Josefa Eichner und Resi Kirmair (v. li.) arbeiten jetzt als Dorfhelferinnen.
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„Manche trauten sich nicht, jemanden ins Haus zu holen“: Josefa Eichner und Resi Kirmair (v. li.) arbeiten jetzt als Dorfhelferinnen.

Soziales

Berufsanfang mit Hindernissen: Junge Dorfhelferinnen berichten über ihre Probleme in der Pandemie

Wer in einem sozialen Beruf arbeitet, steht in Corona-Zeiten oft vor besonderen Herausforderungen. So wie die Dorfhelferinnen Resi Kirmair und Josefa Eichner.

Bad Tölz/Wolfratshausen – Im Team der Dorfhelferinnen-Station des Landkreises haben mit Resi Kirmair und Josefa Eichner zwei junge Einsatzkräfte im vorigen Sommer nach beendeter Ausbildung sozusagen mitten in der Pandemie ihren Beruf aufgenommen. Doch Corona hat die Bürger wohl etwas ängstlich und zurückhaltend bezüglich der Inanspruchnahme der Hilfskräfte werden lassen. Die Zahl der Einsätze war überschaubar, resümiert Einsatzleiterin Anni Stöckl. Vor allem während der ersten Welle im vorigen Frühjahr und jetzt in den zurückliegenden Wintermonaten. „Manche Leute haben sich nicht getraut, jemanden ins Haus zu holen oder auch nicht gewusst, dass das durchaus möglich wäre“, so die Einschätzung innerhalb der Organisation.

Bislang seien bayernweit aus den Einsätzen der Dorfhelferinnen keine Corona-Infektionen hervorgegangen. Inzwischen können die Helferinnen Schnelltests und bei Bedarf auch Schutzkleidung in Anspruch nehmen.

Dass in der Corona-Situation mitunter weniger dringliche Operationen aufgeschoben wurden, ist ein weiterer Grund dafür, dass die Akteurinnen zuletzt teilweise eher ruhige Zeiten hatten. Sie werden ja generell gerufen, wenn bei einem krankheits- oder unfallbedingten Arbeitsausfall der Bäuerin oder einem bevorstehenden freudigen Ereignis der häusliche und betriebliche Alltag in ländlichen Familien am Laufen gehalten werden muss.

Gespannt waren sie schon, die beiden Neueinsteigerinnen, wie sie in der Praxis mit ihren vielseitigen Aufgaben zurechtkommen würden. Insbesondere Josefa Eichner war „nervös“, wie sie schildert. „Ich war mir etwas unsicher, ob ich da wirklich den für mich richtigen Berufsweg eingeschlagen habe.“ Doch inzwischen sind die anfänglichen Zweifel beseitigt. „Es passt“, meint die 21-Jährige jetzt zufrieden. Genauso empfindet auch die zwei Jahre ältere Resi Kirmair.

Als wichtiges Rüstzeug für ihre Arbeit an stets wechselnden Einsatzorten in jeweils ganz unterschiedlichen familiären und betrieblichen Verhältnissen sehen die beiden ihre umfassende Ausbildung: An die meist dreijährige Lehre zur Hauswirtschafterin schließen sich 14 Monate Schule in Pfaffenhofen und dann noch zehn Monate in Neuburg an der Donau inklusive Praktika an. Zum Unterrichtsstoff gehören etwa Familienpsychologie, Sozialrecht, Alten- und Krankenpflege, Erziehungskunde und Kommunikation. „Was wir da gelernt haben, das ist uns jetzt eine wesentliche Stütze“, haben die zwei jungen Frauen festgestellt.

Bedarf ist groß

Der Bedarf an derartigen Hilfskräften ist groß, weshalb Anni Stöckl und die Dorfhelferinnen-Organisation sich freuen würden, wenn sich auch weiterhin Aspirantinnen für diesen sozialen Berufszweig finden. Als Anreiz dafür gibt es jetzt die Möglichkeit einer verkürzten Ausbildung sozusagen als zweiten Bildungsweg für berufstätige Frauen, die gelernte Hauswirtschafterin sind und sich neu orientieren wollen. Mit Blockunterricht, Praktikumswochen und Lernstoff-Vermittlung per Internet lässt sich der vorgegebene Abschluss mit weniger Zeitaufwand erreichen. „Wenn wir genügend Anmeldungen haben“, so Anni Stöckl, „könnte im Herbst ein Kurs dieser Art beginnen.“

Wer Hilfe braucht, kann sich beim Maschinenring Wolfratshausen an Ernst Huber unter der Telefonnummer 0 81 71/42 16 14, an Christine Greinwald unter Telefon 0 81 71/42 16 27 oder an Einsatzbegleiterin Anni Stöckl unter der Telefonnummer 0 80 41/7 99 26 65 wenden. (Rosi Bauer)

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