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Gut besucht war am Sonntag das Tölzer Kurhaus, wo der Verband des bayerischen Bäcker-Handwerks tagte.

Handwerk

Bäcker fordern: Blick fürs Machbare behalten

Immer wieder neue Vorschriften und steigende Strompreise – bei der Tagung der bayerischen Bäcker in Tölzer Kurhaus wurde deutlich, was die Handwerksbetriebe zur Verzweiflung treibt. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Muss das wirklich sein, dass auf jedes EU-Gesetz in Bayern noch eine Nummer draufgesetzt wird?“ Diese Frage richtete der Tölzer Landrat Josef Niedermaier im Tölzer Kurhaus an Christian Schmidt, den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Niedermaier ist bekanntlich selbst gelernter Bäckermeister und weiß, wovon er redet. Im Kurhaus tagte am Sonntag der Verband des bayerischen Bäcker-Handwerks.

Die Gängelung durch immer wieder neue Verordnungen und Vorschriften bereiten Bayerns Bäckern derzeit mit die größten Sorgen. „Viele Vorschriften für Großbäckereien funktionieren im kleinen, handwerklichen Bereich einfach nicht“, fuhr der Landrat fort und betonte: „Ich würde mir wünschen, dass man da mehr darauf hört, was in der Praxis läuft.“

Auch wenn der Münchner Landes-Innungsmeister Heinz Hoffmann erklärte, dass das Handwerk die berechtigten Interessen seiner Kunden „sehr, sehr ernst“ nehme, wetterte auch er gegen teils „schwer verständliche und komplizierte Ausführungsbestimmungen“. Aktuell etwa gegen die geforderte Nährwert-Deklaration bei loser Ware. Oder auch der Ungleichbehandlung bei der Kennzeichnungspflicht gefärbter Eier. „Hersteller veganer Lebensmittel können dagegen draufschreiben, was sie wollen das ist einfach ungerecht.“

Auch beklagte Bayerns Oberbäcker die ständig steigende Belastung bei den Stromkosten, ausgelöst durch die EEG-Umlage: „Wir sind ein energieintensives Handwerk. Dabei hat sich der Strompreis mittlerweile verdreifacht. Das halten die Handwerks-Betriebe auf Dauer nicht aus.“

Zeigte viel Verständnis für die Sorgen und Nöte der Handwerks-Betriebe: Bundesminister Christian Schmidt.

Bundesminister Christian Schmidt, der selbst aus einer fränkischen Bäckerfamilie entstammt, zeigte in seiner Rede viel Verständnis für die Sorgen und Nöte der Handwerks-Betriebe und sagte: „Wir müssen den Blick für das Machbare behalten.“ Auch wenn er erklärte, dass jeder Erwachsene machen könne, was er wolle, konstatierte er: „Wenn Kinder vegan ernährt werden, werden sie mangelhaft ernährt.“

Insgesamt versuchte der 59-jährige Jurist zu erklären, dass wegen der unterschiedlichen Ausbildungswege in der Europäischen Union, „oftmals die Grenze zwischen Industrie und Handwerk in Brüssel schwer erklärbar ist.“ Zum Gesamtziel, für die handwerklichen Betriebe eine möglichst weitgehende Entlastung zu finden, sagte er: „Da bin ich mit der Suche nach praktikablen Lösungen durchaus auf ihrer Seite.“

In die Zukunft blickend betonte der CSU-Minister, dass die adäquate Versorgung älterer Menschen im ländlichen Bereich immer wichtiger werde. Das gelte auch für die Information für den Verbraucher: „Wir müssen stärker an die Jugend herangehen. Sie muss wissen, wo das Essen herkommt und wie es produziert wird.“ (esc)

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