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Die Bäcker haben ein Imageproblem: Darum, so klagt das Handwerk, gibt es mehr Ausbildungsplätze als Interessenten dafür. Dabei ist der Job auch langfristig krisensicher, und kreativ sein kann man auch.

Bäcker kämpfen mit Imageproblemen 

Ein sicherer Job – auch noch in 30 Jahren

Es sind paradiesische Zustände: Bad Tölz etwa besitzt noch acht Bäckereien. Und auch auf dem Land haben viele Orte noch ihren Dorfbäcker. Alle eint die Sorge um den Nachwuchs: Es gibt mehr Ausbildungsplätze als Auszubildende.

Bad Tölz „Bei den Jugendlichen weckt der Bäckerberuf heutzutage nicht mehr so das Interesse wie früher“, sagt Konrad Specker, Inhaber der Bäckerei „Zum Speckerbäck“ in Bad Heilbrunn. Er ist der Meinung, dass man den Kindern schon im frühen Alter das Handwerk näher bringen sollte, denn ein Imageproblem bestünde allemal. Dass man sich schwer tut gegen Großbetriebe, vor allem was den Verdienst und die Arbeitszeiten anbelangt, sei selbstverständlich. „Aber wenn man gute Arbeit leistet, kann man auch in unserem Beruf gut Geld verdienen“, meint der Bäckermeister. Und er ergänzt: „Wir sind ein Familienbetrieb, da kann man auch mal flexibel sein, wenn es beispielsweise um freie Tage geht.“

Eine Lösung, wie man dem Fachkräftemangel begegnen kann, hat Specker auch parat: Asylbewerbern und Flüchtlingen beispielsweise in einem Praktikum eine Chance geben. „Jeder kann was für Integration tun. Flüchtlinge sind oft einfach froh, eine Bestätigung zu bekommen.“

Wie Integration funktioniert, weiß man auch in der Traditionsbäckerei Eberl in Bichl. „Bei uns arbeiten drei Flüchtlinge, davon ein Auszubildender und zwei Helfer“, sagt Josef Eberl, einer der Geschäftsführer des Familienunternehmens. „Die drei sind seit dem ersten Tag immer pünktlich und freundlich.“

Er klagt vor allem über den Mangel an Auszubildenden im Verkauf. „Wir bieten einen attraktiven Arbeitsplatz. Eine super Mannschaft mit jungen Leuten. Aber Verkäufer kann man immer brauchen“, so Eberl. Derzeit beschäftigt die Bäckerei sechs Lehrlinge.

Alfred Kellner, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei in Lenggries, sieht das Problem vor allem darin, dass viele Jugendliche auf weiterführende Schulen gehen. „Mit einem höheren Schulabschluss rechnen sich die meisten einen guten Job und Verdienst aus“, meint der Bäckermeister. „Aber nur der garantiert keinen Arbeitsplatz.“

Dieser Meinung ist auch Andreas Wiedemann von der Bäckerei Wiedmann in Bad Tölz: „Jeder meint, er braucht einen Bürojob, wo man viel Geld verdient.“ Für ihn ist der Bäckerberuf ein sicherer Arbeitsplatz, den es auch in 30 Jahren noch geben wird.

Kellner glaubt, dass auch zu oft ein falsches Bild in den Köpfen von potenziellen Lehrlingen ist. „Unser Beruf scheint erst nicht so attraktiv, wegen des frühen Aufstehens. Aber dafür hat man halt auch den ganzen Nachmittag frei und kann im Sommer zum Baden gehen“, wirbt Kellner für seinen Berufsstand. Das Besondere im Bäckerhandwerk sei das Arbeiten mit Lebensmitteln. „Man stellt ein Genussmittel her und kann sich mit dem Produkt identifizieren.“

Da kann auch Leo Büttner aus Tölz nur beipflichten. Der Chef der Bäckerei Büttner ergänzt noch: „Man kann kreativ sein und mit netten Leuten arbeiten. Als Bäcker stellt man etwas her, was anderen eine Freude bereitet.“

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