Der Tölzer Gies ist mit seinen schmalen Gasse und alten Häusern vielleicht das schönste Stadtviertel.
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Der Tölzer Gies ist mit seinen schmalen Gasse und alten Häusern vielleicht das schönste Stadtviertel.

Umbaumaßnahmen ab 12. Juli

Beginn der Baumaßnahmen: Umgestaltung im Tölzer Gries

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    VonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Lange war geplant worden, jetzt geht es los: Am Montag beginnt die Umgestaltung im Tölzer Gries. Im ersten Bauabschnitt steht das Areal um den Jungmayrplatz im Fokus. 1,25 Millionen Euro investiert die Stadt.

Bad Tölz – Der Gries ist vielleicht der schönste Tölzer Stadtteil. Enge Gassen, schöne alte Häuser, Geschäfte, Caés, Handwerksbetriebe. Von Zeit zu Zeit brauchen aber auch Perlen eine kleine Aufpolierung. In drei Bauabschnitten soll das im Gries erfolgen. Während Abschnitt zwei und drei noch am Hochwasserschutz am Rehgraben hängen, wird mit dem ersten Abschnitt an diesem Montag begonnnen – und zwar rund um den Jungmayrplatz. Der Nagelschmiedbrunnen wurde bereits vergangene Woche abgebaut. „Er wird nun restauriert und wieder aufgebaut, wenn die Arbeiten fertig sind“, sagt Birte Otterbach, Pressesprecherin im Rathaus. Bis dahin dient die Fläche als Baulager.

Straßenbelag und Gredplatten sind barrierefrei

Insgesamt soll die Aufenthaltsqualität in dem Stadtviertel weiter verbessert werden. Und damit die Menschen auf den Freiflächen mehr Platz haben, sollen die Autos raus aus dem Viertel –zumindest ein Teil der parkenden. „Die Zahl der Parkplätze wird deutlich reduziert“, sagt Otterbach. Sie betont aber, dass das auch der explizite Wunsch der Impulsgruppe war, die sich mit der Neugestaltung befasste und der Anwohner angehörten. Wie drastisch die Reduzierung ist, wird sich schon nach der Fertigstellung von Bauabschnitt eins zeigen. Am Jungmayrplatz wird es dann nur noch vier öffentliche Parkplätze geben. Ob das funktioniert, werde sich zeigen, sagt Otterbach. Vorsichtshalber werden die Stellflächen erst einmal nur mit Bodennägeln markiert, die sich auch wieder entfernen ließen.

Der Nagelschmiedbrunnen ist abgebaut. Am Montag beginnt die Umgestaltung am Jungmayrplatz. Verlegt wird unter anderem neues Pflaster in einem „Wildverbund“. 

Apropos Boden: Der Straßenbelag wird völlig neu gemacht. Verlegt werden Granitsteine in sechs Formaten und drei Farbtönen in einem „Wildverbund“. So heißt das wirklich. Am linken und rechten Straßenrand zieht sich dann ein Band aus je 90 Zentimeter langen Gredplatten an den Häusern entlang. „Das sieht aus wie ein Gehsteig, ist aber keiner“, sagt Otterbach. Vielmehr können die Anwohner diese Fläche nutzen, um Hausbankl aufzustellen oder auch Blumentöpfe. Pflaster und Gredplatten sind barrierefrei, weil sie nur drei Zentimeter höher als die Fahrbahn sind. Diese drei Zentimeter reichen aber aus, um eine taktile Kante zu bilden, die mit dem Blindenstock zu ertasten ist. Die Platten sind aber niedrig genug, um keine Herausforderung für Rollstuhlfahrer darzustellen.

Ein „Wildverbund“ fürs Kleinod Tölzer Gries

Gerne hätte man den Grieslern auch schon mal auf einer kleinen Fläche gezeigt, wie dieser „Wildverbund“ aussieht – und zwar in einem Raum am Schulgraben zwei. das Problem: Die Gredplatten sind immer noch nicht in Tölz angekommen. Seit Monaten wird auf die Lieferung gewartet. Zuletzt habe es die Auskunft gegeben, „dass sie in Portugal vergessen wurden“, sagt Otterbach. „Wir sind den Steinen wirklich täglich auf der Spur“ – bislang allerdings erfolglos. Bis das Pflaster verlegt wird, geht noch einige Zeit ins Land. Als erstes wird nämlich der Untergrund etwa 50 Zentimeter tief abgegraben. Das ist nötig, um die Straßenentwässerung zu ändern. „Anders als bisher wird hier dann das Niederschlagswasser von den Häusern weg, hin zur ungefähr in der Fahrbahnmitte verlaufenden Entwässerungslinie in den Kanal abgeleitet“, erklärt Otterbach. Auch verschiedene Sparten – unter anderem Breitband – werden verlegt.

Stadt investiert 1,25 Millionen Euro

Um wunschgemäß künftig auch Märkte im Gries veranstalten zu können, wird mit Senk-Elektranten die dafür notwendige Infrastruktur geschaffen. „Ergänzend sorgt das neue Beleuchtungskonzept für einen größeren Wohlfühlfaktor und ein höheres Sicherheitsgefühl im Gries“, so Otterbach. Zum Einsatz kommen in den Stadtviertel die formschönen Hillebrandleuchten. „Wenn der Umbau abgeschlossen ist, werden wir im Gries ein wahres Kleinod geschaffen haben, das dem historischen Stadtteil gerecht wird und über eine enorme Aufenthaltsqualität verfügt“, sagt Bürgermeister Ingo Mehner. Er wisse, dass bis dahin aber einiges an Geduld von den Anliegern gefordert ist.

Ausweichen auf Parkplatz an den Stadtwerken

Ab Montag, 12. Juli, ist der Jungmayrplatz für den Autoverkehr bis voraussichtlich Ende des Jahres gesperrt. Um Anliegern die Einfahrt in den Schulgraben zu ermöglichen und die Feuerwehrzufahrt zu sichern, bleiben die Boten- und Konradgasse vorläufig von den Baumaßnahmen unberührt. Diese werden dann ab 2022 gesperrt, sobald der Kran an der Baustelle in der Klammergasse abgebaut ist und die Römergasse damit wieder passierbar wird. Als (kostenpflichtige) Ausweichflächen zum Parken empfiehlt die Stadt den Parkplatz an den Stadtwerken/Osterleite, den am Isarkai oder das Parkhaus. Für Unmut hatte bei dem einen oder anderen Anwohner im Gries gesorgt, dass just in dem Jahr, in dem der Umbau beginnt, der Preis für den Anwohnerparkausweis angehoben wurde. „Es war die erste Steigerung in 30 Jahren“, sagt Otterbach. Statt 15 koste der Ausweis nun 20 Euro. Und auf der Rückseite sei vermerkt, dass man mit dem Erwerb keinen Anspruch auf einen freien Parkplatz habe. Zudem sei der Gries der einzige Stadtteil, in dem es überhaupt Anwohnerparkausweise gebe. Der erste Abschnitt wird rund 1,25 Millionen Euro kosten. Die Stadt rechnet mit Zuschüssen in Höhe von bis zu 60 Prozent.

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