„Eine Zumutung“ sei der Zustand der Bairawieser Straße, schimpften Anlieger in der Tölzer Bürgerversammlung. Für den Ausbau läuft das Förderverfahren.
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„Eine Zumutung“ sei der Zustand der Bairawieser Straße, schimpften Anlieger in der Tölzer Bürgerversammlung. Für den Ausbau läuft das Förderverfahren.

Viele Gründe für Verzögerungen

Bairawieser Straße in Bad Tölz: Das ist der Fahrplan für den Ausbau der Rumpelpiste

Anwohner empfinden den Zustand der Bairawieser Straße in Bad Tölz als Zumutung. Gegenüber dem Tölzer Kurier erklären die Rathaus-Verantwortlichen, warum hier nicht längst etwas passiert ist.

Bad Tölz – Heftige Kritik hat sich die Tölzer Rathausspitze in der Bürgerversammlung wegen des schlechten Zustands der Bairawieser Straße gefallen lassen müssen. Die Anlieger Marion Möslein, Jürgen Gawenda und Veronika Bürger warfen der Stadt vor, den Ausbau zu verzögern. In einem Gespräch stellten sich Bürgermeister Ingo Mehner und die Referatsleiter den Fragen des Tölzer Kurier und erläuterten den Sachstand.

Ausbau der Bairawieser Straße in Bad Tölz ist seit 30 Jahren angedacht

Ja, räumt Kämmerer Hermann Forster unumwunden ein, „die Straße ist eine Rumpelpiste“ und ein Ausbau sei seit 30 Jahren angedacht. Den Sprung ganz nach vorne in der Priorisierungsliste habe sie aber nie geschafft. Mit dem Abschluss der Kanalbau- und Hausanschlussmaßnahmen vor eineinhalb Jahren sei klar gewesen, dass der Ausbau kommt. Die Corona-Pandemie habe erneut für eine Verzögerung gesorgt. „Wir haben nicht gewusst, was finanziell auf uns zukommt“, sagt Bürgermeister Ingo Mehner. Die Zurückstellung aller nicht unmittelbar nötigen Maßnahmen sei deshalb unumgänglich gewesen.

Gebremst haben auch andere Sachverhalte. Etwa, dass das Förderverfahren für die Straße nicht abgeschlossen ist. Es gab einen Sachbearbeiterwechsel in der Regierung von Oberbayern, der Umplanungen nötig machte. Auf die Zuschüsse des Freistaats zu verzichten, wie die Kritiker unter Verweis auf die von der Stadt finanzierte Baustraße am Hintersberg meinten, ist für Mehner keine Option. „Dann zerreißt es uns.“

Rasen unmöglich: Der Einmündungsbereich von der Jahn- in die Bairawieser Straße wird mit einer Grünfläche, neuem Kurvenradius und Querungshilfe entschärft.

Abgesehen davon: Die Baustraße am Hintersberg, wird laut Ausschreibungsergebnis rund 270.000 Euro kosten, wovon die Stadt rund 150.000 trägt und mit dem Wohnungsverkauf letztlich gegenfinanziert. Für den Ausbau der Bairawieser Straße hingegen sind etwa 1,2 Millionen Euro nötig. Der Staat übernimmt, wenn nach seinen Wünschen gebaut wird, rund 600.000 Euro. Viel Geld.

Bis 1967 war die Bairawieser Straße die Hauptverkehrssstraße von Bad Tölz

Das ist das Stichwort für Tiefbau-Leiter Sebastian Scheidl, der erläutert, dass man von Seiten der Stadt den rund 40 Anliegern durchaus entgegenkommen wollte. Es waren Querungshilfen und versetztes Parken geplant. „Das hat die Regierung von Oberbayern aber abgelehnt.“ Hintergrund: Die Bairawieser Straße war bis 1967 die Hauptverkehrsstraße in die Stadt. Erst dann sei sie, so Verkehrssachbearbeiter Alexander Schindler, zu Lasten der Jahnstraße zur innerörtlichen Verbindungsstraße abgestuft worden.

Im Durchschnitt der letzten Jahren werde sie von 2150 Fahrzeugen am Tag befahren. Auf der Osterleite sind 13.000 Fahrzeuge unterwegs. Für eine Anliegerstraße gäbe es keinerlei Förderung. Die Bairawieser Straße bleibe also auf jeden Fall eine Durchgangsstraße, sagt Forster. Dafür wird die Einmündung von der Jahnstraße her deutlich überarbeitet. Eine kleine Grünfläche, ein geänderter Kurvenradius und eine Querungshilfe sollen dafür sorgen, dass Autofahrer deutlich Tempo herausnehmen müssen.

So sieht der Fahrplan für den Ausbau der Bairawieser Straße aus

Auch die Verhandlungen vor Ort verliefen nicht reibungslos. Die 5,50 Meter breite Straße wird auf der Ostseite einen etwas mehr als zwei Meter breiten Gehsteig – unter anderem für die Schulkinder – erhalten. Dass er nicht durchgängig so breit sein wird, liegt an einigen Grundeigentümern, die keine Flächen zu akzeptablen Preisen an die Stadt abtreten wollten. „Das muss man so akzeptieren“, sagt Mehner. Entlang der Straße kann übrigens weiter geparkt werden.

Wie ist der weitere Fahrplan? Der Förderantrag für die Straße von der Abzweigung Jahnstraße bis zur Engstelle nach der Einmündung Schießstattstraße sei vorbesprochen, sagt Scheidl. „Das Förderverfahren soll heuer abgeschlossen werden“, ergänzt Forster, „im Winter folgt die Ausschreibung.“ Auch im städtischen Haushalt 2022 seien die nötigen Eigenmittel vorgesehen. 2022 kann es also losgehen.

Dank Verzögerung müssen Anwohner den Ausbau nicht mitbezahlen

Die Verzögerungen beim Ausbau der Bairawieser Straße haben für die Anlieger durchaus auch positive Auswirkungen, wie Ingo Mehner sagt. Früher wäre der Ausbau auch von den Anliegern mitbezahlt worden. Erst mit der Abschaffung der Straßenausbaubeitrags-Satzung seien die Bürger generell vom Mitzahlen befreit.

Die Folge: „Es hat sich alles umgekehrt“, sagt Hermann Forster. Früher hätten Bürger beim Ausbau ihrer Straßen stark gebremst und eher abgewunken. „Heute kann es ihnen nicht schnell genug gehen.“

Von Christoph Schnitzer

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