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Komplexes Thema: Kreisbehinderten-Beauftragter Ralph Seifert (mit Peter Müller, li.) brachte den Ausschussmitgliedern die Idee des Aktionsplans für Menschen mit Behinderung näher.

Kreis-Sozialausschuss

Beim Thema Inklusion noch etwas planlos

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Braucht der Landkreis einen Aktionsplan für Menschen mit Behinderung? Mit dieser Frage befasste sich der Kreis-Sozialausschuss in seiner jüngsten Sitzung. Und die Antwort ist schwierig. Weil das Feld so groß ist, soll sich nun erst einmal eine Arbeitsgruppe überlegen, welches Ziel der Aktionsplan überhaupt haben soll.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Sie sei verwirrt, bekannte SPD-Kreisrätin Edith Peter ganz offen in der Sitzung. Und das Durchackern der viele Seiten umfassenden Sitzungsvorlage zum Thema Aktionsplan für Menschen mit Behinderung habe sie noch mehr verwirrt. Sozialamtsleiter Thomas Bigl konnte das durchaus nachvollziehen. Auch er habe weniger eine Stellungnahme als eine „Sammlung von Fragen“ vorbereitet. „Denn wenn man das Thema angeht, wird es immer größer und größer.“

Zentrale Frage für Bigl ist, was der Landkreis mit einem Aktionsplan für Menschen mit Behinderung erreichen will. „Wir müssen ein wirkliches Ziel formulieren. Was wollen wir abdecken?“ In einigen Nachbarlandkreisen gibt es bereits derartige Aktionspläne. So richtig glücklich erschien Bigl auch mit denen nicht zu sein. „Das liest sich alles ähnlich. Vielleicht auch deshalb, weil es nur zwei Institute gibt, die so etwas erstellen“, sagte der Sozialamtsleiter. Oft sei es nur eine Bestandsaufnahme. „Aber die bringt uns nichts, wenn wir nicht Ziele und einen klaren Rahmen formulieren.“ Das Thema sei „schwierig und wirklich wichtig“, sagte Bigl. Schließlich leben rund 10 000 schwerbehinderte Menschen zwischen Icking und der Jachenau. „Aber wir tun uns im Moment wirklich hart“ mit der Umsetzung.

Man brauche eine „Fahrbahn mit Meilensteinen, die wir abhandeln“, umschrieb es Günther Fuhrmann (FDP/Ausschussgemeinschaft). Das sah Franz Schöttl (CSU) ähnlich. „Wir müssen uns vorher die Felder überlegen, auf die es ankommt, dann schauen wir, wo die Probleme sind, und versuchen, sie im Sinne der Inklusion abzuarbeiten.“ Gehe man einen Aktionsplan anders an, „sind das am Ende nur schön gefüllte Seiten“.

Zumal ein derartiger Plan für ihn „fast schon wieder einer Stigmatisierung“ gleichkomme, ergänzte Konrad Specker (Freie Wähler). Vielmehr müsse es „normal sein, anders zu sein“, sagte der Bezirksrat. „Inklusion findet in den Köpfen statt“, merkte auch Sozialamtsleiter Bigl an. „Wenn Ihnen einen Hebel einfällt, wie man da weiterkommt – der wäre weltweit sehr gefragt.“

Damit der Aktionsplan „kein Papiertiger wird“, sei es notwendig, geeignete Strukturen – sprich: Stellen – in der Verwaltung zu schaffen, forderte Barbara Schwendner (Grüne). Das sah Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) skeptisch. „Wir müssen erst einmal das politische Ziel definieren, bevor wir Stellen schaffen.“

Im Prinzip war der Ausschuss zu diesem Zeitpunkt der Debatte wieder am Ausgangspunkt angekommen. „Ich vermisse konkrete Ansatzpunkte“, sagte Anton Demmel (CSU). Aber natürlich sei Inklusion ein Thema für alle Gemeinden – und zwar nicht nur in der Theorie, sondern in der täglichen Arbeit. „Das weiß jeder, der ein Inklusions-Kind in einer seiner Einrichtungen hat.“ Da gebe es 15 verschiedene Anlaufstellen, die zuständig sind oder eben nicht.

Letztlich einigte sich der Ausschuss auf die Gründung eines Arbeitskreises. Dieser soll sich Gedanken machen, welche Ziele der Aktionsplan haben und welche Bereiche er abdecken soll. Neben Kreisräten aus den Fraktionen werden auch Vertreter von Behindertenvereinen und -verbänden mitarbeiten.

Teil der Arbeitsgruppe ist auch Landkreis-Behindertenbeauftrager Ralph Seifert. „Wir haben keine Patentlösung, aber wir sollten es einfach mal ausprobieren“, sagte der Benediktbeurer, der im Rollstuhl sitzt. Zusammen mit Elfriede Wilfling vom Arbeitskreis für Menschen mit Behinderung hatte Seifert die Idee des Aktionsplans an den Ausschuss herangetragen. In die Sitzung hatte die Geretsriederin zudem Markus Ertl mitgebracht. Der vom „Interessenverband Selbstbestimmt Leben“ zum Inklusionsbotschafter berufene Lenggrieser ist blind. Er bat darum, nicht nur die Spitzen der Interessensverbände in die Arbeitsgruppe miteinzubinden: „Die Leute, die die Verbände führen, sind nicht behindert. Lasst bitte die Menschen mit Behinderung zu Wort kommen.“

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