesregierung erhält, läuft zwar erst seit Anfang des Jahres und Michaela Glunk hat ihre Stelle beim Verein erst vor rund zwei Monaten angetreten. 

Dennoch verzeichnet sie bereits erste Erfolge: Zwei Familien konnten in den vergangenen Wochen das Frauenhaus verlassen. Eins der sechs Zimmer im vereinseigenen Gebäude, dessen Standort streng geheim gehalten wird, ist derzeit sogar frei – wenn auch voraussichtlich nicht für lange Zeit.

Mit der erfolgreichen Wohnungsvermittlung ist es aber nicht getan. Glunk: „Wir versuchen, den Frauen nach ihrem Umzug dabei zu helfen, ein soziales Netzwerk aufzubauen.“ Gerade in der Anfangsphase sei es wichtig, im Kindergarten, in der Schule oder auch auf dem Arbeitsmarkt Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu schließen. 

„Versuchen den Frauen zu helfen, ein soziales Netzwerk aufzubauen“

„Die Frauen haben mit ihrem Umzug ins Frauenhaus den ersten Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft gemacht“, sagt Pfeiffer, „und sie gewinnen mit der Zeit immer mehr Zukunftsperspektiven.“ Was die Bewohnerinnen dabei noch zu oft ausbremst, ist der Wohnungsmarkt.

Das ständige Zusammensein daheim während der Corona-Pandemie hat auch seine Schattenseiten: Gerade Frauen, deren Männer zu Gewalt neigen, sind derzeit in großer Gefahr. Ein Gespräch mit Nicoline Pfeiffer vom Frauenhaus im Landkreis.

dst

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