+

Baugebietsausweisung

Große Pläne für Ellbach

  • schließen

Wo ist in Bad Tölz Platz für zusätzlichen Wohnraum, wo können einheimische Familien noch zu erschwinglichen Preisen bauen? Unternehmer Johannes Fritz und die Sparkasse haben eine Antwort entwickelt, die für viele zunächst überraschend klingen mag.

Bad Tölz - Sie haben einen Entwurf für ein größeres Baugebiet südlich von Ellbach erstellen lassen, mit Platz für über 30 Wohnhäuser. Bürgermeister Josef Janker hat erhebliche Bedenken.

Die Ausgangssituation: Die Sparkasse besitzt die „Giglsäge“ im Süden von Ellbach, Fritz eine benachbarte Fläche, die derzeit landwirtschaftlich verpachtet ist. Fritz berichtet, er sei zuletzt verstärkt angesprochen worden, ob er nicht ein bebaubares Grundstück zu bezahlbaren Preisen habe. Deshalb habe er sich mit der Sparkasse in Verbindung gesetzt. Gemeinsam habe man von einem Stadtentwicklungsbüro einen Plan erstellen lassen. Das anfängliche Gedankenspiel ist mittlerweile weit gediehen. Mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim ist geklärt, dass die Erschließung problemlos ist – das Baugebiet läge direkt an der Staatsstraße 2368. Selbst an einen Rad- und Fußweg Richtung Eichmühle mitsamt Querungshilfe an der Staatsstraße ist gedacht.

Im Flächennutzungsplan sind die Flächen derzeit als Mischgebiet festgesetzt. „Nach Rücksprache mit einem Verwaltungsjuristen lässt sich das Gebiet ohne großen Aufwand in ein allgemeines Wohngebiet ändern“, sagt Fritz.

Er betont, dass es ihm nicht um wirtschaftliche Interessen gehe. „Das Geschäftliche steht ganz am Ende.“ Er will die Grundstücke zu einem Quadratmeterpreis von etwa 400 Euro verkaufen. „Ein Grundstück würde 200 000 bis 250 000 Euro kosten. Für eine gute halbe Million Euro bekämen hier Tölzer Bürger die Chance, ihren Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Anders ist der Hausbau für viele unerreichbar.“ Fritz schwebt vor, gemeinsam mit der Stadt einen Kriterienkatalog zu entwickeln, nach dem die Grundstücke an Einheimische vergeben werden. Fritz bezeichnet die Pläne als „mundfertig“: Sobald das Okay der Stadt da sei, könne man loslegen. Als er und ein Sparkassen-Vertreter das Projekt im Rathaus vorstellten, seien sie aber auf wenig Gegenliebe gestoßen.

Auf Anfrage des Tölzer Kurier führt Bürgermeister Janker seine Gegenargumente ins Feld: „Das Vorhaben würde dem Staatsziel widersprechen, vorhandene Bebauung zu verdichten und abzurunden statt neue Flächen zur Bebauung auszuweisen. Anders kommt es zu einer Zersiedelung.“ Außerdem sieht er den „dörflichen Charakter“ von Ellbach gefährdet. „Ellbach würde zu einer Straßensiedlung werden.“

Nicht zuletzt führt Janker ins Feld, dass sich Bad Tölz ein mäßiges Wachstum von 0,5 bis 1 Prozent zum Ziel gesetzt habe. Dieses Wachstum werde bereits mit den aktuell laufenden Wohnbauprojekten an der Osterleite und der Kohlstatt erreicht. Deswegen sehe er aktuell keine Verwirklichungsmöglichkeit für das Projekt an der Giglsäge. Es bleibe aber abzuwarten, wie das Projekt im „Integrierten Städtebauliche Entwicklungskonzept“ (ISEK) beurteilt werde, das derzeit im Auftrag der Stadt erstellt wird und laut Janker noch heuer vorliegen soll.

Fritz hält dem entgegen, dass nicht gleich 30 Häuser auf einmal entstehen müssten, sondern sich das Baugebiet nach Bedarf weiterentwickle. Den Standort hält er für ideal und eine „logische Weiterentwicklung“. „Die Ellbacher werden von diesem Gebiet kaum etwas merken“, meint er. Auch die Bauarbeiten würden die Dorfbewohner nicht beeinträchtigen.

Für die Seite der Sparkasse erklärt Pressesprecher Willi Streicher: „Wir können uns vorstellen, dort zusammen mit der Stadt ein Einheimischenmodell zu entwickeln. Im Moment gibt es aber keine weiteren Entscheidungen. Gegen den Willen der Stadt wollen wir nichts tun.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gefahren im Internet: Heute Vortrag für Eltern im Gymnasium
Gefahren im Internet: Heute Vortrag für Eltern im Gymnasium
Kleines Kraftwerk im eigenen Garten
Drei Jahre lang tüftelte Hans Rieger an einer Lösung. Leicht war es nicht. Aber zusammen mit dem Lebensgefährten seiner Tochter hat er es schließlich geschafft, dem …
Kleines Kraftwerk im eigenen Garten
Watschn statt Big Mac
Zwei kräftige Watschn musste ein 23-jähriger Tölzer am Sonntagabend auf dem Tölzer McDonald’s-Parkplatz einstecken. Er erstattete Anzeige.
Watschn statt Big Mac
Foyer der „Heimatbühne“ in Kochel neu gestaltet
Foyer der „Heimatbühne“ in Kochel neu gestaltet

Kommentare