Corona-Impfung beim Hausarzt: Das ist seit Anfang April auch im Landkreis möglich. In einigen Praxen gehen so viele telefonische Anfragen ein, dass die Leitungen blockiert sind. (Symbolfoto)
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Corona-Impfung beim Hausarzt: Das ist seit Anfang April auch im Landkreis möglich. In einigen Praxen gehen so viele telefonische Anfragen ein, dass die Leitungen blockiert sind. (Symbolfoto)

Leitungen teils überlastet

Anruf, E-Mail oder abwarten: Was ist der beste Weg zur Corona-Impfung beim Hausarzt?

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Impfungen gegen das Coronavirus sind seit Anfang April auch bei Hausärzten möglich. Die Nachfrage bei den Patienten ist groß. Aus einer Praxis kommt jetzt ein Hilferuf.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ein Hilferuf aus Kochel am See erreichte die Redaktion am Freitag. Aus der Praxis von Dr. Walther Steffens hieß es: „Wir bitten dringend um eine Information der Bevölkerung, dass Anrufe beim Hausarzt wegen der Coronaimpfung bitte nicht durchgeführt werden.“ Auf Rückfrage erklärt Dr. Steffens, dass in der Praxis 20 bis 40 Anrufe am Tag eingingen von Patienten, die einen Impftermin vereinbaren möchten. „Aber wir haben keinen Impfstoff“, so Steffens. Durch die vielen Anrufe kämen andere Patienten, die seine Hilfe benötigen teils nicht mehr durch. Steffens versichert, er werde seine Patienten informieren – je nach verfügbarer Impfstoffmenge und Priorisierung der Patienten.

Verständnis für den Hilferuf zeigt Dr. Jörg Lohse. Der Münsinger Hausarzt ist im Landkreis ärztlicher Koordinator der Pandemiebekämpfung. Die Terminvergabe regle jede Praxis eigenständig, erklärt er. Lohse selbst setzt durchaus darauf, dass impfwillige Patienten sich bei ihm melden. Dafür hat er eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet, die sich auch von der allgemeinen Praxis-Adresse unterscheidet, damit deren Posteingang nicht überquillt. Dasselbe rät er seinen Kollegen. Zudem hat Lohse in seiner Praxis Zettel ausliegen, auf denen man sich eintragen kann. Wenn Impfwillige anrufen, „dann können wir keine langen Beratungsgespräche führen, sondern verweisen nur auf die E-Mail-Adresse oder wir schicken den Zettel per Post zu“. Schließlich müsse die Praxis für Notfälle erreichbar bleiben.

Hausarztpraxen sind nicht mit dem Impfzentrum vernetzt

Selbst die Patientenkartei durchzugehen und diejenigen proaktiv einzuladen, die an der Reihe sind, sei allerdings erst recht nicht machbar, sagt der Münsinger Mediziner. „Wir sind eine Landarztpraxis mit 2500 Patienten pro Quartal“, sagt er. Man wisse auch im Einzelfall nicht, wer geimpft werden will – oder wer schon geimpft ist. „Leider sind wir mit den Impfzentren nicht vernetzt.“ Daher bittet Lohse all diejenigen Patienten, die sich bei ihm angemeldet, aber inzwischen ihre Dosis im Impfzentrum bekommen haben, kurz mitzuteilen, dass sich der Termin bei ihnen erledigt hat. Aktuell, so Lohse, liege in seiner Praxis eine Liste mit rund 300 Impfwilligen vor, die nach Priorität sortiert sind – wobei aus der obersten Prioritätengruppe gar keiner mehr dabei sei.

Auch Dr. Matthias Bohnenberger, Allgemeinmediziner in Bad Tölz und Vorsitzender der „Tölzer Hausärzte“, erklärt: Wer sich impfen lassen will, möge sich melden. „Eine E-Mail ist dafür sicherlich der beste Weg“, sagt er. Ein Brief sei aber genauso möglich. In der Praxis würden die Patienten in Excel-Listen geführt – sortiert nach Alter, aber eben nicht nur. „Eine Apothekerin, die Schnelltests durchführt, rückt in der Priorisierung zum Beispiel nach oben“, sagt Bohnenberger. Solche Informationen müssten ihm aber für die richtige Einordnung mitgeteilt werden.

Hausärzte bekamen bislang nur 20 Impfdosen pro Woche

Seinen Patienten rät der Hausarzt dazu, sich auf alle Fälle parallel beim Impfzentrum zu registrieren (Telefon 08171/3863610 oder im Internet auf www.impfzentren.bayern.de). Dort bestehe im Landkreis vergleichsweise eine „Luxusversorgung“, es gehe gerade zurzeit flotter voran, sodass man dort vielleicht schneller an die Reihe komme. „Natürlich machen wir Hausärzte gerne mit“, sagt er. Bisher hätten die Praxen aber nur etwa 20 Impfdosen pro Woche bekommen.

Respekt zollt Dr. Bohnenberger seinem Team. Die Medizinischen Fachangestellten seien es, die wie in der gesamten Pandemie organisatorisch die Hauptlast tragen. „Den Piks zu machen, das ist das Geringste.“

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