Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund

Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund
+
Verkündete die schlechte Nachricht: Dr. Joachim Ramming, Geschäftsführer der Asklepios-Stadtklinik. 

Vorübergehende Schließung der Entbindungsstation

Belegarzt geht nicht nur wegen Überlastung

  • schließen

Am 28. März um 24 Uhr ist Schluss. Ab diesem Zeitpunkt kann die Asklepios-Stadtklinik keine Schwangeren mehr aufnehmen, weil ihr die Ärzte fehlen: Gleich zwei Gynäkologen verlassen Ende des Monats das Tölzer Krankenhaus – einer davon, weil ihm Asklepios kein Angebot gemacht hat.

Bad Tölz – Die sehr kurzfristig einberufene Pressekonferenz am Freitagmittag verhieß nichts Gutes. Und tatsächlich: Um kurz nach 12 Uhr verkündete Klinik-Geschäftsführer Joachim Ramming, dass die Geburtshilfe am Tölzer Krankenhaus „bedauerlicherweise“ vorübergehend geschlossen werden muss. Schwangere, die sich ab dem 29. März an die Asklepios-Stadtklinik wenden, werden abgewiesen – und im Notfall mit dem Rettungsdienst oder -hubschrauber in eine der umliegenden Kliniken wie Garmisch-Partenkirchen oder Agatharied gebracht.

Als Grund für diese Entscheidung nennt Ramming Ärztemangel. Denn seit dieser Woche ist klar, dass nicht nur Belegarzt Dr. Stephan Krone Ende des Monats seinen Dienst quittiert. Auch Oberarzt Dr. Ikechukwu Anikwe verlässt zum 31. März das Tölzer Krankenhaus: Er hat gekündigt. Übrig bleiben also nur noch Belegärztin Dr. Florina Rummel und Oberärztin Dr. Johanna Roth, die aber noch bis Mitte des Jahres in Elternzeit ist – viel zu wenig Ärzte also für zuletzt 533 Geburten im Jahr 2016. Eine lückenlose Versorgung „ohne Gefährdung der Sicherheit von Leib und Leben der werdenden Mütter und ihrer Kinder“ sei vor diesem Hintergrund nicht mehr möglich, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Im Rahmen der Pressekonferenz bedankte sich Ramming ausdrücklich bei Krone, der seit dem Tod von Dr. Bernhard Schwaiger vor zwei Jahren eine „übermenschliche Leistung“ erbracht habe. „Ihm gebührt ebenso wie dem gesamten Team der Geburtshilfe unser ganzer Dank für das herausragende Engagement“, betonte Ramming.

Umgekehrt findet Krone allerdings keine lobenden Worte für Asklepios. Der Tölzer Gynäkologe hat nämlich nicht nur wegen der enormen Arbeitsbelastung gekündigt, die seine Tätigkeit als Belegarzt neben dem regulären Praxisbetrieb mit sich brachte. „Ich habe kein neues Angebot bekommen, deshalb mache ich nicht weiter“, sagt der Mediziner mit Blick auf seinen Vertrag, der Ende des Monats ausläuft. Vor diesem Hintergrund habe er erwartet, dass ihm Asklepios zumindest einen Vertragsentwurf vorlegen würde, aus dem er hätte ersehen können, was ihn erwartet, wenn es zu einer Kooperation mit einer der umliegenden Kliniken kommen würde. Stattdessen habe er nie etwas Konkretes erfahren. „Ich habe keine Perspektive mehr für mich gesehen.“ Das sei auch der Grund gewesen, warum Oberarzt Dr. Anikwe gekündigt habe.

Dr. Krone zweifelt an den Absichten von Asklepios

Die Kinderärzte kämpfen laut Krone ebenfalls mit dieser Perspektivlosigkeit. Denn auch deren Verträge laufen demnächst aus, und auch ihnen liege kein aktuelles Angebot über eine weitere Zusammenarbeit vor – „trotz mehrfacher Nachfrage“. Vor diesem Hintergrund tut sich Krone zunehmend schwer, der Aussage von Asklepios Glauben zu schenken, dass die Geburtshilfe erhalten werden soll. „Ich vermute langsam schwer, dass Asklepios andere Pläne hat.“

Genau das bestreitet Ramming. Im Rahmen des Gesprächs am Freitag betonte er einmal mehr, dass die Geburtshilfe nicht geschlossen wird, um der Akut-Geriatrie Platz zu machen. Die soll bekanntlich nach Tölz verlegt werden, wenn die Fachklinik in Lenggries Mitte des Jahres schließt.

