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Auf der Baustelle an der Tölzer Schlösslwiese geht es gut voran: An anderen Orten hingegen verzögert sich der Fortschritt wegen Lieferengpässen.

Verzögerte Projekte im Landkreis

Bauboom bringt Lieferschwierigkeiten

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Weil die Baubranche boomt, kommt die Industrie mit den Material-Lieferungen oft nicht hinterher. Bauunternehmer im Landkreis müssen deshalb viel langfristiger planen. Vorteile haben die, die den Kontakt zu ihren Zulieferern seit Jahren pflegen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Heilbrunner Supermarkt und die Lenggrieser Kläranlage sind nur zwei Beispiele für Baustellen, auf denen es heuer länger dauert. Schuld daran sind die langen Lieferzeiten von Baustoffen. Für Handwerker ist das eigentlich eine gute Nachricht: Die Baubranche boomt. Und doch müssen Baufirmen der Region richtig auf die Verzögerungen reagieren, um ihre Aufträge ausführen zu können.

Hans Besch wartet derzeit schon mal eine Woche auf Stahl, das sonst innerhalb von vier Tagen seine Bauunternehmung Rolf in Lenggries erreicht. Der Geschäftsführer sagt: „Die Kapazitäten sind ausgeschöpft. Man muss immer schon einen Tag früher dran sein mit der Bestellung.“ Bei Dämmstoffen für Dächer würden die Lieferungen doppelt so lange wie noch vor wenigen Jahren dauern. Besch ist lang dabei, führt die Firma seit 1998. „Wir erleben einen Bauboom wie seit 20 Jahren nicht.“ Seine Erklärung: Die Leute wollen ihr Geld sicher anlegen. Und bei Immobilien-Krediten sind die Zinsen derzeit sehr niedrig.

„Gut eingedeckt“ ist auch das Tölzer Bauunternehmen Schneider. An Baustoffen mangele es weniger als am Zubehör, sagt Geschäftsführer Thomas Schneider. „Auf die Schnelle kriegst du keinen Mietkran mehr.“ Auf angeforderte Hydraulikbühnen oder Elektrokästen müsse man statt einem schon mal knapp drei Monate warten. „Das hat uns zum Glück noch nicht in die Bredouille gebracht“, so Schneider. Man habe sich frühzeitig um die Geräte gekümmert. Die Vorbereitung für Baustellen im Herbst müsse schon im Frühjahr geschehen. Spontan einen Auftrag dazwischen schieben, das sei bei den momentanen Lieferzeiten kaum möglich.

Ein Zulieferer von Thomas Kos’ Geretsrieder Baufirma nimmt derzeit erst gar keine Aufträge mehr an. Kos, der mit einem Schreiben über die Engpässe informiert wurde, muss auf die Filigrandecken der Firma verzichten. Und jetzt? „Man muss sich einen anderen Zulieferer suchen oder anders arbeiten“, antwortet Kos, der nun bei den Decken auf andere Materialien zurückgreift. Mehr beschäftigt ihn die aktuelle Situation in Geretsried: Nichts sei wichtiger als der Karl-Lederer-Platz, wo derzeit ein neues Stadtzentrum entsteht. „Damit sind scheinbar alle beschäftigt“, sagt Kos. „Und andere müssen deswegen auf ihre Hausanschlüsse warten.“

Selbst warte Kos nicht allzu lange auf Materialien. Als Stammkunde habe er einen Vorteil bei den Zulieferern – im Gegensatz zu Baufirmen, „die ständig die Lieferanten wechseln“. Bestimmte Ziegelsteinsorten seien gerade nicht verfügbar. „Dann muss man auf andere ausweichen und das mit den Bauherren aushandeln“, so Kos, den eines heuer besonders überrascht hat: „Wir haben schon Aufträge für 2018. Das ist untypisch.“

Wenn die Industrie mit dem Liefern nicht mehr hinterherkommt, informiert sie ihre Kunden in der Regel frühzeitig. Dass das Baugeschäft allgemein schnelllebiger und der Termindruck höher geworden ist, beobachten mehrere der Befragten.

In Sachen Beton hat das Unternehmen von Kilian Willibald aus Lenggries zumindest keine Probleme. Die Firma stellt ihn selbst her. „Aber der Sand ist knapp“, berichtet der Geschäftsführer von den Kiesgruben in Schlegldorf und Hellerschwang. Deshalb produziert die Firma seit dem Frühjahr künstlichen Sand, um genügend Beton herstellen zu können. Das funktioniert laut Willibald dank der „dritten Brechstufe“ einer neuen Maschine. Auch bei den Konkurrenz-Firmen herrsche „Sandnot“. Warum die Baufirmen nicht mehr „im Sand ertrinken“ wie einst? Die Ursachen dafür muss man wohl vor mehreren tausend Jahren suchen – als sich unterschiedlich aufgebaute Gesteinsschichten dort ablagerten, wo Bauunternehmer Willibald heute seinen Kies abträgt.

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