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Bergwacht und Alpenverein geben Tipps fürs Wandern in der kalten Jahreszeit

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Von: Katja Brenner

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Ein verschneiter Wanderweg am Brauneck: So sah es dort vergangenes Jahr bereits Ende September aus. Mütze, Schal und Handschuhe sollten daher bei keiner Tour fehlen.
Ein verschneiter Wanderweg am Brauneck: So sah es dort vergangenes Jahr bereits Ende September aus. Mütze, Schal und Handschuhe sollten daher bei keiner Tour fehlen. © Tobias Hase/dpa

Wegen der Corona-Pandemie meiden manche Sport und Freizeit in geschlossenen Räumen. Was liegt also näher, als mal wieder in die Berge zu gehen?

Bad Tölz-Wolfratshausen – Blauäugig sollte man sich dem Unterfangen jedoch nicht nähern, denn im Gebirge kann es um diese Jahreszeit gefährlich werden, wie sich jüngst erst wieder zeigte, als Wanderer in der Dunkelheit am Geierstein die Orientierung verloren hatten (wir berichteten). Denn: Die Tage sind kürzer, die Verhältnisse anspruchsvoller. Der Tölzer Kurier hat sich beim Alpenverein und bei der Bergwacht umgehört, worauf man achten muss.

Wetterverhältnisse beachten und rechtzeitig aufbrechen

Tom Heßlinger aus der Geschäftsstelle des Alpenvereins in der Tölzer Marktstraße kennt die Berge im Tölzer Land gut. Der staatlich geprüfte Berg- und Skiführer sagt, man müsse sich als allererstes „informieren, wie das Wetter wird“. Das sei besonders wichtig, „weil das in den Bergen schnell mal umschlägt“, ergänzt Lina Feile, Sprecherin der Bergwacht Lenggries. Und: Man muss rechtzeitig aufbrechen. „Daher sollte man neben den Wetterverhältnissen beachten: Wann ist denn Sonnenuntergang?“, sagt Horst Stahl, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Bad Tölz. „Es wird dann einfach sehr schnell dunkel und kalt“, gibt Feile zu bedenken.

Eigenes Können gut einschätzen - Entscheidend ist auch die Ausrüstung

Nicht nur die äußeren Verhältnisse sind entscheidend, das eigene Können und das der Gruppe müssen zur Tour passen. Selbsteinschätzung ist daher das A und O. „Es ist immer der Schwächste und Langsamste, der das Tempo vorgibt“, sagt Heßlinger. Unterwegs sollte man daher „nicht stur an seinem Ziel festhalten“, man müsse immer wieder entscheiden, ob es weitergeht oder ob es vernünftiger sei, sich auf den Rückweg zu machen. Anfänger sollten sich daher einfachere Touren suchen. Das sind laut Heßlinger eher südseitig ausgerichtete Touren, weil auf den Nordseiten die Chance und das Risiko, auf Schnee und Eis zu treffen, größer ist. Hinzu kommt, dass „man manche Wegmarkierungen nicht mehr erkennen kann“, wenn Schnee liegt, so Heßlinger. Feile von der Lenggrieser Bergwacht: „Wenn es nass und kalt ist, kommt man schwerer voran.“ Sie rät: Keine neue Tour bei Schneefall ausprobieren. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt sie Anfängern, eher Forststraßen zu nutzen, weil da auch die Rettung besser funktioniere. Entscheidend ist auch die Ausrüstung, so Feile, „weil wir immer wieder Leute vom Berg holen, die schlecht ausgerüstet sind“. Ihr Tölzer Kollege Stahl weiß: „Das fängt an mit warmer Kleidung.“ Mütze, Handschuhe und Verpflegung sollten daher bei keiner Wanderung fehlen. Hinzu komme vernünftiges Schuhwerk mit guter Sohle und guter Kante, das auch auf Kälte und Nässe ausgelegt ist. Zudem empfiehlt Heßlinger vom Alpenverein Grödel, eine Art Schneeketten für die Schuhe, falls man auf vereiste Wege komme. „Die Beschaffenheit ist anspruchsvoller“, sagt er. Wanderstöcke verhinderten außerdem nicht nur das Ausrutschen, sie helfen auch, Kraft zu sparen. Bereitschaftsleiter Stahl von der Bergwacht Tölz hat noch einen Tipp: Wechselwäsche, falls man ins Schwitzen kommt.

Geladenes Handy und Stirnlampe sind sinnvoll

Zudem dürften „ein Handy mit einem vollen Akku“ und eine Stirnlampe nicht fehlen, sagt Heßlinger. Die Taschenlampenfunktion moderner Mobilfunkgeräte reiche nicht aus, sind sich Bergwacht und Alpenverein einig.

Ist das Bergwandern im Herbst und Winter also so fordernd, dass man es besser nicht allein macht? Dem würde Bergführer Heßlinger so nicht zustimmen. Erfahrenen, „denen kann man das durchaus zutrauen“, sagt er, Neulinge am Berg haben hingegen „in der Gruppe mehr Sicherheit“.

Auch Stahl sagt, dass am Rechelkopf, am Heiglkopf und rund um den Blomberg, die meisten Touren nicht ganz so anspruchsvoll und gut ausgeschildert seien, mit gut ausgebauten Wegen. Im Bereich der Tölzer Bergwacht „kann man nicht viel falsch machen“, so der Bereitschaftsleiter.

Besser nicht alleine losziehen

Schwieriger gestaltet es sich im Zuständigkeitsbereich der Bergwacht Lenggries. Feile: „Ich würde immer mindestens zu zweit auf den Berg gehen.“ Auch Berg-Profis sollten sich nicht unnötig in Gefahr begeben. Man müsse sich nur vorstellen, man verletzt sich, kann nicht weitergehen und ausgerechnet an der Stelle gibt es keinen Handy-Empfang. Ist man zu zweit, kann immer noch einer Hilfe holen gehen. Und ein unachtsamer Schritt, ein Sturz, „das passiert dem Anfänger wie dem Profi“, weiß Bergretterin Feile.

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