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In der Mittagspause mal eben zur Entspannung ins Stadtmuseum: Bei freiem Eintritt wäre das einer der erwünschten Effekte. Bürgermeister Josef Janker hält die Idee für diskussionswürdig. 

Memminger Modell auch in Tölz?

Belebt freier Eintritt den Museumsbesuch?

„Positive Nachrichten für alle Museumsfreunde“ kündigte im Frühsommer die Stadt Memmingen an: Für alle drei Museen am Ort sollte ab Mai der Eintritt kostenlos sein. Die Medien berichteten umfangreich und positiv über diesen Versuch, die Besucherzahlen und Attraktivität der Stadt zu erhöhen. Ist das auch ein Modell für Bad Tölz? 

Bad Tölz – Zunächst mal in Memmingen, wo man inzwischen über etwas mehr als ein halbes Jahr an Erfahrungen verfügt. Der Memminger Kulturamtsleiter Hans-Wolfgang Bayer bremst indes die Erwartungen: „Wir wollten ein Jahr warten, bevor wir eine erste Bilanz ziehen.“ Dann plaudert er doch ein wenig aus dem Nähkästchen und spricht von deutlich erhöhten Besucherzahlen. Bis zu 60 Prozent, sagt er, schränkt aber gleich ein. Dabei hätten auch auch spektakuläre Anschaffungen und der Reiz des Neuen eine Rolle gespielt.

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Bayer hat andere Beobachtungen gemacht, die ihn vom freien Eintritt überzeugen. „Die Wahrnehmung der Museumsbesucher hat sich geändert“, sagt er. Sie ließen sich mehr Zeit für einzelne Objekte, kämen öfters und gerne auch mal zwischendrin für eine Muße-Viertelstunde. „Sie bewegen sich anders in unseren Häusern“, sagt Bayer und verweist auf positive Erfahrungen in England. Das größte Museum der Welt, das British Museum, ist seit einigen Jahren kostenlos.

Memmingen als Vorbild für Tölz? Das traditionsreiche und seit einigen Jahren Stück für Stück vorbildlich aufgemöbelte Stadtmuseum verdiente auch nach Auffassung von Bürgermeister Josef Janker durchaus noch mehr Besucher. Die Betriebskosten hole man sowieso nicht herein, der freie Eintritt, so das Stadtoberhaupt, könne da wirklich ein probates Mittel sein. „Das sollten wir in Bad Tölz auch mal überlegen.“ Auch Kurdirektorin Brita Hohenreiter ist „sehr interessiert“, was bei dem Memminger Modell herauskommt.

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Und was meint die Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker? Sie wertet den Eintritt auch als Nachweis der Besucherzahlen für den Stadtrat und verweist auf die ohnehin kostenlosen zahlreichen Abendvorträge im Museum. Sie hat zudem eine sehr konkrete praktische Sorge, sollte der Eintritt frei gegeben werden. „Dann kommt das Laufpublikum der Marktstraße und will unsere Toilette nützen.“ Leise Skepsis also bei ihr. Aber: Es sei eine politische Entscheidung.

Viktor Maier, langjähriger Leiter des Freundeskreises Stadtmuseum, kann sich schon vorstellen, dass der kostenlose Eintritt den Anreiz erhöhen würde, das Museum zu besuchen. Gerade auch bei den Tölzern selbst. Für einen Kurzbesuch zum Beispiel. Derzeit kostet der Eintritt zwei Euro pro Erwachsener. Auch wenn es günstig ist: Maier hat beobachtet, dass die Leute dann das ganze Haus von oben bis unten anschauen. Bei freiem Eintritt bliebe vielleicht mehr Zeit für einzelnen Themen und Objekte. Maier ist es ein Anliegen, auf die hohe Qualität des Tölzer Museums zu verweisen. Es genieße bei den überregionalen Museums-Fachstellen einen ausgezeichneten Ruf.

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Cathrin Klingsöhr-Leroy, Direktorin des Kochler Franz-Marc-Museums, hat schließlich eine ganz klare Überzeugung: Staatliche und städtische Museen sollten grundsätzlich kostenlos zugänglich sein, da sie mit Steuergeldern finanziert und für das allgemeine Bildungsgut und -angebot wichtig seien. Das Marc-Museum sei privat und finanziere seinen Betrieb zu rund 60 Prozent durch den Eintritt.

Mehrfach war bei der Recherche das Sprichwort zu hören: „Was nichts kostet, ist nichts wert.“ Kulturamtschef Hans-Wolfgang Bayer aus Memmingen will davon nichts wissen. Das sei eine reine Schutzbehauptung. Außerdem, so fügt er augenzwinkernd hinzu, „gäb’s ja dann auch kein Freibier auf der Welt“.

Von Christoph Schnitzer

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