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Wichtiger Helfer im Anflug: Auch am Herzogstand und am Brauneck greift die Bergwacht gerne auf eine Drohne der Penzberger Kollegen zurück – etwa auf der Suche nach Vermissten oder nach verborgenen Glutnestern. 

Bergwacht

Drohne hilft Bergrettern beim Helfen

Bad Tölz-Wolfratshausen –  Sie werden immer beliebter – zum Beispiel als trendiges Spielzeug oder um Fotografen zu schönen Luftperspektiven zu verhelfen. Doch Drohnen können viel mehr, im besten Fall sogar Leben retten. Die Bergwacht setzt am Herzogstand und am Brauneck regelmäßig eine Drohne ein.

Etliche Bewährungsproben hat die Drohne schon hinter sich. Im Juni 2014 etwa, da schickte die Bergwacht das ferngesteuerte Fluggerät mit vier Propellern, ausgerüstet mit einer Wärmebildkamera, am Herzogstand los. Man war auf der Suche nach einem Vermissten – in diesem Fall allerdings erfolglos. Der Mann wurde am nächsten Tag tot aufgefunden. Auch bei Flächenbränden war die Drohne schon im Einsatz – um Glutnester aufzuspüren.

„Die Drohne ist eine weitere gute Option, um ein Gelände abzusuchen“, erklärt Toni Geiger, Bereitschaftsleiter der Kochler Bergwacht. Am Herzogstand und am Brauneck wird ein Flugsystem eingesetzt, das der Bergwacht Penzberg gehört. „Wir kooperieren eng mit den Kochlern und Benediktbeurern“, sagt der Penzberger Bereitschaftsleiter Robert Nagel, dessen Mannschaft mit einem „Mikrokopter“ arbeitet. „12 000 Euro sind da in der Luft“, schätzt Nagel. Integriert sind eine hochauflösende, mit Zoom-Funktion ausgestattete Foto- und Filmkamera sowie eine Infrarotkamera, die Wärmebilder liefert – und damit Menschen auch nachts schnell auf dem Monitor sichtbar macht. Ein Bergwachtler steuert die Kameras, ein zweiter die Drohne. Anfangs, vor etwa zwei Jahren, habe man sich intern auf das Kürzel „KFS“ (Kleines fliegendes System) geeinigt, weil der Ausdruck Drohne „negativ behaftet“ sei, sagt Nagel. Mittlerweile ist der Begriff so geläufig, dass die Bergwachtler teilweise wieder von dem Kürzel abrücken.

Entscheidender als der Name ist der Nutzen. „Das ist eine Bereicherung für unsere Arbeit und trägt auch zur Sicherheit bei“, stellt der Lenggrieser Christoph Brenninger klar. Als Einsatzleiter sei er froh, seine Leute nun seltener in schwer zugängliche Scharten und Schluchten schicken zu müssen, die man per Drohne absuchen kann. „Bislang haben wir noch niemanden durch das Flugsystem gefunden, wir können aber Risiken minimieren“, erklärt der Penzberger Experte Nagel.

Kollege Norbert Weinhuber sieht den zeitlichen Vorteil. Der Tölzer Bereitschaftsleiter war 2015 an einer großen Bergeübung am Blomberg beteiligt. 72 Freiwillige ließen sich Ende Juli aus der Seilbahn „retten“. Um sicher zu gehen, dass kein Fahrgast mehr im Sessel sitzt, starteten die Penzberger einen kurzen Aufklärungsflug. „Früher hätte man eine ganze Mannschaft an der Bahn nach oben laufen lassen müssen“, sagt Weinhuber. Doch er warnt auch: „Man muss mit der Drohne üben.“

Bei allen Einsätzen gilt die Faustregel: entweder Drohne oder Hubschrauber – damit man sich in der Luft nicht in die Quere kommt. Worauf es außerdem ankommt, weiß Simon Mayr. Der Benediktbeurer montierte schon mit 16 Jahren eine Kamera auf einem Elektrosegler. Seit Jahren macht Mayr auf Wunsch spektakuläre Luftbilder (u.a. vom Benediktbeurer Kloster) und vertreibt sie über seine Firma Lubiag. Die Penzberger Bergwacht berät er, er kennt alle elektronischen Komponenten und Eigenarten von Drohnen. Da wäre zum Beispiel der „Coming-Home-Modus“, der das Flugobjekt automatisch zum Pilot zurückbringt. „Aber wenn der Kompass gestört ist oder das GPS-System ausfällt, hilft der Modus nichts“, sagt Mayr. Darüber hinaus erkenne die Drohne von selbst keine Hindernisse. Wer sie manuell fliegen will, müsse immer wissen, „wie die Drohne gerade im Raum steht“ – also wo vorne und hinten ist. Bei der Orientierung helfen LED-Leuchten in unterschiedlichen Farben.

Sehen muss man sie immer können: Das ist einer der Nachteile der Flugsysteme. Auch bei guten Sichtverhältnissen sollte die Drohne nicht weiter als 500 Meter vom Piloten entfernt sein, erklärt Mayr die rechtlichen Bestimmungen. Bei Nebel fällt der Einsatz schwer.

Zehn Bergwacht-Teams in Bayern – darunter auch die Gruppe Hausham – arbeiten mit den schwirrenden Helfern. Dennoch steckt die Entwicklung der Bergwacht-Drohnen noch in den Kinderschuhen. Doch schon jetzt sind Lawinen-Piepser in einige davon integriert. Laut Nagel soll das in Zukunft Standard werden.

Tobias Gmach und Wolfgang Schörner

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