Trinkwasser im Kreis Freising muss dringend abgekocht werden

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Das Isarufer in Bad Tölz ist in den vergangenen Jahren als Badeplatz immer beliebter geworden. Hier birgt der Fluss relativ wenig Tücken. Das ist nicht überall so.

Experten geben Sicherheitstipps 

Badende sollten Isar nicht unterschätzen

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Baden in der Isar ist ein großes Vergnügen. Eine Reihe von Unglücksfällen zeigt aber: Diesen ganz besonderen Badespaß sollte man mit Umsicht angehen – und vor allen Dingen nüchtern.

Bad Tölz/Wolfratshausen – Wie gefährlich das Baden in fließenden Gewässern sein kann, das haben zuletzt zwei Unglücksfälle in München verdeutlicht. Im Eisbach ertranken ein 15-jähriges Mädchen und wenige Tage später ein Tourist (35) aus Neu-Delhi. Ebenso schlimme Nachrichten hatte es vergangenen Sommer von der Isar gegeben: Binnen weniger Tage kamen ein 16-jähriger Asylbewerber in der Pupplinger Au und ein Geretsrieder (15) in seiner Heimatstadt ums Leben.

„Völlig verbieten würde ich das Baden in der Isar natürlich nicht“, sagt Wolfgang Hofmann, Vorsitzender der Tölzer Wasserwacht. Es gebe etliche Stellen, an denen das Wasser seicht und ruhig dahinfließt, etwa am Isarstrand in der Tölzer Stadtmitte oder auch an der Oberen Isar. Da sei eine kleine Abkühlung „relativ ungefährlich.“ Nur: „Man sollte das Baden im Fluss mit Vorsicht genießen, es ist etwas ganz anderes als im bewachten Freibad oder im See“, sagt Hofmann. Auch Maiko Alpers, Vorsitzender der DLRG Geretsried, hält fest: „Die Isar ist ein Wildfluss, das sollte man nicht vergessen.“ Viele Menschen würden die Isar unterschätzen, mit der Begründung sie sei ohnehin stark begradigt worden. „Aber an vielen Stellen ist das auch wieder rückgängig gemacht worden.“

Als oberste Regel führt Hofmann an, dass man sich die Stelle, an der man ins Wasser geht, genau anschauen sollte. Dabei komme es nicht nur auf die Tiefe des Wassers an, sondern in erster Linie auf die Fließgeschwindigkeit. „Es genügt schon, dass man bis zu den Knien im Wasser steht, damit einem die Gewalt des Wassers die Füße wegzieht.“ Das könne schmerzhaft enden – auch wenn man sich im Wasser treiben lässt und man mit dem Knie gegen einen Stein schlägt.

Am allergefährlichsten sei es, gegen einen im Wasser liegenden Baumstamm gedrückt zu werden. „Da presst einen die Strömung brutal nach unten.“ Damit hat auch Maiko Alpers schlimme Erfahrungen gemacht. „Wenn jemand mit dem Fuß in so einer Verklausung hängen bleibt, dauert es nur Minuten, bis er durch die Unterspülung unter Wasser gedrückt wird und er keine Chance hat, da rauszukommen.“ Der Großteil der Betroffenen habe Glück und könne sich aus dieser Art von Falle befreien. „Aber es kam auch schon zu tödlichen Unfällen“ – wie eben vergangenes Jahr in Geretsried. Gerade zwischen Wolfratshausen und Geretsried gebe es mehrere solcher Gefahrenstellen.

Rettungen aus der Isar sind für die DLRG Geretsried keine Seltenheit. Im vergangenen Jahr habe der Isarabschnitt zwischen Bad Tölz und Geretsried die Hälfte der 86 Einsätze ausgemacht, wobei die DLRG außerdem noch für die Seeshaupter Bucht am Starnberger See und kleinere Bade- und Baggerseen rund um Geretsried zuständig sei, so Alpers.

Besonders viel Arbeit machten den Rettern dabei Bootsfahrer – vor allem, wenn Alkohol im Spiel war. „Manche springen vom Boot aus in die Isar – und beachten nicht, ob das Wasser an dieser Stelle überhaupt tief genug ist“, hat Alpers beobachtet. Dazu passt die Faustregel, die Hofmann ins Feld führt: „Springe nie in unbekannte Gewässer.“

Auch für die Freizeitkapitäne sei das A und O, „sich vorab kundig zu machen: Wo fahre ich?“, sagt DLRG-Vorsitzender Alpers. Zudem rät er, „nicht das billigste Schlauchboot zu nehmen, das beim ersten Kontakt mit einem Stein gleich kaputt geht“. Die übliche Ausrüstung – „nicht mehr als ein Badehöschen“ – sei für eine Tour auf der Isar nicht ausreichend. Alpers rät dazu, immer einen Leinenwurfsack griffbereit zu halten, um jemanden, der über Bord gegangen ist, wieder ins Boot zu ziehen. Außerdem empfiehlt er, eine Schwimmhilfe zu tragen, eine Weste, die bis zu 90 Minuten Auftrieb gibt.

Nicht nur wegen der sinkenden Hemmschwelle und des steigenden Leichtsinns: „Alkohol und Schwimmen ist eine gefährliche Kombination“, stellt Hofmann fest. Der Alkohol führe nämlich dazu, dass sich die Gefäße erweitern und der Blutdruck sinkt. Komme dann der natürliche körperliche „Schwimmreflex“ dazu, nämlich dass der Herzschlag im Wasser verlangsamt wird, „dann kann man durch die Mangelblutung bewusstlos werden“.

Allgemein sei wegen der niedrigen Wassertemperatur in Flüssen zu beachten, dass man leichter auskühle, erklärt Hofmann. Mehr denn je würden hier die klassischen Baderegeln gelten: „Nicht erhitzt ins Wasser gehen, sich langsam abkühlen und nicht direkt nach dem Essen baden.“

Andreas Steppan

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