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Die drei Filialen der Bäckerei Gotz (unser Bild zeigt jene in der Marktstraße) sind in Besitz der Bäckerei Wiedemann übergegangen.

Bäckerei Wiedemann übernimmt Bäckerei Gotz

Tölzer Brezen-Hochzeit ist vollzogen

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Bad Tölz – Auf den ersten Blick werden Kunden, die ab heute ihre vertraute Tölzer Bäckerei-Filiale betreten, vielleicht gar keinen großen Unterschied bemerken. Außer vielleicht, dass die Verkäuferin hinter der Theke nicht wie noch am Samstag in Braun gekleidet ist, sondern jetzt eine blaue Schürze trägt.

Hinter den Kulissen hat sich aber etwas Entscheidendes geändert: Die drei Filialen der Bäckerei Gotz sind mit dem Jahreswechsel in Besitz der Bäckerei Wiedemann übergegangen. Dasselbe gilt für die Gotz-Produktionsstätte im Farchet.

Über den Verkauf geeinigt hatten sich die Betreiberfamilien Niedermaier und Wiedemann bereits im Sommer (wir berichteten). Beim Notar waren beide Parteien erst vor wenigen Tagen. Die Vorbereitungen waren da freilich schon weitgehend abgeschlossen.

Eine der größten Aufgaben war es für den künftigen Gesamtchef Andreas Wiedemann, das Sortiment beider Bäckereien zu einem einzigen zu vereinen. Dieses sei nun „schön und kompakt“ und vereine „das Beste von beiden Seiten“. Wiedemann sortierte Produkte aus, die nicht wirtschaftlich waren, weil sie in zu kleinen Mengen verkauft wurden, oder strich Angebote, die sich in beiden Bäckereien überschnitten. Bei der Auswahl sei ihm besonders wichtig gewesen, dass alles „wertig“ und „ernährungsphysiologisch sinnvoll“ sei, erklärt der Bäckermeister. So schaffte es etwa das Dreikornmalzbrot von Gotz nicht ins neue Sortiment. Das sei zwar ein dunkles Körnerbrot gewesen, aber doch mit Weißmehl gemacht, also kein Vollkornbrot.

Manches, was es jetzt in den nunmehr fünf Wiedemann-Filialen zu kaufen gibt, ist auch eine Mischung aus ehemaligen Gotz- und Wiedemann-Produkten. Das gilt zum Beispiel für die Breze. „Ich hätte natürlich gerne meine Breze beibehalten, weil ich von ihr überzeugt bin“, sagt der 39-Jährige. Doch weil die Brezen nun im Farchet in einem anderen Ofen und mit einer anderen Knetmaschine hergestellt werden als in der bisherigen Backstube im Wiedemann-Stammhaus an der Klammergasse, habe er eine neue Breze kreiert. Die kostet übrigens 65 Cent – wie bisher sowohl bei Gotz als auch bei Wiedemann.

Einen Mittelweg galt es bei der Preisstruktur zu beschreiten. „Wir haben viele Preise geändert – in alle Richtungen.“ Manches sei günstiger, manches teurer, als es die jeweiligen Kunden gewohnt sind. Ein Beispiel: Ein Krusti kostete bei Wiedemann bisher 65 Cent, bei Gotz 75 – dafür war es in letzterer Bäckerei auch größer. Das neue Krusti der vereinigten Bäckerei nähert sich nun preislich und von der Größe her dem Gotz-Krusti.

Geschlossen ist seit 1. Januar das Wiedemann-Stammhaus an der Klammergasse. Haupt-Filiale des vergrößerten Unternehmens ist jetzt das ehemalige Gotz-Geschäft an der Marktstraße. An der Produktionsstätte im Farchet war laut Wiedemann kein Ausbau nötig, da dort bislang Überkapazitäten vorhanden gewesen seien. Alle Gotz-Mitarbeiter wurden übernommen. Zwei von 30, so erklärt der gewesene Eigentümer Josef Niedermaier, hätten den Weg ins neue Unternehmen aber nicht mitgehen wollen. Andrea Niedermaier (55), bisher Inhaberin und Geschäftsführerin von Gotz, wird jetzt Verkaufsleiterin für die ehemaligen Gotz-Filialen. Verkäuferinnen, die bislang bei Gotz arbeiteten, bleiben fürs erste auch in diesen Geschäften tätig. Erst mit der Zeit werde sich die Personaleinsatzplanung wohl vermischen, schätzt Niedermaier.

Und welche Emotionen begleiteten die letzten Tage des traditionsreichen Tölzer Bäckereinamens Gotz? „Etwas Wehmut schwingt überall mit“, sagt Josef Niedermaier. Ihm selbst sei in den vergangenen Tagen aber „nicht viel Zeit für Gefühle“ geblieben – war er doch vollauf mit der EDV-Umstellung beschäftigt. Vor allem sei er nun zufrieden, dass für das Familienunternehmen, in dem „viel Herzblut“ stecke, eine „sichere Lösung für die Zukunft“ gefunden sei. Ihm, dem amtierenden Landrat, ist mit dem Verkauf der Weg aus der Politik zurück in seinen angestammten Handwerksberuf abgeschnitten. „Aber das war er schon seit dem Jahr 2000“, kommentiert der 53-Jährige. Damals wurde er Tölzer Bürgermeister. Optimistisch geht der neue Chef Andreas Wiedemann in die Führung seines vergrößerten Unternehmens: „Ich freue mich drauf.“

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