In diesem Zusammenhang ging Ramming auch auf den Vorwurf ein, dass sich Asklepios als gewinnorientierter Privatkonzern mit Steuergeldern finanziell unter die Arme greifen lasse. „Wir wären bereit, die Geburtshilfe in den kommunalen Bereich zurückzugeben, um diesem Vorwurf zu entgehen“, sagte Ramming mit Blick auf eine mögliche finanzielle Beteiligung des Landkreises an der Geburtshilfe.

Josef Niedermaier ist dieser Vorschlag neu. „Wir werden aber auch das überprüfen“, sagte der Landrat, der als Mitglied des Klinikbeirats wie der Rest des Gremiums bereits am Donnerstag von der vorübergehenden Schließung der Geburtshilfe informiert worden ist. „Das ist schade“, kommentiert Niedermaier die aktuellen Entwicklungen. Trotzdem wird der Kreistag am 24. März darüber entscheiden, ob sich der Landkreis dauerhaft finanziell an der Tölzer Geburtshilfe beteiligen wird oder nicht.

Für Ramming ist diese Entscheidung ausschlaggebend dafür, ob eine Zusammenarbeit mit den Kliniken in Garmisch-Partenkirchen oder Agatharied möglich ist oder eben nicht. „Entsprechende Kooperationsangebote liegen vor, können aber erst weiterverfolgt werden, wenn sich der Kreistag für den in Aussicht gestellten Sicherstellungszuschuss in siebenstelliger Höhe ausgesprochen hat“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Erst dann können die Kooperationspartner mit der Personalsuche für die gemeinsame Hauptabteilung beginnen.“

Ursprünglich war erwartet worden, dass die Klinikleitung erst nach der Sitzung am 24. März über die Zukunft ihrer Geburtsstation entscheidet. „Bis dahin konnten wir aber nicht warten“, sagte Ramming. Denn wenn sich der Kreistag gegen eine finanzielle Beteiligung des Landkreises ausspricht, hätte die Klinik nur eine Woche Zeit gehabt, um die umliegenden Krankenhäuser und die Patienten zu informieren. Dieser Zeitraum war Ramming zu knapp. „Wir mussten diesen Zeitpunkt wählen.“

Stationspersonal soll weiter beschäftigt werden

Das betroffene Personal, das wie der Betriebsrat am Freitagmorgen über die vorübergehende Schließung informiert worden ist, habe laut Ramming verständlicherweise „traurig“ auf die Nachricht reagiert – auch wenn das Stationspersonal weiter beschäftigt werden soll. Auch die Station 2 bleibt vorerst erhalten. Dort liegen laut Ramming schon jetzt Patienten aus anderen Stationen, die belegärztlich behandelt werden. Florina Rummel bleibt der Asklepios-Klinik übrigens ebenfalls erhalten: Laut Ramming wird sie dort weiterhin gynäkologische Eingriffe vornehmen. Kommt eine Hauptabteilung zustande, soll Rummel ebenso ins Boot geholt werden wie Stephan Krone, der dafür bereit wäre.

Die Hebammen haben Ramming zufolge ebenfalls signalisiert, für einen gewissen Übergangszeitraum zur Verfügung zu stehen. Bereits vor Weihnachten hatte ihnen die Klinik „finanzielle Kompensationszahlungen“ zugesagt, falls es soweit kommen sollte. Eine Stellungnahme gab es von den Hebammen am Freitag nicht. Nach Angaben von Doris Wallé treffen sich die Frauen am Dienstag, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Unklar ist, wie sich die vorübergehende Schließung der Tölzer Geburtshilfe auf die ebenfalls vom Aus bedrohten Abteilung in Wolfratshausen auswirken wird. „Ziel ist es, die Geburtshilfe im ganzen Landkreis zu sichern“, sagte Ramming, der sich gut vorstellen könnte, Wolfratshausen beim Aufbau einer Hauptabteilung „ganz eng mit einzubeziehen“. Er versprach: „Wir werden die Flinte nicht leichtfertig ins Korn werfen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bundestagswahl: Große Live-Interview-Serie startet heute Abend
Das gab‘s so noch nie. Ab heute Abend interviewen wir jeden Direktkandidaten für unseren Wahlkreis live - die Fragen kommen von Ihnen. Wir starten heute Abend um 19.30 …
Bundestagswahl: Große Live-Interview-Serie startet heute Abend
Statt Gewerbegebiet: Bürgerinitiative kämpft für Wald-Erhalt
In Benediktbeuern hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Sie will ein Waldstück erhalten, das am Lainbach für die Erweiterung des Gewerbegebiets abgeholzt werden soll.
Statt Gewerbegebiet: Bürgerinitiative kämpft für Wald-Erhalt

Kommentare