Der idyllische Kirchsee bietet sich auch an nicht mehr ganz so sonnigen Tagen für einen Ausflug an. Wer noch baden will, sollte aber beachten: Das Wasser ist aber selbst hier schon deutlich kühler geworden.
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Der idyllische Kirchsee bietet sich auch an nicht mehr ganz so sonnigen Tagen für einen Ausflug an. Wer noch baden will, sollte aber beachten: Das Wasser ist selbst hier schon merklich kühler geworden. (Archivfoto)

Warmer September

Baden im Herbst: So kalt sind aktuell Walchensee, Starnberger See & Co. - Wer ins Wasser geht, sollte sich an diese Regeln halten

  • Andreas Steppan
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Walchensee, Kochelsee, Kirchsee, Starnberger See? Wo kann man jetzt noch baden - und welche Gefahren birgt im Herbst der Sprung ins kalte Wasser? Experten geben Tipps.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ein sonniger September gibt gerade sein Bestes, um für einen bescheidenen Sommer zu entschädigen. Bis zum kalendarischen Herbstanfang ist es immerhin noch eine Woche: Warum also nicht die Badesaison nach hinten verlängern? Wer das möchte, braucht in den beliebten Badeseen im Landkreis allerdings Mut – und sollte einige Regeln beachten.

Alle, die die schönen Septembertage noch für einen Sprung ins Wasser nutzen möchten, finden die angenehmsten Bedingungen wohl noch im Starnberger See. Mathias Feichtbauer, 2. Vorsitzender der DLRG Wolfratshausen-Schäftlarn, war am Wochenende im Einsatz an der Wasserrettungsstation in St. Heinrich. „Hier ist das Wasser sehr, sehr flach. Wenn die Sonne draufscheint, erreichen wir noch fast 21 Grad Wassertemperatur“, berichtet er. Nur: Abends und morgens sei es dann doch schon recht frisch. Und: „Je weiter man rausschwimmt, desto kälter wird es und desto mehr kühle Strömungen gibt es.“

Als recht lau bekannt ist auch der moorige Kirchsee. „Er wärmt sich schnell auf“, bestätigt Michael Zinsmeister, Vorsitzender der Wasserwacht Sachsenkam. Heuer seien dort im Sommer bis zu 28 Grad Wassertemperatur gemessen worden. Das hat sich geändert. Das aktuellste Messergebnis liegt Zinsmeister vom 4. September, 12 Uhr, vor. „Da waren es 18 Grad. Ich gehe davon aus, dass das Wasser jetzt etwas kälter ist.“ Der Wasserwacht-Vorsitzende glaubt daher, dass „nur noch die Hartgesottenen“ ins Wasser gehen.

Kochelsee: Temperatur liegt bei 13 bis 14 Grad

Klein und angenehm warm ist normalerweise der Bibisee in Königsdorf-Wiesen. Doch auch hier vermeldet Marko Buric, Pächter des Freitzeitgeländes: „Das Wasser ist kalt, 16 Grad.“ Badegäste seien da aktuell nur noch „ganz wenige“ anzutreffen.

Bei anderen Gewässern geht man von vorneherein davon aus, dass die Badefreuden recht erfrischend sind. „Wenn der Kochelsee sich einmal auf 18 bis 20 Grad erwärmt, dann ist das schon rekordverdächtig“, stellt Hubert Heimisch, Technischer Leiter der Wasserwacht Kochel am See, fest. Durch den ständigen Wasserzustrom aus der Loisach bleibt der See auch im Hochsommer kühl. Aktuell liegt die Wassertemperatur Heimisch zufolge bei 13 bis 14 Grad. Trotzdem sei durchaus noch einiges los. Die Gäste bevorzugen laut Heimisch aber Wassersportarten, bei denen man nicht oder nur kurzzeitig nass wird: vor allem Tretbootfahren und Stand-Up-Paddeln.

Ist es richtig heiß, dann ist auf der Wiese bei der Wasserwacht am Sylvensteinsee kaum ein freier Platz zu ergattern. Aktuell aber sind dort laut dem Wasserwacht-Vorsitzenden Korbinian Landthaler nur „vereinzelt“ Badegäste anzutreffen. Auch Landthaler selbst würde, „wenn’s nicht unbedingt sein muss“, wie er sagt, eher nicht mehr im Sylvensteinsee baden. Die Wassertemperatur betrage 15 bis 16 Grad.

Wasserwacht rät zum Neopren-Shorty

„Ein bisserl was geht immer“, lautet die Einschätzung von Heinz Eger, Kreisvorsitzender der Wasserwacht, zum Thema verlängerte Badesaison. Bei einem Ausflug der Wasserretter am Wochenende hätten sich „ein paar Unerschrockene“ noch in den rund 18 Grad kalten Walchensee gewagt – andere seien sogar den ganzen Tag im Wasser gewesen – dann allerdings mit Neoprenanzug.

Das ist überhaupt ein Tipp, den Eger den frühherbstlichen Wasserratten mit auf den Weg gibt. „In einem Neopren-Shorty ist zumindest der Körperstamm geschützt, und man kann damit auch noch längere Zeit schwimmen.“ Ansonsten rät er zum Baden mit Bedacht und gesundem Menschenverstand. „Wasser ist nun mal ein lebensfeindliches Element, das sollte man immer bedenken.“ Sich „einfach so“ in die Fluten werfen wie im Hochsommer, das gehe um diese Jahreszeit nicht mehr. „Sich selbst nicht über- und die Umgebung nicht unterschätzen“, lautet seine Devise.

Die Isar als fließendes Gewässer etwa sei mit geschätzt 12 Grad jetzt im September „verdammt kalt. Da würde ich ohne Neoprenanzug auf keinen Fall reingehen.“

Beim Baden im Herbst: Gefahren der Unterkühlung und des Inversionsschocks beachten

Auch Mathias Feichtbauer von der DLRG mahnt zur Besonnenheit. Es sei ratsam, beim Baden in Ufernähe und in Rufweite zu bleiben. Den Starnberger See von einem Ufer zum anderen zu durchschwimmen, das sei generell nur mit entsprechendem Kälteschutz und in Begleitung zu empfehlen – wie etwa bei der gemeinsamen Seeüberquerung für Mitglieder und Freunde, die die DLRG einmal im Jahr anbietet und mit drei Booten und mehreren Stand-Up-Paddlern begleitet.

Generell und speziell jetzt im Herbst sei die Gefahr der Unterkühlung zu beachten. Habe man nur blaue Lippen und fange an zu zittern, könne man noch selbst etwas tun: aus dem Wasser gehen und sich aufwärmen. Dann sei allenfalls eine Erkältung die Folge. Befinde man sich aber mitten im See, könne die Unterkühlung auch das Erschöpfungs- bis hin zum Lähmungsstadium erreichen. „Dadurch haben wir im Starnberger See auch ab und an Ertrinkungsfälle.“

Ein weiteres Risiko: Wer auf dem Steg in der spätsommerlichen Mittagssonne brutzelt und dann unvermittelt ins kalte Wasser springt, läuft Gefahr, einen „Inversionsschock“ zu erleiden. „Die Gefäße im aufgeheizten Kopf sind geweitet und machen dann in der Kälte schlagartig zu“, so Feichtbauer. Dies könne zu einer kurzen Bewusstlosigkeit führen. Dagegen hilft: vorher abkühlen. Um im Notfall rasch helfen zu können, ist die Rettungsstation in St. Heinrich noch bis Ende September an den Wochenenden besetzt.

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