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Trockener Humor, toller Auftritt: Am Freitag waren Dreiviertelblut mit Sebastian Horn (li.) und Gerd Baumann (re.) auf der Bühne. Am Schlagzeug saß Florian Rein, Organisator des Festivals.

Bavarian Beats

Neues Festival eint die Generationen

Bad Tölz - Vom Trachtler bis zum Punker: Bunt gemischter hätte das Publikum beim ersten Bavarian Beats-Festival im Tölzer Kurhaus nicht sein können. Die Veranstaltung war in jeder Hinsicht ein voller Erfolg.

„Wir machen das, weil wir Geld verdienen wollen – und nicht zum Spaß“: Gerd Baumann, Gitarrist der Band Dreiviertelblut, sagte das auf seine typische, staubtrockenen Art. Viele im Saal schluckten kurz, verstanden aber schnell die Ironie. So oder so: Dieser erste Abend des Bavarian Beats- Festivals im Tölzer Kurhaus machte eine Menge Spaß. Und Geld verdienten die Akteure übrigens auch, das Konzert war ausverkauft. Musikproduzent Florian Rein hatte all seine Kontakte spielen lassen, um angesagte bairisch singende oder rappende Künstler nach Tölz zu locken – und zwar an einem Wochenende.

Bevor Schlagzeuger Rein nun selbst mit Dreiviertelblut auf die Bühne stieg, moderierte er Karin Rabhansl an. „Mogst schmusn, mia wad’s wurscht“ heißt ihr größter Hit, mit dem sie das Tölzer Publikum gleich um den Finger wickelte. Die Liedermacherin aus Passau bastelte sich mit Loop-Effekt ihren eigenen, dreistimmigen Chor. Mit dem Lied „Darenn de ned“ richtete sie sich gegen „unheimliche Leid, de imma zfria san“, mit „big yellow taxi“ von Joni Mitchell holte sie sich einen tosenden Applaus. Noch mehr Gefallen schienen die Zuhörer an Mathias Kellner zu finden, der erstmals mit Gitarrist Luke Cyrus Goetze in Tölz erschien. Eine weise Entscheidung. Mit unheimlich viel Gefühl für die jeweils passende Klangfarbe untermalte Goetze Kellners „Gsungene Gschichtn“ und brachte Abwechslung in dessen Songs: Die schwebenden Balladen fütterte er per Lap-Steel mit wahrem Country-Feeling, schnelleren Nummern wie „Vielleicht vielleicht“ verlieh er mehr Dampf. Kellner bewies mal wieder, wie geschmeidig sich die bairische Sprache singt („Hädidadiwari“) und rezitierte seine üblichen, witzig-skurrilen Geschichten. Klassisches Comedy-Talent bewies Kellner, als er per Mimik diverse „Besoffenheitsstudien“ durchging. Das kennen alle, da lachen alle. Ernst wurde es dann mit Dreiviertelblut, der Band vom Singspiel auf dem Nockherberg, dem spannenden Projekt um Gerd Baumann und Fishbones-Sänger Sebastian Horn. Baumanns erste Ansage: „Wir verzichten heute auf Zwischenmoderationen.“ Punkt. Kein Augenzwinkern. Natürlich kümmerte sich Baumann später höchstpersönlich um weitere nüchtern-ironische Zwischenmoderationen.

Mit „Mia san ned nur mia“, einem Lied für Toleranz gegenüber Flüchtlingen, traf die Band ebenso ins Herz des Publikums. Musikalisch lieferten Dreiviertelblut eine Bandbreite, wie sie Kurhaus-Stammgäste von den Bananafishbones kennen – allerdings mit ihrer eigenen Volksmusik-Note.

Als am Samstag um 20 Uhr Alex Cumfe mit ihrer Band und poppigem Sound den zweiten Abend eröffnete, war die unbestuhlte Tanzfläche im Kurhaus schon sehr gut gefüllt. Was auffiel: Das Publikum war toll durchmischt.

Von Jung bis Alt, vom gepiercten Punker bis zum Trachtenhemd – unterschiedlichste Generationen und Subkulturen vereinigten sich unter der Kuppel des Saals. Sängerin Cumfe wärmte das zu Anfang vergleichsweise verhaltene Publikum mit ihrer tollen Stimme auf, danach brachten „Lenze und de Buam“ die Stimmung im Saal auf einen ersten Höhepunkt. Den sympathischen und selbstironischen Oberaudorfern sieht man die Gaudi beim Musizieren an – und das Publikum ging mit. Die Menge tanzte Pogo und Polonaise.

Die achtköpfige „Mundwerkcrew“, bestehend aus zwei Rappern, DJ, Keyboarder, Schlagzeuger, Trompeter und Gitarristen, traf mit ihrem Gute-Laune-Sound anschließend genau den Nerv des Publikums. Sie forderte zum Mitsingen auf und begeisterten alle mit Minuten langen Solo-Einlagen der einzelnen Musiker am Ende des Auftritts.

Im Vergleich zur großen Besetzung der „Mundwerkcrew“ war der Auftritt der Mundart-Rapper "dicht & ergreifend" reduzierter, aber deutlich dramatischer inszeniert. Den Auftakt für den Auftritt der Festival-Headliner gab der vermummte DJ. Hinter seinem, nur mit flackernden Grablichtern dekoriertem Pult, erzeugte er eine dramatische Stimmung, die das Publikum gebannt hielt, bis die Rapper dynamisch auf die Bühne sprangen.

Musikalisch waren alle Bands außergewöhnlich – das Publikum war begeistert. Ein toller Abend, der wie der Hauptakt war: dicht und ergreifend.

Von Tobias Gmach und Nora Linnerud (den ganzen Text lesen Sie am Montag im Tölzer Kurier)

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