+
Großes Interesse bestand am Infoabend zum Bebauungsplan Hintersberg II.

Hintersberg II

Bebauung der Tölzer Zwickerwiese: Anwohner kritisieren Erschließung

  • schließen

Auf 37 Parzellen sollen auf der Zwickerwiese hauptsächlich Doppelhäuser gebaut werden. Bei einem Infoabend der Stadt äußerten die Nachbarn aus der Heißstraße Bedenken.

Bad Tölz – Zu einer Informationsveranstaltung zum Bebauungsplan Hintersberg II hatte die Stadt am Montagabend ins Rathaus geladen. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass Anwohner der Heißstraße in erster Linie gegen die Erschließung des geplanten Neubaugebiets auf der Zwickerwiese über ihre Wohnstraße sind. Im übervoll besetzten Sitzungssaal wurden die detaillierte Planung des Neubaugebiets und die beiden Gutachten zur erwarteten Verkehrsbelastung sowie zur möglichen Beeinträchtigung durch den ehemaligen Arnoldstollen vorgestellt.

Susanne Rentsch vom Münchner Büro „Plankreis“ gab einen detaillierten Überblick, was auf der Zwickerwiese entstehen soll. Auf den insgesamt 37 Parzellen sollen in erster Linie Doppelhäuser gebaut werden. Dabei liegen die Grundstücksgrößen zwischen 230 und rund 600 Quadratmetern. Vorgesehen im Bebauungsplangebiet sind zwei Wende-Möglichkeiten für größere Fahrzeuge, etwa die Müllabfuhr, sowie mittig ein Grünstreifen als Aufenthaltsbereich.

„Der ehemalige Arnoldstollen, der quer durch das geplante Baugebiet führt, hat keinerlei Einflüsse mehr auf den Untergrund.“ Zu diesem Schluss kam Bergbau-Gutachter Michael Grösbrink von der Gelsenkirchener Firma „arccon“. Der durch zahlreiche Bohrungen festgestellte, zwei Meter hohe und ebenso breite Stollen ist rund 230 Meter lang und liegt maximal in 33 Metern Tiefe. Zwischenzeitlich sei er zum größten Teil bereits mit einem „betonartigen Material“ verfüllt.

Rechtsanwalt Josef Bösmeier, der einige Heißstraßen-Anwohner vertritt, wollte sich freilich mit dem Gutachten nicht zufrieden geben und bemängelte vor allem die fehlende „konkrete Hohlraum-Berechnung“. Zudem warf er Bürgermeister Josef Janker und Bauamtsleiter Christian Fürstberger diverse „grobe planungsrechtliche Versäumnisse“ vor. Der Bergbau-Fachmann versicherte daraufhin: „Wenn wir mit der Verfüllung fertig sind, dann ist dort kein Hohlraum mehr. Dafür garantiere ich mit meiner 27-jährigen Erfahrung in diesem Metier.“

Bebauungsplan Hintersberg: Verkehrsbelastung bleibt in „verträglichem Rahmen“

Im Mittelpunkt der Kritik der Heißstraßen-Anwohner standen freilich die Ergebnisse der verkehrstechnischen Bewertung durch Diplom-Ingenieur Daniel Lesch. Er war nach eingehenden Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, „die Verkehrsbelastung der Heißstraße bleibt auch künftig in verträglichem Rahmen“. Laut seiner „Neuverkehrs-Prognose“ würde der zu erwartende Verkehr 315 Fahrzeugbewegungen pro Tag nicht übersteigen. Da dies unter der vom Gesetzgeber vorgesehenen Grenze von 400 Fahrzeugen pro 24 Stunden bleibt, werde es auch mit Blick auf den „Mischverkehr“ – Fußgänger, Radler und Autos sind zeitgleich auf der Straße – „keine Veränderung des Sicherheitsniveaus geben“.

Viele Anwohner sehen das anders. Die Straße sei zu eng, der Zustand zu schlecht, zudem werde sich das Milieu durch die künftigen Nutzer ändern. „Jetzt wohnen dort etwa zehn Kinder. Das wird sich gravierend ändern, wenn dort ein familienfreundliches Wohngebiet entsteht, wenn die Kinder zur Schule und in den Kindergarten gefahren werden“, sagte eine Zuhörerin. In Sachen Straßenzustand erklärte Fürstberger: „Es ist derzeit nicht geplant, daran etwas zu ändern.“

Bebauungsplan Hintersberg: Andere Variante wäre „unnötiger Flächenfraß“

Untersucht hatte Lesch auch die Verkehrsauswirkung bei einer möglichen Erschließung des Baugebiets aus Richtung Norden, also hin zur Staatsstraße 2072 auf Höhe der Einmündung zum Gewerbegebiet Farchet. Da sich der meiste Verkehr aber in südliche Richtung (Stadtmitte) bewegt, würden voraussichtlich lediglich 20 Prozent der Anlieger diese Anbindung nutzen. „Das entspricht selbst bei Spitzenzeiten am Morgen nicht mehr als acht Fahrzeugen pro Stunde.“ Eine Absage dieser Variante kam dann auch von Fürstberger: „Eine neue Straße wäre absolut nicht zeitgemäß. Hierbei würden zusätzliche rund 4000 Quadratmeter Fläche versiegelt. Unsere hauptsächlichen Bedenken dagegen gelten dem unnötigen Flächenfraß.“

Sämtliche Pläne und die detaillierten Gutachten sind auf der Homepage der Stadt einzusehen. Zudem können Bürger noch bis zum 22. Oktober zu den üblichen Geschäftszeiten im Stadtbauamt ihre Einwände gegen die aktuelle Planung vorbringen.

Lesen Sie auch:

Neues Projekt in Bad Tölz: Vier-Sterne-Hotel mit Wald- und Bergblick

Ciao „Enzo“: Traditions-Lokal schließt - Abschluss nach 37 Jahren

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Vorbestrafter rast Max (14) tot: Riesige Trauer - neue Details zum Todesfahrer
Unglaubliche Szenen spielten sich in der Nacht des 15. November in München ab. Ein Autofahrer raste in eine Gruppe Jugendlicher. Ein 14-Jähriger kam dabei ums Leben.
Vorbestrafter rast Max (14) tot: Riesige Trauer - neue Details zum Todesfahrer
Schutz vor Einbrechern: Mechanik wichtiger als Alarmanlage
Die Tage werden kürzer – gut für alle, die ihren Geschäften am liebsten im Dunklen nachgeben. „Einbrecher haben da leichteres Spiel“, sagt Kriminaloberkommissar Simon …
Schutz vor Einbrechern: Mechanik wichtiger als Alarmanlage
Helfen, wenn andere Hilfe brauchen: Dorfhelferinnen freuen sich über neue Azubis
Ausgebildete Dorfhelferinnen sind in Bayern eher dünn gesät. Umso erfreulicher ist die Situation im Landkreis.
Helfen, wenn andere Hilfe brauchen: Dorfhelferinnen freuen sich über neue Azubis
Sachbeschädigung in Lenggries: Unbekannter kratzt Beleidigung in die Motorhaube
Mit zerstochenen Reifen und einer Beleidigung auf der Motorhaube: So fand eine Lenggrieserin ihr Auto vor.
Sachbeschädigung in Lenggries: Unbekannter kratzt Beleidigung in die Motorhaube

Kommentare