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Bei dieser Krippenbild-Darstellung dienten die ehrenamtlichen Helfer der Tölzer Tafel als Vorbild. Die kleinen Brezen, Salatköpfe, Milchtüten und Joghurtbecher wurden eigens modelliert.

besondere darstellungen der jahreskrippe

Tölzer Barmherzigkeit

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Bad Tölz - Heuer ist das „Jahr der Barmherzigkeit“. Auch der Tölzer Krippenverein beteiligt sich daran, und zwar mit besonderen Darstellungen im Raum der Jahreskrippe. Sie haben großen Bezug zu Bad Tölz und dem aktuellen Geschehen.

Eigentlich mag ich den Begriff ,Jahreskrippe‘ gar nicht so gern“, sagt Siegfried Schmeller, „aber er hat sich nun mal auch in Fachkreisen eingebürgert.“ Schmeller ist Ehrenvorsitzender des Tölzer Krippenvereins. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass die wertvolle Krippe von Pfarrer Josef Radecker und Theodor Gämmerler aus München/Haar 2012 nach Bad Tölz ziehen konnte.

Schmeller und den Mitgliedern des Tölzer Krippenvereins ist es ein großes Anliegen, den Begriff „Krippe“ eben nicht nur mit Weihnachten zu assoziieren, sondern in der Jahreskrippe aktuelle Themen aus dem Evangelium aufzugreifen. Zurzeit ist es das von Papst Franziskus ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit. Die Darstellungen in der Tölzer Jahreskrippe sind einzigartig und suchen in der Region ihresgleichen.

Schmeller hat zusammen mit einigen Engagierten eine Drehbühne gebaut, die alle paar Sekunden die Darstellung wechselt. Grundlage sind die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit, die da lauten: „Dem Hungernden gib zu essen“, „dem Bedürftigen gib Kleider“, „dem Dürstenden gib zu trinken“, „dem Gefangenen gib Zukunft“, „dem Kranken gib Zuspruch“, „den Fremden nimm auf“ und „vergiss die Toten nicht“. Passend dazu, haben die Krippenfreunde bildliche Darstellungen geschaffen, die großen Bezug zu Bad Tölz nehmen. Beim Thema Hunger sind zum Beispiel die Ehrenamtlichen der Tölzer Tafel zu sehen, wenn sie Lebensmittel ausgeben. Weil im Fundus der Jahreskrippe weder zeitgenössische Kleider für die Figuren noch moderne Requisiten zu finden waren, wurde in den vergangenen Wochen alles liebevoll selbst gefertigt. Bei der Tafel-Ausgabe sind dies zum Beispiel kleine Brezen, Milchtüten und Joghurtbecher. Im Hintergrund prangt eine Foto-Collage, die die ehrenamtlichen Tafel-Helfer zeigt.

Beim Thema Bedürftigkeit wird der BRK-Kleidermarkt dargestellt. Hier sieht man modische Sandalen, T-Shirts und Blusen an den Kleiderständern hängen. „Die Darstellungen sollen auch eine Bestätigung für die vielen ehrenamtlichen Helfer sein und zeigen, wie sehr man sie wertschätzt“, sagt Schmeller im Namen der Tölzer Krippenfreunde.

Unter der Aufforderung, „den Fremden aufzunehmen“, wird dargestellt, wie die vielen Asylsuchenden eine neue Heimat finden. Im Hintergrund sieht man ein Foto, auf dem Flüchtlinge einem Polizeiauto folgen. Im Vordergrund wurde ein Stacheldrahtzaun gebaut, und ganz vorne sieht man eine einheimische Familie, die Dunkelhäutigen ihre Haustür öffnet.

Bei der Mahnung, die Toten nicht zu vergessen, wurde der Tölzer Waldfriedhof in Miniatur-Format abgebildet. Einzig die Darstellung zu „Dem Dürstenden gib zu trinken“ nimmt Bezug auf ein anderes Land. Hier sieht man Menschen in Afrika, die sich mit Kanistern um einen Brunnen scharen. Im Hintergrund prangen Aufrufe, an kirchliche Organisationen zu spenden.

So „moderne“ Darstellungen waren für die Jahreskrippen-Betreuer eine große Herausforderung. „Von unseren 47 Figuren konnten nur zwei so bleiben, wie sie sind“, sagt Schmeller. Seine Frau Gerhild sowie Sylvia Schmidtpeter, Wolfgang Friedl und Jakob und Ludwig Bernhard, um nur einige zu nennen, waren wochenlang mit den Vorbereitungen beschäftigt. Die Darstellungen sind auch deshalb einmalig, „weil wir die Requisiten in dieser Form nie wieder verwenden können“, sagt Schmeller.

„Barmherzigkeit heißt, auf den Nächsten zu schauen und zu erkennen, was er braucht, und dann aus dem Herzen zu handeln“, steht als Leitspruch neben der Drehbühne. Eine Nachbildung der Heiligen Pforte in Rom umrahmt das Schau-Fenster. Daneben sind auch die sieben geistigen Werke der Barmherzigkeit aufgelistet (Unwissende lehren; Zweifelnde beraten; Irrende zurechtweisen; Trauernde trösten; Unrecht ertragen, Beleidigungen verzeihen; für Lebende und Verstorbene beten).

Weitere Infos

Die Darstellungen sind bis Ende November zu sehen. Die Tölzer Jahreskrippe befindet sich links neben der Franziskanerkirche und ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Zusätzlich gibt es eine Dauerausstellung, die unter anderem eine Krippe aus Isarkieseln zeigt.

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