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Unverfälscht und nicht kommerzialisiert: Die Tölzer Leonhardifahrt gehört seit Montag offiziell zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands.

Auszeichnung als Unesco-Kulturerbe

Berliner Bewunderung für Leonhardi

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Kultur-Staatssekretärin Monika Grütters könnte einer der der nächsten prominenten Ehrengäste der Tölzer Leonhardifahrt werden. Eine Einladung hat die Politikerin am Montagabend bekommen, als die Wallfahrt offiziell zum deutschen Unesco-Kulturerbe erklärt wurde.

Bad Tölz – Mit einem Festakt in Berlin wurde die Tölzer Leonhardifahrt am Montag ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen. Damit ist Lehards in guter Gesellschaft von 35 weiteren Traditionen und Gebräuchen, die neu auf der Liste sind. Dazu zählen etwa die ostfriesische Teekultur, das Märchenerzählen oder das Historische Festspiel „Der Meistertrunk“ in Rothenburg ob der Tauber.

Um die hohe Auszeichnung entgegenzunehmen, waren Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart, Leonhardilader Anton Heufelder und Stadtpfarrer Peter Demmelmair in die Bundeshauptstadt gereist. Die Feierstunde in der Landesvertretung von Mecklenburg-Vorpommern sei insgesamt eher „nüchtern“ abgelaufen, berichtet Botzenhart – gerade im Vergleich zum Festakt in München vergangenen November, als sich die Traditionen, die ins bayerische Unesco-Verzeichnis aufgenommen wurden, farbenfroh und klangvoll präsentierten (wir berichteten).

Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart (2. v. li.) nahm die Auszeichnung von (v. li.) Staatsministerin Monika Grütters, der Brandenburger Kultusministerin Martina Münch und Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission, entgegen.

Durchaus hochkarätig besetzt war aber auch der Festakt in Berlin. Die Urkunden wurden von Kultur-Staatssekretärin Monika Grütters, Brandenburgs Kultusministerin Martina Münch als Repräsentantin der Kultusministerkonferenz sowie von Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission, überreicht.

In seinen Dankesworten betonte Botzenhart, dass die Tölzer Leonhardifahrt seit über 150 Jahren in unveränderter Form Bestand habe und eine Tradition sei, die „tiefe Frömmigkeit und Lebensfreude verbindet“. Sie bringe die Menschen generationsübergreifend zusammen. „Ich glaube, bei der Aufnahme ins Kulturerbe hat uns geholfen, dass Leonhardi nicht kommerzialisiert ist“, so der Dritte Bürgermeister.

Die Unesco-Auszeichnung betrachtet er vor allem als Schutz der Tradition vor Veränderungs-Vorstößen, wie sie etwa aus dem Bereich der Sicherheits-Vorschriften oder von Modernisierern kommen könnten. „Auf so etwas muss man als Kulturerbe weniger Rücksicht nehmen.“ Erfreut zeigt sich Botzenhart über das große Medienecho zur Preisverleihung. Für die Tourismuswerbung ausschlachten wolle Bad Tölz das neue Prädikat aber nicht.

Kultur-Staatssekretärin Grütters hat an dem Abend schon mal Lust auf Leonhardi bekommen. „Sie hat uns gesagt, es sei ja so schön bei uns“, berichtet Botzenhart. „Wir werden sie auf alle Fälle einladen.“

Nach der Aufnahme ins bayerische und ins bundesweite Unesco-Verzeichnis könnte Leonhardi im nächsten Schritt noch als Weltkulturerbe vorgeschlagen werden. „Da wird der Flaschenhals aber sehr eng, es wäre reine Glückssache“, so Botzenhart. Denn von den jetzt 36 neu aufgenommenen Traditionen werde die deutsche Kommission lediglich drei an die Unesco weiterleiten.

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