Das Walchenseekraftwerk: Die Rechte des Stromkonzerns Uniper zur Umleitung und Nutzung des Wassers für die Energieerzeugung laufen im Jahr 2030 aus.

Interview mit Walter Huber

Beteiligen sich die Tölzer Stadtwerke am Walchensee-Kraftwerk?

  • schließen

Dass die „Wertschöpfung der Wasserkraft in der Region bleibt“, möchte der Grünen-Landtagsabgeordnete Hans Urban. Wie er kürzlich mitteilte, wünscht er sich, dass Uniper das Walchensee-Kraftwerk in Zukunft nicht mehr allein betreibt, sondern zum Beispiel in Kooperation mit einem Stadtwerke-Verbund.

Bad Tölz/Walchensee – Wie berichtet laufen die Rechte des Stromkonzerns zur Umleitung und Nutzung des Wassers für die Energieerzeugung im Jahr 2030 aus – eine Gelegenheit, die Verträge neu zu verhandeln. Doch wie realistisch ist ein Betrieb des Kraftwerks durch regionale Stadtwerke?

„Man muss hier unterscheiden zwischen Beteiligung und Betrieb“, sagt Walter Huber, Geschäftsführer der Tölzer Stadtwerke auf Nachfrage. Es gebe keinerlei Gespräche in dieser Richtung, aber: „Bei einer Beteiligung kann man über alles diskutieren.“ Ein Betrieb durch die Stadtwerke Bad Tölz hingegen wäre personell nicht zu stemmen. Für die 24-Stunden-Besetzung sowie Betriebs- und Bedienpersonal müssten 10 bis 20 neue Mitarbeiter eingestellt werden. „Da müsste man sich mit einem großen Partner zusammentun. Mir fallen hier in der Region nur die Stadtwerke München ein, die so etwas leisten könnten.“

Der Antrag der Grünen

Grundsätzlich sei die Wasserkraft ein sehr interessantes Gebiet. Mit dem Isarkraftwerk hätten die Stadtwerke Bad Tölz schon sehr positive Erfahrungen gemacht. „Unser Kraftwerk läuft sehr gut.“ 2024 laufe die Konzession dafür aus, die Rechte gehen zurück an den Freistaat. Dann werde man sehen, was damit gemacht wird. „Wenn der Betrieb zu teuer werden sollte, kann es abgeschaltet werden“, so Huber. Es gebe keine Verpflichtung, dort ein Kraftwerk zu betreiben. Allerdings sprächen die Zahlen eigentlich für eine weitere Nutzung. Hier werden allerdings noch einige Berechnungen notwendig werden.

Walter HuberChef der TölzerStadtwerke 

Was das Walchenseekraftwerk betrifft, hat Huber eine klare Meinung: „Es abzubauen, wäre ein Verbrechen an der Menschheit.“ Auch die Forderung, dass die Kommunen etwas Einfluss haben sollten, kann er nachvollziehen. „Aber man muss dann auch investieren.“ Historisch gesehen sei der Betrieb zu den Anfangszeiten in kommunaler Hand gewesen. Es sei wünschenswert, die Wertschöpfung vor Ort zu erhalten. Allerdings müsse auch klar sein, dass beispielsweise Reparaturen aufgrund der speziellen Anforderungen immer an Firmen von außerhalb vergeben werden müssten.

Wenn es nach ihm gehe, müsste das Walchenseekraftwerk ertüchtigt und um ein Pumpspeicherwerk ergänzt werden. Dann könnte Wasser in den See zurückgepumpt werden, beispielsweise über eine der Röhren, was den niedrigen Pegelstand im Winter verhindern würde. „Für die Fische wäre das ein Vorteil“, so Huber.

So diskutierte der Kreis-Umweltausschuss darüber

Bei allen Überlegungen: Huber wolle sicher nicht den Hut in den Ring werfen oder einen entsprechenden Wunsch äußern. „Uniper macht den Betrieb des Kraftwerks gut.“ Aber natürlich mache er sich als Chef der am nächsten liegenden Stadtwerke ebenfalls Gedanken. „Zumal wir sowieso alle zusammenhängen.“ Das Walchenseekraftwerk verwende schließlich ebenfalls das Wasser aus der Isar – so wie auch das Laufwasserkraftwerk am Stausee in Bad Tölz.

Lesen Sie auch:Walchenseer gehen auf die Straße: Demo am See gegen Massenansturm aus München 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Einfallsreich und beschwingt: Auftritt von Kiko Predozo in Heilbrunn
Das Novemberkonzert in der Reihe „musikalisches Bad Heilbrunn“ bot vor wenigen Tagen laut Programm einen „weltmusikalischen Klangrausch“.
Einfallsreich und beschwingt: Auftritt von Kiko Predozo in Heilbrunn
Straße verunreinigt:  Kia überschlägt sich
Kleine Ursache, große Wirkung. Weil die Straße durch ein landwirtschaftliches Fahrzeug verunreinigt war, kam am Freitagabend eine Tölzerin mit ihrem Kia bei Heilbrunn …
Straße verunreinigt:  Kia überschlägt sich
Ein Mann der leisen Töne: Pippo Pollina begeistert wieder im Tölzer Kurhaus
Dass sich der sizilianische Musiker und Songschreiber Pippo Pollina eine riesige Fangemeinde erarbeitet hat, ist kein Geheimnis mehr. Überzeugendes Beispiel war jetzt …
Ein Mann der leisen Töne: Pippo Pollina begeistert wieder im Tölzer Kurhaus
Dorferneuerung in Benediktbeuern nimmt Fahrt auf
Im Klosterdorf sollen Dorfstraße und -platz umfangreich saniert werden, und zwar unter Einbeziehung der Bürger. Los geht‘s im kommenden Jahr.
Dorferneuerung in Benediktbeuern nimmt Fahrt auf

Kommentare