Ins Repertoire der gesamten Bachfamilie hat Chorleiter Christian Fliegner für das Konzert des Knabenchors in Bad Tölz gegriffen.
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Ins Repertoire der gesamten Bachfamilie hat Chorleiter Christian Fliegner für das Konzert des Knabenchors in Bad Tölz gegriffen.

Erstes großes Konzert nach dem Lockdown

Tölzer Knabenchor singt erstmals wieder daheim: Begeisterter Applaus

Gänsehaut und lang anhaltender Applaus: Ein begeisterndes Konzert hat der Tölzer Knabenchor am Sonntagabend in der Stadtpfarrkirche gegeben. Es war der erste Auftritt daheim nach dem langen Lockdown.

Bad Tölz - Chorleiter Christian Fliegner hatte ins Repertoire der gesamten, weitverzweigten Bachfamilie gegriffen und ein besonderes Programm zusammengestellt. Es gibt nicht nur den einen Bach, Johann Sebastian. In Erfurt prägte diese Familie über einhundert Jahre hinweg das musikalische Leben. Mit Johann Sebastians Großonkel, Johann Bach, begann das Konzert. „Unser Leben ist ein Schatten“ sorgte für erste Gänsehaut. Zweimal drei Solisten begleiteten den sechsstimmigen Chor, drei sangen neben dem Dirigenten, drei von der Orgelempore herab. Ihren eindringlichen Strophen antwortete das große Ensemble wie ein Echo.

Rund 55 Sänger, Knaben- wie Männerchor, standen mit Abstand im Altarraum. Clemens Haudum begleitete an der Truhenorgel, Michael Schönfelder an der Violone. Johann Michael Bach komponierte mit „Nun hab ich überwunden“ eine achtstimmige Doppelchormotette. Der klangliche Reichtum der Musik konnte von Johann Sebastian Bach nur noch verfeinert werden. Zwei seiner Motetten beendeten das Programm. Zuvor aber erklang Mendelssohn-Bartholdys „Adspice Domine“, ein Vespergesang für Männerchor. Der 20-jährige leitete 1829 eine Wiederaufführung der „Matthäuspassion“ und sorgte somit für eine Wiederentdeckung des Barockkomponisten.

Stehende Ovationen

Erstaunlich war zu hören, wie streng sich der romantische Mendelssohn-Bartholdy an strenge Kirchenkomposition hielt, ganz im Sinne des großen Meisters. Der Männerchor brillierte vor allem mit Schuberts Vertonung eines Goethegedichts, „Gesang der Geister über den Wassern“. Verse von gischtendem Wasser gestalteten die Sänger mit Intensität und Fortissimo.

Am Ende berührten sie die Zuhörer mit leiser Einstimmigkeit zum Vers „Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser“. Als positive Antwort darauf begann nun die doppelchörige Bachmotette „Der Geist hilft der Schwachheit auf“, gefolgt von „Lobet den Herrn, alle Heiden“.

Der Chor verstand es meisterhaft, die vielstimmigen Melodien zum gepriesenen Gesamtkunstwerk zu vereinen. Präzision in Tempo und bei Einsätzen sowie die genaue Artikulation zeigten die Chorarbeit, die überall auf der Welt geschätzt wird. Bewundernswert war ebenso zu hören, wie die jungen Stimmen mühelos kraftvoll und gewandt mit den erfahrenen kräftigen Männerstimmen harmonierten. Nach dem finalen „Halleluja“ erhoben sich alle Zuhörer in den Kirchenbänken der Stadtpfarrkirche zum langen Applaus. (Birgit Botzenhart)

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