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Landgericht

„Begründeter Verdacht“ der Pädophilie

Bad Tölz/München – Das Landgericht hat einen 66-Jährigen aus Bad Tölz  zu vier Jahren Haft wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt.  Die Richterin forderte zudem eine Therapie.

Zu seinem letzten Wort steht der Angeklagte (66) aus dem Raum Bad Tölz auf: Das Wichtigste sei für ihn, dass sein Stiefenkel (7) keine bleibenden Schäden aus seinem Verhalten davontrage, sagt er. Und er wolle unbedingt eine Behandlung, „damit ich meine Probleme lösen kann“. Zum Schluss bat er um eine „gerechte, aber milde Strafe“. Das Landgericht München II verurteilte den 66-Jährigen zu vier Jahren Haft – wegen dreier Fälle des sexuellen Missbrauchs an seinem Stiefenkel (ein Fall davon schwer), Besitzes von Kinderpornografie und Verstoßes gegen Weisungen der Führungsaufsicht.

Der 66-Jährige war bereits 2006 vom Landgericht zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden, weil er seine eigenen Töchter missbraucht hatte, als sie noch Kinder waren. Nach der Haft stellte ihn das Amtsgericht Landsberg unter Führungsaufsicht bis zum 21. Oktober 2015. Darin wurde ihm verboten, Minderjährige zu beherbergen. Doch genau das tat er, als seine Frau und er vom 30. Mai bis zum 6. Juni 2015 den Enkel der Frau über die Pfingstferien zu Besuch hatten. Diese Betreuung des Siebenjährigen bezeichnete die Vorsitzende Richterin als „die Ursache des Übels“. Der Besuch habe ihm die Gelegenheit geboten, sich erneut an einem Kind zu vergehen.

Schließlich kam das Landgericht zum Ergebnis, dass vier Jahre Haft angemessen sind. „Mehr mussten es nicht sein“, sagte die Richterin – wegen der Einsicht des Angeklagten, seinem fortgeschrittenen Alter und seiner angeschlagenen Gesundheit. Er hat in der Haft mittlerweile drei Herzinfarkte erlitten. Außerdem hatte er dem Stiefenkel durch sein Geständnis eine Aussage vor Gericht erspart. So konnte sich das Gericht eine Videoaufnahme anschauen. Die Richterin bezeichnete das Kind als „überzeugend“ und „patent“. Der Siebenjährige hatte die Vorfälle auch sofort erst dem Vater, dann der Mutter erzählt.

Der psychiatrische Sachverständige machte dem Angeklagten deutlich, dass er ein Problem hat. Es gebe den „begründeten Verdacht“, dass er pädophile Neigungen habe. Mehr könne man allerdings nicht sagen, da der 66-Jährige jedes Gespräch über seine Sexualität verweigerte. „Er gibt keinen Einblick in pädophile Fantasien“. Auf alle Fälle bagatellisiere er. „Eine Therapie ist unbedingt geboten.“

Die Richterin schloss sich dem an und forderte eine Therapie, damit er keine Kinder mehr in die Nähe lasse. Über seine Sexualität zu reden, falle ihm „ungeheuer schwer“, sagte er im letzten Wort. Er habe das nie gelernt. Er beteuerte jedoch zum Abschluss, dass er eine Behandlung wolle. „Ich werde, da können Sie versichert sein, alles tun, um das zu beseitigen.“ 

Nina Gut

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