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Bad Tölz-Wolfratshausen zieht die Reißleine: Schärfere Corona-Regeln ab 6. November

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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In einem Landkreis in NRW gab es Streit wegen der Maskenpflicht im Auto.
Ab 6. November gilt auch wieder eine FFP2-Maskenpflicht im Landkreis. © Robert Poorten/imago-images (Symbolbild)

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zieht die Reißleine. Ab 6. November gelten strengere Corona-Regeln. Das bedeutet unter anderem 3G-plus in der Gastronomie, 2G in Diskotheken und bei vielen Veranstaltungen sowie FFP2- statt OP-Maskenpflicht.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Auf dem Papier sieht alles gut aus: Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt. Am Donnerstag gab sie das Robert-Koch-Institut (RKI) mit 136,5 an. „Wir wissen, dass dieser Wert definitiv nicht stimmt“, sagt Landrat Josef Niedermaier in einem Pressegespräch. Die Gründe seien vielschichtig. Einer ist, dass die Fallzahlen seit etwa zwei Woche so drastisch steigen, dass das Gesundheitsamt mit der Bearbeitung nicht nachkommt. 400 unbearbeitete Fälle gebe es zurzeit, sagt Dorothea Jörg, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts. Man sei aber „mit extremem Nachdruck dabei“, diesen Berg abzutragen, ergänzt Niedermaier.

Falsche Inzidenz liegt nicht nur an den unbearbeiteten Fällen

Daran allein könne die falsche Inzidenz auch nicht liegen. Er sieht unter Umständen auch Probleme bei der Übertragung der Daten vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ans RKI. So oder so: Bei realistischer Betrachtung liege der Landkreis bei einer Inzidenz von deutlich über 300.

Intensivbetten sind zu über 90 Prozent ausgelastet

Dazu komme die hohe Auslastung der Intensivbetten. Die lag Donnerstagmittag im Bereich des Rettungszweckverbands – der umfasst neben Bad Tölz-Wolfratshausen auch Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen – bei 91 Prozent. Das seien nicht alles Corona-Patienten, aber eben auch, sagte Niedermaier. Dabei verfüge man Dank der großen Kliniken in Murnau und Garmisch über eine durchaus hohe Zahl an Intensivbetten. „Allerdings sind es 20 Prozent weniger als bei der letzten Welle. Die Betten und Maschinen wären da. Es fehlt das Personal“, sagte Niedermaier.

3G-plus in der Gastronomie und in Hotels

Mit Blick auf diese Entwicklungen tritt am Samstag, 6. November, im Landkreis die von der Staatsregierung vorgeschlagene Hotspot-Regelung in Kraft. Konkret heißt das, dass dann in der Gastronomie 3G-plus gilt. Wer also nicht geimpft oder genesen ist, braucht einen aktuellen negativen PCR-Test. Auch in Hotels, Jugendherbergen und bei körpernahen Dienstleistungen komme das zur Anwendung, erklärt Michael Heigl aus der Pressestelle des Landratsamts.

3G auch am Arbeitsplatz

3G gilt auch für den eigenen Arbeitsplatz – in Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten sowie „für alle Beschäftigten, die während ihrer Arbeit Kontakt zu anderen Personen haben“, so Heigl. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss sich zweimal pro Woche testen. Wie das allerdings genau auszusehen hat, „da müssen wir noch den Verordnungstext abwarten“, sagt Landratsamts-Abteilungsleiter Wolfgang Krause. Ausnahmen gebe es zudem für den Handel und im ÖPNV, so Heigl.

In Diskotheken und bei vielen Veranstaltungen gilt 2G

Wo bislang 3G-plus galt – also beispielsweise in Diskotheken oder auch bei vielen Veranstaltungen –, wird auf 2G verschärft. Zugang haben also nur noch Geimpfte oder Genesene. In jedem Fall ausgedient haben erst einmal die OP-Masken. Ab Samstag gilt wieder FFP2-Maskenpflicht.

Ärztlicher Koordinator: „Pandemie der jungen Leute“

Besorgt über das Infektionsgeschehen ist der Ärztliche Koordinator im Landkreis, Dr. Jörg Lohse. „Die Rasanz der Delta-Variante haben viele unterschätzt“, sagt der Münsinger Hausarzt. „Momentan ist es eine Pandemie der jungen Leute. Da rast es durch. Es erwischt eine Familie nach der anderen.“ Tatsächlich betreue er so viele schwer an Corona Erkrankte wie noch nie. Seinen Kollegen gehe es ähnlich. „Die Praxen sind am Limit.“ Und letztlich seien die Hausärzte ein „Frühwarnsystem. Was bei uns reindonnert, spiegelt sich zwei Wochen später auf den Intensivstationen wider“, sagt Lohse. Die Erkenntnis sei einfach, „dass wir alle unser Verhalten zu früh gelockert haben“.

Impfquote im Landkreis ist unterdurchschnittlich

Wie Niedermaier wirbt auch der Ärztliche Koordinator fürs Impfen. „Wir sehen schon, dass die Impfung bei Jüngeren gut hält. Erst ab 70 gehen die Impfdurchbrüche nach oben.“ Es sei für jeden Landkreis-Bürger jederzeit möglich, sich impfen zu lassen – ohne Termin. „Und wenn 100 Leute am Impfzentrum stehen, werden Sonderschichten eingelegt“, sagt Lohse. Derzeit ist die Impfquote im Landkreis ausbaufähig. Sind bayerweit im Schnitt 66 Prozent geimpft, sind es im Landkreis nur 58 Prozent.

Neuregelung tritt am Leonhardi-Tag in Kraft

Dass die Verschärfung der Regeln ausgerechnet an dem Tag in Kraft tritt, an dem in Bad Tölz in vielen Wirtschaften zu Leonhardi-Feiern eingeladen wird, dürfte für einigen Unmut sorgen. Ist nicht zu befürchten, dass Ungeimpfte, die einen teuren PCR-Test vermeiden wollen, das Feiern einfach nach draußen verlegen oder größere Partys im privaten Raum stattfinden? Schon zuletzt stand das eine oder andere Stadlfest im Verdacht, eine große Anzahl von Infektionen nach sich gezogen zu haben. „Ich hoffe, dass das nicht passiert“, sagt Niedermaier. „Ich kann nur an jeden appellieren: Bleibt’s vernünftig. Denn unvernünftiges Verhalten kann andere Menschen das Leben kosten.“

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