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„Sehr ansehnlich geworden“: Das Haus Fröhlichgasse 25, das auch einmal der Piusbruderschaft gehört hat. 

Bauausschuss

Die Piusbruderschaft in Tölz

Bad Tölz – Ein Antrag im Bauausschuss erinnert an die bewegte Geschichte eines Anwesens an der Fröhlichgasse.

Ob die Bauausschuss-Räte wohl wussten, welch bewegte Geschichte das letzte Anwesen der Fröhlichgasse (Nummer 25) hat, das ihnen in der jüngsten Sitzung zur Beratung vorlag? Zunächst zum laufenden Antrag: Der neue Eigentümer hatte es so umgebaut, dass die Stadträte Christof Botzenhart (CSU) und Michael Lindmair (FWG) viel Lob spendeten. Das früher etwas heruntergekommen und verwunschen wirkende Gebäude sei nun „sehr ansehnlich“ geworden. Da das Haus aber im Außenbereich und Landschaftsschutzgebiet liegt und sehr enge Baugrenzen besitzt, musste der Eigentümer für einen Schuppen, einen Carport sowie die Schiebetoranlage eine Genehmigung beantragen.

„Es wäre ja ein Witz, wenn wir die versagen würden“, sprach Botzenhart für alle. Zumal Stadtbaumeister Hannes Strunz ergänzte, dass frühere Stadträte an der Fröhlichgasse allerlei Bausünden zugelassen hätten. Dem Ansinnen wurde einstimmig stattgegeben.

Jetzt zur durchaus bemerkenswerten Geschichte des Hauses, das einst dem Tölzer Augenarzt Dr. Max Wulzinger gehörte. Wulzinger ist in Erinnerung als belesener und gebildeter, aber auch eigenbrötlerischer Mann. Er hatte sich zum Priester weihen lassen, vertrat vorkonziliare Ansichten und stand der Piusbruderschaft nahe.

Diese Priestervereinigung katholischer Traditionalisten wurde von Erzbischof Marcel Lefebvre 1970 gegründet und steht bis heute im Widerstreit mit der römisch-katholischen Kirche. Als Wulzinger vor einigen Jahren starb, vermachte er das Haus an der Fröhlichgasse 25 der Piusbruderschaft. Es ist somit nicht undenkbar, dass in Tölz ein Sitz der umstrittenen Piusbruderschaft hätte entstehen können. Sie verkaufte es aber an die Nachbarn weiter, die es schließlich an den heutigen Besitzer weiterveräußerten. In dem Haus befand sich einst eine Kapelle, in der Wulzinger regelmäßig Gottesdienste hielt.

Das etwas sonderbare und weltfremde Wesen des Tölzers wurde damals regelmäßig für die Öffentlichkeit sicht- und vor allem hörbar. Er führte Prozessionen im Haus und auf der Terrasse durch. An hohen kirchlichen Feiertagen, etwa Fronleichnam, pflegte er zur Mittagszeit mitunter die Lautsprecher seiner Stereoanlage so aufzudrehen, dass der Bayerische Defiliermarsch auch jenseits der Isar bestens zu hören war.

Christoph Schnitzer

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