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Stadt Bad Tölz will Gregor Dorfmeister mit einem Denkmal würdigen

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Gregor Dorfmeister starb im Februar 2018. Er verfasste unter anderem das Anti-Kriegsbuch „Die Brücke“, basierend auf seinen eigenen Jugenderlebnissen, und war viele Jahre Redaktionsleiter des Tölzer Kurier. © Pröhl

Am 7. März wäre Gregor Dorfmeister 90 Jahre alt geworden. Die Stadt Bad Tölz gab nun bekannt, dem Autor und Journalisten ein Denkmal zu setzen. Die Filme, basierend auf Dorfmeisters Büchern, sind in diesen Tagen im Capitol-Kino am Amortplatz zu sehen.

Bad Tölz – Von uns gegangen und doch dabei: Gregor Dorfmeister, der am 7. März 90 Jahre alt geworden wäre, stand im Mittelpunkt eines Gedenkens im Tölzer Capitol-Kino, bei dem auch die Verfilmung seines autobiografischen Romans „Die Brücke“ gezeigt wurde. Kurier-Redakteur Christoph Schnitzer berichtete kenntnisreich über das Entstehen von Roman und Verfilmung, mehr aber noch über den Menschen Gregor Dorfmeister, der für ihn nicht nur als Redaktionsleiter, sondern auch mit seiner Menschlichkeit und Gradlinigkeit ein prägendes Vorbild war. Auch die Stadt wird Dorfmeister in diesem Jahr eine bleibende Erinnerung setzen: Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart gab bekannt, dass die Stadt ein Dorfmeister-Denkmal an der Isarbrücke enthüllen wird.

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Kurier-Redakteur Christoph Schnitzer berichtete über den Menschen Gregor Dorfmeister, der für ihn ein prägendes Vorbild war. © Bock

Im ehemaligen Bruckbräu – dort ist heute das Capitol-Kino beheimatet – habe sich vor 97 Jahren Adolf Hitler mit seinen Anhängern getroffen, sagte Schnitzer. Wenn man nun an gleicher Örtlichkeit Dorfmeisters von Humanität geprägtes Lebenswerk und seinen beklemmenden Antikriegs-Roman würdige, dann schließe sich damit gleichsam ein Kreis. Dorfmeister „strebte immer nach Wahrhaftigkeit“, sagte Schnitzer. „In der ‚Brücke‘ beschrieb er die tragische Wirklichkeit aus der Perspektive eines in den Krieg geschickten Kindersoldaten, wobei seine Tragik darin bestand, schuldlos schuldig zu werden.“

Über den genauen Ablauf jener militärisch völlig unnötigen Aktion vom 27. April 1945, eine unbedeutende Loisachbrücke bei Bad Heilbrunn gegen die anrückenden Amerikaner zu verteidigen, habe sich Gregor Dorfmeister auch gegenüber Freunden niemals näher äußern wollen, sagte Schnitzer. Das Miterleben vom sinnlosen Sterben gleichaltriger Kameraden muss ihn zutiefst traumatisiert haben. 1958 habe er diese Geschichte „in wenigen Nächten förmlich herausgekotzt“ und damit einen Romanwettbewerb gewonnen. Sie habe damals „wie eine Bombe eingeschlagen“ – genauso wie der Film, der bald darauf entstand.

Für viele der jungen Laiendarsteller wurde der Film zum Karrieresprungbrett – auch für Fritz Wepper, der den einzig überlebenden „Mutz“ (das war Gregor Dorfmeister) gespielt hat. „Seitdem standen ihnen alle Türen offen“, sagte Schnitzer.

Als sich die „Brückianer“ 2005 in Hamburg wieder getroffen haben, sei nicht nur Fritz Wepper von der Begegnung mit Dorfmeister sehr berührt gewesen. Kürzlich habe der Schauspieler angekündigt, er wolle mit Tölzer Schülern über den Film reden, berichtete Schnitzer.

Botzenhart würdigte Dorfmeister als „großen Sohn der Stadt“, der sich als Lokaljournalist und Brücke-Autor, als Streiter für die Rechte von behinderten Menschen und Fürsprecher der Marktstraßen-Fußgängerzone um Bad Tölz verdient gemacht habe. „Er war in vieler Hinsicht ein Brückenbauer, wir wollen ihm mit einem Denkmal ein dauerhaftes Andenken bewahren.“

Nach der Einführung wurde der Film gezeigt. Der grausige Naturalismus der „Brücke“ lässt sich nur schwer ertragen, was auch die klamme Stille im gut gefüllten Kino deutlich werden ließ. Krieg wird hier nicht verklärt. Dorfmeister hat sich bereits ganz am Anfang seines literarischen Schaffens damit auseinandergesetzt, wie er sich als 16-Jähriger von einem verbrecherischen Regime verblenden und dazu verführen ließ, in den letzten Kriegstagen als „Kindersoldat“ für Volk und Führer zu kämpfen. Sein Roman „Die Brücke“ wurde zum Grundtext einer jungen Generation, die voller Skepsis und Misstrauen gegenüber falschen Idealen und Ideologien war, weil sie bei ihrer Suche nach Orientierung missbraucht und verraten wurde. Gregor Dorfmeisters Botschaft hieß: „Nie wieder Krieg.“ 

„Die Brücke“ wird nochmal an diesem Sonntag, 10. März, um 17.30 Uhr im Capitol-Kino am Amortplatz gezeigt. 

Den Filmklassiker „Stadt ohne Mitleid“, der auf Gregor Dorfmeisters zweitem Roman „Das Urteil“ basiert, zeigt das Capitol-Kino an diesem Samstag, 9. März, um 20 Uhr sowie am Montag, 11. März, um 17.30 Uhr. Das 1961 erschienene Buch ist nicht mehr im Handel erhältlich. Anders als beim Debüt-Roman „Die Brücke“, einer autobiografischen Rückblende, ist „Das Urteil“ ein sozialkritisches Justiz-Drama aus der Gegenwart der Nachkriegsjahre: Vier in einer süddeutschen Kleinstadt stationierte amerikanische Soldaten haben ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt. Vor dem Militärgericht versucht ihr Verteidiger, die drohende Todesstrafe abzuwenden, indem er in einem harten Verhör pikante Details aus dem Privatleben des Mädchens zutage fördert und seinen Ruf zerstört. Die erbarmungslose Bevölkerung reagiert höhnisch und schadenfroh. Das Mädchen bricht zusammen und nimmt sich am Ende das Leben. Der US-amerikanische Spielfilm wurde noch im gleichen Jahr mit Starbesetzung gedreht: Kirk Douglas, Christine Kaufmann, Gerhard Lippert, Barbara Rütting und Ingrid van Bergen wirkten mit.  (Rainer Bannier)

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