Immer öfter muss die Feuerwehr Wohnungstüren öffnen. Eine Folge der Corona-Kontaktbeschränkungen oder der allgemein zunehmenden Anonymisierung in urbanen Gebieten?	Symbolfoto: mm Archiv
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Immer wieder muss die Feuerwehr zu Wohnungsöffnungen ausrücken.

Wohnungsöffnungen gehören zu den Standardeinsätzen

Wenn die Feuerwehr das Schloss knacken muss

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Kontakte sollen in Zeiten wie diesen tunlichst vermieden werden. Das führt allerdings auch dazu, dass es nicht mehr so schnell auffällt, wenn man den Nachbarn ein paar Tage nicht gesehen hat. In einigen Regionen müssen Feuerwehren deutlich häufiger zu Wohnungsöffnungen ausrücken.

Bad Tölz - „Wohnungsöffnung bei akuter Gefahr“. Häufig findet man diese Überschrift bei den Einsatzberichten von Feuerwehren. Erst vergangene Woche musste die Tölzer Wehr zweimal in dieser Mission ausrücken. In manchen Landkreisen – wie etwa Fürstenfeldbruck – hat die Zahl in der Corona-Krise zugenommen, mutmaßlich, weil die Menschen im Lockdown weniger vor die Türe gehen und es dadurch nicht so schnell auffällt, wenn man beispielsweise einen Nachbarn länger nicht gesehen hat.

Im Landkreis ist die Zahl im Corona-Jahr leicht zurückgegangen

Im Landkreis hingegen ist die Zahl 2020 im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht zurückgegangen, wie Feuerwehrsprecher Stefan Kießkalt mitteilt. Im Corona-Jahr waren es landkreisweit 108 Einsätze, 2019 119. Trotzdem: Die Zahlen sind auf einem hohen Niveau. „Wohnungsöffnungen gehörten in den vergangenen Jahren zu den Standardeinsätzen“, sagt Thomas Fuchsgruber, Kommandant der Tölzer Feuerwehr. „Neben den Brandmeldeanlagen sind Wohnungsöffnungen in den letzten Jahren zu den häufigsten Einsätzen geworden.“ Warum das so ist, darüber kann er nur spekulieren. „In einer Stadt ist es vielleicht so, dass man die Angehörigen nicht mehr direkt um sich hat.“

Meistens benötigt die aufgefundene Person tatsächlich Hilfe

Wird die Feuerwehr zu einem solchen Einsatz gerufen, versuchen die Helfer, sich einen Zugang zu verschaffen – meist über ein Fenster, denn die Türen sind gewöhnlich massiver, und eine Reparatur wird dort teurer, sagt Fuchsgruber. Manchmal sei gar niemand anzutreffen. „Jemand ist verreist und die Nachbarn wissen nicht Bescheid.“ Meistens aber benötigt die aufgefundene Person Hilfe – oder sei bereits verstorben, wie es vor zwei Wochen der Fall war. „Nach dem Öffnen der Türe endet meistens unsere Aufgabe“, sagt Fuchsgruber. Dann übernehmen normalerweise Rettung und Polizei. Manchmal aber sei natürlich ein Feuerwehrmann an vorderster Front, wenn er etwa durch ein Fenster in die Wohnung gelangt und den Rettungskräften die Türe öffnet. Dieser sei dann der Erste, der eine möglicherweise verstorbene Person zu Gesicht bekomme. Daher übernehmen das laut Fuchsgruber erfahrene Leute, die mit der Situation umgehen können. „Damit hatten wir noch nie größere Probleme.“ Wenn klar sei, dass es sich um jemanden aus dem Bekanntenkreis eines Feuerwehrmannes handelt, übernehme jemand anderes den Einsatz. „Dafür haben wir genügend Personal“, so Fuchsgruber.

Hausnotruf für ältere Menschen wäre sinnvoll

Damit es gar nicht so weit kommt, dass die Feuerwehr die Türe öffnen muss, sei es für den Rettungsdienst von Vorteil, wenn es einen Bekannten oder Verwandten in der Nähe gibt, bei dem ein Schlüssel deponiert werden kann. „Aber das muss man im Fall der Fälle auch wissen.“ Grundsätzlich gebe es gerade für ältere, allein lebende Menschen die Möglichkeit, über den Hausnotruf schnell Hilfe anzufordern.

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