Helmut Dinter 1. Bevollmächtiger der IG Metall
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Helmut Dinter 1. Bevollmächtiger der IG Metall

Interview

Zum Tag der Arbeit: Helmut Dinter von der IG Metall über Gewerkschaften

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Zum Tag der Arbeit, am 1. Mai, erklärt Helmut Dinter, 1. Bevollmächtigter bei der IG Metall, die Aufgaben und die Bedeutung von Gewerkschaften.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Genau 909 Mitglieder hat die IG Metall im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Zuständig ist für sie als 1. Bevollmächtigter bei der Gewerkschaft Helmut Dinter. Insgesamt kümmert sich der 60-jährige Paterzeller (Landkreis Weilheim-Schongau) aber auch um die Belange der Mitglieder in den Landkreisen Landsberg am Lech, Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Starnberg. Im Interview zum Tag der Arbeit am 1. Mai spricht der Vater von zwei erwachsenen Kindern, der bis zur Wahl 2020 Bürgermeister in Wessobrunn war, über die Aufgabe und die Bedeutung von Gewerkschaften in der heutigen Zeit und darüber, dass Arbeitnehmervertretungen und Arbeitgeber durchaus auch zusammenarbeiten können.

Herr Dinter, was macht die IG Metall für ihre Mitglieder?

Unsere Aufgabe ist es, die Belange unserer Mitglieder zu vertreten – beispielsweise im rechtlichen Bereich. In den fünf Landkreisen, für die ich zuständig bin, sind es 5600 Mitglieder. Wir beraten aber auch, wenn es um die Gründung eines Betriebsrats geht. Aktuell hat die IG Metall gerade einen Tarifabschluss für die Metall- und Elektroindustrie in Bayern ausgehandelt. Im Vorfeld hatten sich beispielsweise unsere Mitglieder bei der Firma Weber in Wolfratshausen an zwei Warnstreiks beteiligt. Vom Tarifabschluss profitieren natürlich alle.

Gibt es denn viel zu tun für die IG Metall?

Generell kann man sagen: Wenn die Wirtschaft brummt, haben wir wenig Arbeit. Es sind eher die Krisenzeiten wie jetzt, in denen die Mitglieder zu uns kommen. Der Druck in vielen Betrieben wächst. Da wird dann geschaut: Was ist das schwächste Glied – und dann wird versucht, diese Mitarbeiter loszuwerden. Das geht dann ganz oft in Richtung Mobbing. Da gibt es wegen Kleinigkeiten Abmahnungen, die zur Kündigung führen. Oder man triezt den Mitarbeiter so lange, bis er selber kündigt. Wenn es einen starken Betriebsrat gibt, kann man so eine Entwicklung etwas korrigieren. Wenn es nur einen schwachen oder gar keinen Betriebsrat gibt, bleibt uns oft nur, einen außergerichtlichen oder gerichtlichen Vergleich hinzubekommen.

Dinter: „Der Druck in vielen Betriebe wächst“

Ist die Nachfrage nach Hilfe in der Corona-Zeit bei Ihnen denn gestiegen?

Ja, massiv – vor allem seit dem zweiten Lockdown vor Weihnachten. Bei SWL Tischlerplatten in Bad Tölz war Corona der letzte Tropfen der zur Schließung geführt hat. Hier haben wir den Betriebsrat bei der Verhandlung der Sozialpläne begleitet. Ich glaube insgesamt, dass wir die große Welle von Insolvenzen erst noch erleben werden.

Wie sind Sie eigentlich zur Gewerkschaftsarbeit gekommen?

Nach der Mittleren Reife habe ich bei Zarges in Weilheim eine Ausbildung zum Werkzeugmacher angefangen. Dort bin ich zum Jugendvertreter gewählt worden und so auch in Berührung mit der Gewerkschaft gekommen. 1978/79 war eine Umbruchzeit in der Bundesrepublik. In den Firmen gab es erste Rationalisierungsmaßnahmen. Und irgendwie hab’ ich Blut geleckt bei der Gewerkschaftsarbeit. Auf dem zweiten Bildungsweg habe ich in Hamburg Volkswirtschaft studiert. Danach bin ich zum DGB nach Niederpöcking am Starnberger See gegangen. Dort habe ich als pädagogischer Assistent Betriebsräte unter anderem im Sozialrecht schlau gemacht. 1990 erfolgte der Wechsel zur IG Metall in Weilheim. Nach 18 Jahren wurde ich dann zum Bürgermeister von meiner Heimatgemeinde Wessobrunn gewählt. Jetzt erfolgte die Rückkehr zur IG Metall. Vor einem Jahre wurde ich dort zum 1. Bevollmächtigten gewählt.

Dinter vertritt die Belange von 5600 Mitgliedern in fünf Landkreisen

Sind Arbeitgeber und Gewerkschaften eigentlich immer Gegner?

Nein. In patriarchisch geführten Unternehmen ist es aber leider oft so. In größeren Konzernen – ein Beispiel ist Sitec – ist das ganz anders: Auch dort liebt man sich vielleicht nicht, aber man schätzt sich. Es muss keine Gegnerschaft sein. Aber wir können das natürlich, wenn es die Situation verlangt.

Die Fragen stellte Veronika Ahn- Tauchnitz

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