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Viele Regeln gelten für Besucher in Senioren- und Pflegeheimen. Die Mitarbeiter schauen darauf, dass diese auch alle eingehalten werden. Das ist mit großem Aufwand verbunden.

Einrichtungsleiter berichten

Besuch in Pflegeheimen wieder möglich: Großer Aufwand für  kleine Glücksmomente

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Seit einigen Tagen sind wieder Besuche von Angehörigen in Seniorenheimen möglich – unter Einhaltung höchster Sicherheitsvorkehrungen. Wie haben die Einrichtungen die ersten Tage nach der Lockerung des Besuchsverbots erlebt?

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Gott sei Dank hat alles funktioniert“, zeigt sich Bettina Emmrich erleichtert.„Wir waren aber auch gut vorbeireitet“, sagt die Leiterin des Josefistifts in Bad Tölz. Die Besuche seien im Garten abgehalten worden. Zwei Mitarbeiterinnen hätten einen Blick darauf gehabt, dass die Hygienerichtlinien eingehalten werden, und Masken verteilt. Für die Besuche werde auf einen genauen Zeitplan geachtet: Es muss ein Termin ausgemacht werden, die Besuchszeit beträgt 30 Minuten, und es wird darauf geachtet, dass nicht zu viele Personen gleichzeitig von außen in die Einrichtung kommen. „Das ist natürlich mit sehr hohem Aufwand verbunden“, sagt Emmrich. Denn es komme noch dazu, dass jeder Besuch dokumentiert werden müsse. „Aber grundsätzlich war der Start positiv. Es hat sehr rührende Szenen gegeben.“

Besucher haben viel Verständnis für Auflagen

Überraschend gut geklappt habe der Auftakt, sagt auch Jörg Kahl, Einrichtungsleiter der Pflegeheime in Schlehdorf und Kochel. „Die Besucher haben einen Termin vereinbart und viel Verständnis aufgebracht.“ Es habe viele emotionale Momente gegeben. Er begrüße es auch, dass es wieder zu Treffen kommen könne. Aber wie Emmrich moniert er, dass die Einrichtungen von den Öffnungsplänen etwas überrumpelt worden seien. „Es gibt sehr viel zu organisieren.“

In Kochel habe man die Besuche bei schönem Wetter nach draußen in den Garten verlegt. „Dort lässt sich das gut machen“, sagt Kahl. Jedes Gespräch werde von einem Angestellten des Pflegeheims begleitet. So werde die Einhaltung der Vorgaben überprüft. „Der Aufwand ist natürlich riesig.“ Zusätzlich gebe es in beiden Einrichtungen Besucherräume – dort sei es etwas schwieriger, die Privatsphäre zu gewährleisten. „Aber wir werden alle lernen, wie wir unter diesen neuen Bedingungen etwas Normalität erreichen können“, so Kahl.

Beim Einlass wird Fieber gemessen

Hygienevorschriften und Voranmeldung gibt es auch im Haus Elisabeth in Geretsried. „Es ist ganz gut steuerbar“, sagt Leiterin Julia Augner. Es gebe feste Bereiche für die Besucher. „Bei schönem Wetter können die Angehörigen mit den Bewohnern im Innenhof sitzen.“ Bei Regen werde ins Foyer ausgewichen. Dieses sei dann in verschiedene Bereiche eingeteilt, die die Angestellten im Blick behalten. Bevor ein Besucher ins Haus gelangt, werde die Temperatur gemessen und nach Symptomen gefragt. „Das ist schon ein riesiger Aufwand, und es musste relativ schnell gehen“, sagt Augner. Alle Pflegekräfte seien noch mehr gefordert als sonst. „Aber es kommt den Bewohnern zugute. Die haben sich schon sehr gefreut.“

Etwa 50 Prozent der Angehörigen hätten bereits Termine für Besuche in Anspruch genommen, sagt Theodor Heffner, Leiter des Caritas-Heims St. Hedwig in Geretsried. Pro Tag sei ein bestimmtes Kontingent möglich. Abstand halten, Maske tragen und eine ausführliche Einweisung durch das Personal seien notwendig. Jeder, der zu Besuch komme, müsse unterschreiben, dass er sich an den Abstand halte. Bei schönem Wetter würden Besuche im Freien abgehalten, bei schlechtem könnten Bewohner aber auch in ihren Einzelzimmern besucht werden. Natürlich seien die Bewohner froh, ihre Angehörigen zu sehen, wenngleich auch zuvor Kontakt gehalten wurde.

Blumen müssen erst dem Personal übergeben werden

Ein genaues Auge hat das Personal auf mitgebrachte Dinge wie Blumen. „Diese dürfen nicht direkt dem Bewohner übergeben werden, sondern müssen erst von Mitarbeitern sichergestellt werden“, sagt Heffner.

Die meisten Angehörigen hätten großes Verständnis für die Maßnahmen. Den wenigen, die Kritik üben, sagt Heffner: „Es geht hier um die Gesundheit und Sicherheit aller Bewohner.“ Man beschäftige sich stundenlang mit Hygienevorschriften. Das Schlimmste wäre es für jedes Heim, wenn dort ein Fall auftrete. „Dann greifen ganz andere Maßnahmen.“ Ein normaler Ablauf sei dann nicht mehr möglich – alle Pfleger und Bewohner müssten in Quarantäne. „Das bedenken manche vielleicht nicht.“ Für die Heime sei es eine große Herausforderung. „Für uns alle ist das kein Spaß, das geht extrem an die Substanz.“

Demenz-Zentrum: Besuche nur im Garten

Schwierig gestalten sich die Voraussetzungen laut Anke Bimschas auch im AWO-Demenz-Zentrum in Wolfratshausen. „Wir sind eine geschlossene Einrichtung.“ Die Bewohner könnten nicht verstehen, dass Regeln eingehalten werden müssen, so die Heimleiterin. „Sie laufen herum, sind unberechenbar.“ Daher habe es bislang auch nur vier Besuche von Angehörigen gegeben. Man habe auf die Schnelle ein Konzept erarbeitet. Dieses müsse aber, falls sich die Einschränkungen noch über Monate ziehen, geändert werden. „Wir können Besuche nur im Garten zulassen, es gibt keine Räumlichkeiten.“ Auch müsse immer jemand vom Haus die Gespräche begleiten, um für die nötigen Abstände zu sorgen.

Es sei bislang wenig diskutiert worden, wie in Einrichtungen, die Personen mit fortgeschrittener Demenz betreuen, vorgegangen werden solle. Bimschas: „Die eine richtige Lösung für alle Pflegeheime gibt es nicht.“

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