+
„Mein Wort wird nicht ohne Eindruck bleiben“ ist der Titel eines zweiteiligen Gemäldes, das Künstler Albrecht Gehse am Donnerstag präsentierte.

Ausstellung

Berliner Maler Albrecht Gehse widmet sich dem Thomas-Mann-Jahr

Der Berliner Maler Albrecht Gehse hat für das Tölzer Thomas-Mann-Jahr zwei Gemälde geschaffen, die er nun im Tölzer Stadtmuseum der Öffentlichkeit vorstellte.

Bad Tölz – Es war eine Premiere mit drei Überraschungen: Aus dem angekündigten Triptychon war ein Diptychon geworden – also ein aus zwei statt drei Bildern bestehendes Werk– , der Titel war verändert und die Bildbetrachtung wurde multimedial. Der international gefragte Berliner Maler Albrecht Gehse hatte für das Tölzer Thomas-Mann-Jahr eigens zwei Gemälde geschaffen, die er nun im Tölzer Stadtmuseum der Öffentlichkeit vorstellte.

Unter dem Titel „Mein Wort wird nicht ohne Eindruck bleiben“ stehen auf den Bildern die Themen Drittes Reich und Exil im Mittelpunkt. Thomas Mann blickt streng und vom Alter gezeichnet aus dem Gemälde. Er sitzt vor dem Mikrofon, durch das er während des Zweiten Weltkriegs über die BBC seine mahnenden Reden nach Deutschland sendete. Das düstere Porträt ist mit Blau und Rot im Hintergrund kontrastiert.

Links davon, auf dem zweiten Gemälde, blickt seine Tochter Erika ebenfalls streng und fordernd auf den Vater. Sie musste den Nobelpreisträger drängen, endlich öffentlich Stellung gegen das Naziregime zu beziehen. Unter ihr sind zwei ihrer Geschwister nur angedeutet, ganz unten blickt Manns Ehefrau Katja in die Mitte des Bildes. Sie, die das ganze Leben um den Schreibenden organisierte, blickt mit Humor und Zuversicht auf den Hafen von New York, in die neue Welt, die Thomas Mann und zahlreichen anderen geflohenen Schriftstellern Schutz bot. Ein Wolkenkratzer begrenzt den linken Bildrand. Auf einen dritten Teil hat Gehse verzichtet und erklärte: „Ich hatte ursprünglich an das Konzept eines Bildes aus meinem Zyklus ,Aufruhr‘ gedacht, aber dann hätte ich die Symbolik überladen.“ Gehse hatte darin Stahlhelme und ausgehungerte Leiber von KZ-Häftlingen dargestellt. „Aber so ist das Diptychon stimmig“, betonte der Künstler, der 2003 Altkanzler Helmut Kohl für das Kanzleramt portraitiert hatte.

Bei der Betrachtung hörten die Besucher im Historischen Sitzungssaal Thomas Manns BBC-Rede von 1941, in der der Schriftsteller schonungslos die Gräueltaten des Unrechtsregimes aufzählte. An der Stelle, als Mann die Ermordung von Geisteskranken durch Giftgas anprangerte, wirkten die kontrastierenden roten Stellen im Portrait wie Blutflecken – und damit stärker als Stahlhelme.

Gehse hatte die Rede als Grundlage für sein Mann-Portrait ausgewählt. Die knapp zwei Dutzend Zuhörer zeigten sich sehr beeindruckt. In der Ausstellung wird die Rede Thomas Manns nicht zu hören sein. Sie ist im Internet zu finden unter den Schlagworten „Thomas Mann Deutsche Hörer 1“.

Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart nannte die Bildpräsentation eine „wunderbare Bereicherung“ des Thomas-Mann-Jahres. Im November werden dann weitere Bilder gezeigt, die mit Mann in Verbindung stehen: Die Joseph-Litographien von Hermann Ebers inspirierten den Literaten zu seinem dreiteiligen Joseph-Roman, den er im Exil beendete.

Das Diptychon ist noch für zwei Monate im Stadtmuseum zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr; Pfingstsonntag und -montag, 4./5. Juni, von 10 bis 17 Uhr; Fronleichnam, Donnerstag, 15. Juni, geschlossen.

Von Birgit Botzenhart

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Keine Grabsteine aus Kinderarbeit
Mit einem ungewöhnlichen Antrag hat sich der Tölzer Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 27. Juni, um 16 Uhr im Feuerwehrhaus zu befassen. Die CSU-Fraktion …
Keine Grabsteine aus Kinderarbeit
Unsere Veranstaltungstipps:Das wird schön am Wochenende
Unsere Veranstaltungstipps:Das wird schön am Wochenende
Unfall auf der B472: Sperrung aufgehoben
Nach dem schweren Unfall gegen 18.40 Uhr ist die Sperrung auf der B472 aufgehoben.
Unfall auf der B472: Sperrung aufgehoben

Kommentare