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In München gibt es sie seit geraumer Zeit, die barrierefreien Haltestellen – hier an der Boschbrücke. Auch im Landkreis müssen in naher Zukunft Umbaumaßnahmen vorgenommen werden.

Umweltausschuss

Barrierefreie Bushaltestellen bis 2022

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Gleichberechtigung für Menschen mit Behinderung: Die Kommunen im Landkreis müssen bis 2022 für Barrierefreiheit im Öffentlichen Personennahverkehr sorgen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Auf die Städte und Gemeinden im Landkreis kommt viel Arbeit zu – und einiges an Kosten. Auf Grundlage der UN-Behindertenrechtskonvention, die eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens vorsieht, soll auch der Öffentliche Personennahverkehr möglichst barrierefrei sein. Das gilt nicht nur für die Verkehrsmittel, sondern auch für die Haltestellen. Um erst einmal herauszufinden, wie es um die Stopps zwischen Icking und der Jachenau bestellt ist, hat der Landkreis bei einem Planungsbüro ein sogenanntes Haltestellenkataster in Auftrag gegeben (wir berichteten). Dieses werde nun den Kommunen beziehungsweise dem jeweils zuständigen Straßenbaulastträger zur Verfügung gestellt, sagte ÖPNV-Experte Johann Kunz in seiner letzten Kreis-Umweltausschusssitzung vor der Pensionierung.

Die Bestandsaufnahme ist umfangreich. Aufgezeigt wird nicht nur, welche Linien an der Haltestellen stoppen und wie groß der Wartebereich ist. Es geht auch um Fragen, ob es ein Leitsystem für Sehbehinderte gibt und wie der Bodenbelag ist. „Auch Fotos gibt es dazu“, sagte Kunz.

Die 21 Landkreis-Kommunen sollen sich nun Gedanken machen, in welcher Reihenfolge die Haltstellen barrierefrei ausgebaut werden sollen. Als Ziel hat der Freistaat das Jahr 2022 ausgegeben. Bei der Prioritätenbildung sollen beispielsweise die jeweiligen Behindertenbeauftragten oder auch Behindertenverbände mit einbezogen werden. Mit berücksichtigt werden sollte dabei auch, ob sich beispielsweise Altenheim oder Behinderteneinrichtungen in der Nähe befinden. „Natürlich werden wir nicht jede Haltstelle barrierefrei machen können“, wandte Kunz ein. „Wir haben Stopps, wo am Tag nur ein- bis zwei Passagiere ein oder aussteigen.“ Allerdings müsste man in der Fortschreibung des Nahverkehrsplans begründen, warum man im Moment nicht ausbaue beziehungsweise definieren, bis wann man den Ausbau nachholen wolle. „Das könnte sonst einklagbar sein“, warnte Kunz.

Die Haltestellen, die eine hohe Fahrgastfrequenz haben, sollten auf jeden Fall in Angriff genommen werden. Als Beispiel nannte er den zentralen Omnibusparkplatz in Bad Tölz oder das Geretsrieder Schulzentrum. „Die Hauptlast dürfte tatsächlich Geretsried zu tragen haben“, sagte der ÖPNV-Experte. Und tatsächlich kostet so ein barrierefreier Ausbau richtig Geld: Kunz rechnet über den Daumen mit rund 30 000 Euro pro Haltestelle.

Mit einbezogen in das Thema ist Ralph Seifert, der Behindertenbeauftragte des Landkreises. Bereits im vergangenen Jahr sprach er bei einer Bürgermeisterdienstbesprechung über das Thema barrierefreier ÖPNV. „Der demografische Wandel rückt immer näher. Ältere und gehandicapte Menschen können oder dürfen nicht mehr mit dem Auto fahren und sind deshalb auf den ÖPNV angewiesen“, verdeutlicht er die Dringlichkeit. Gemeinsam mit der für den Landkreis zuständigen Architektin für barrierefreies Bauen und Wohnen möchte Seifert in seiner Heimatgemeinde Benediktbeuern ein Pilotprojekt umsetzen. Ihm schwebt der Bau einer ersten „Bushaltestelle für alle“ vor, die anderen Gemeinden als Anschauungsobjekt dienen könnte. Damit die Bushaltestelle wirklich für alle nutzbar ist, „wären die wichtigsten Details das Highbord zum barrierefreien Ein- und Aussteigen für Rollis und Rollatoren, ausreichende Beleuchtung, große und leicht lesbare Fahrpläne, die eventuell vorgelesen werden und überdachte Sitzmöglichkeiten.“

Wichtig wäre auch, dass die Bodenbeläge so gestaltet werden, dass sie blinde Menschen ertasten können. Eine kontrastreiche Gestaltung des Bodens erleichtert Menschen mit einer leichteren Sehbehinderung beispielsweise Stufen zu erkennen. Gerade der Handycap-Bereich Sehbehinderung werde derzeit beim Thema Barrierefreiheit oft noch zu wenig berücksichtigt, sagt Seifert, der selbst im Rollstuhl sitzt. Wann die „Haltestelle für alle“ genau umgesetzt wird, ist derzeit nicht ganz klar. Die Planungen laufen aber.

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