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Die Kirchenbänke waren am Donnerstag gut gefüllt. Unter den Trauergästen waren ehemalige Lokalpolitiker wie Altlandrat Otmar Huber und Altbürgermeister Eckart Fadinger, aber auch Schauspieler Fritz Wepper, der in der Verfilmung von Dorfmeisters Buch „Die Brücke“ mitgespielt hatte und viele Journalisten. Zahlreiche behinderte Menschen und Mitarbeiter der Oberland-Werkstätten der Lebenshilfe erwiesen ihrem lebenslangen Unterstützer ebenfalls die letzte Ehre.

Gregor Dorfmeister Begräbnis eines Tölzer Vorbilds

Bewegender Abschied von einem Tölzer Vorbild

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Bad Tölz nahm am Donnerstag Abschied von Gregor Dorfmeister. Die Reden waren geprägt von tiefer Dankbarkeit für die Verdienste des Journalisten, Autors und Menschenfreunds.

Bad Tölz– Die Reihen in der Tölzer Stadtpfarrkirche waren gut gefüllt, als der Tölzer Knabenchor das Kyrie anstimmte. Diese musikalische Umrahmung hatte sich Gregor Dorfmeister, lange Jahre Vereinsvorstand des Chors, gewünscht. „Wir nehmen Abschied von einem prägenden Menschen.“ Mit diesen Worten begann Stadtpfarrer Peter Demmelmair den Gottesdienst. Und in seiner Predigt und den Trauerreden wurde deutlich, auf wie vielschichtige Weise Dorfmeister, der am Sonntag im Alter von 88 Jahren gestorben war, Tölz, aber vor allem die Menschen, die seinen Lebensweg kreuzten, geprägt hat.

Gregor Dorfmeister (†) mit seinem Buch „Die Brücke“, das verfilmt und in über 20 Sprachen übersetzt wurde.

Demmelmair erinnerte sich an seine erste Begegnung mit Dorfmeister. Damals sei er schon einmal zur Krankensalbung gerufen worden. Die Familie hatte sich im Zimmer versammelt. An „dichte, intensive Momente“ beim gemeinsamen Gebet dachte Demmelmair zurück. „Und dann hat der Gregor gesagt: ,So, und jetzt macht das, was wir vorbereitet haben“, erzählte der Pfarrer. Alle bekamen einen Schluck guten Weins eingeschenkt und stießen an. „So schön, so intensiv, so freudig habe ich das noch nie erlebt.“

Von der beeindruckenden Persönlichkeit Dorfmeisters sprach Bürgermeister Josef Janker. Er sei ein „aufrechter, kluger, wortgewandter und brillanter Journalist“ gewesen und habe Spuren in Tölz hinterlassen – durch seine Vision, aus der Marktstraße eine Fußgängerzone zu machen, als Vorsitzender der Lebenshilfe sowie des Knabenchors und natürlich als Autor. „Die Verarbeitung seiner Kriegserlebnisse in dem Buch ,Die Brücke‘ hat mich persönlich am nachhaltigsten beeindruckt.“ Mit Dorfmeisters Tod „ist ein Mensch von uns gegangen, der den anderen Wärme und Wertschätzung entgegengebracht hat“. Um die Erinnerung an den Tölzer aufrecht zu erhalten, denkt die Stadt laut Janker derzeit über eine posthume Würdigung nach.

Dorfmeister war „das Beste, was der Beruf des Journalisten hervorbringen kann“, sagte Verleger Dirk Ippen.

Dorfmeisters Sorge galt zeitlebens behinderten Menschen. „Gute Lebensbedingungen für seine Schützlinge zu schaffen“ – dafür habe er sich immer eingesetzt, sagte Prof. Martin Lechner, Vorsitzender der Lebenshilfe-Kreisvereinigung. 16 Jahre führte Dorfmeister den Verein. In dieser Zeit habe das spätere Ehrenmitglied die Lebenshilfe zu einer sozialen Einrichtung von beachtlicher Größe entwickelt. Dorfmeister sei ein besonderer Mensch gewesen, ein bleibendes Vorbild – „mit seiner Menschenfreundlichkeit, seinem Sinn für Humor und seiner Hartnäckigkeit, wenn es ihm um behinderte Menschen ging.“

Als „bleibendes Vorbild“ bezeichnete Lebenshilfe-Kreisvorsitzender Prof. Martin Lechner den Verstorbenen.

Sehr persönlich waren auch die Worte von Merkur-Verleger Dirk Ippen. „Wir verneigen uns in größter Hochachtung vor Gregor Dorfmeister.“ Nur wenigen werde es gelingen, „seine Größe und sein journalistisches Können zu erreichen“. Aber auch ganz persönlich sei er Dorfmeister, der drei Jahrzehnte den Tölzer Kurier leitete, zu Dank verpflichtet, sagte Ippen. Kurz nachdem er 1982 den Münchner Merkur übernommen hatte, besuchte er zum ersten Mal die Tölzer Redaktion. „Ich war völlig fremd in Oberbayern und verunsichert, wer mir hier begegnen würde.“ Aber schon das erste Treffen mit Dorfmeister habe sein Herz geöffnet. „Er war ein vornehmer Mann. In jeder Hinsicht.“ Einer, der seine Heimat und seine Leser liebte, so Ippen. Zum Abschluss führte Dorfmeister den Verleger in eines der oberen Stockwerke des Redaktionshauses an der Marktstraße und zeigte ihm den Blick ins Karwendel. „Durch Gregor Dorfmeister habe ich den ersten wirklich glücklichen Tag in Bayern erlebt.“ Er war sicherlich „das Beste, was der Beruf des Journalisten hervorbringen kann. Unser Leben ist ärmer geworden ohne ihn.“

Mit viel Humor und Wärme blickte Kurier-Redakteur Christoph Schnitzer zurück auf das Leben seines Lehrmeisters. „Warum haben ihn so viele wirklich gemocht?“, fragte er und gab direkt die Antwort: „Er hatte ein wahrhaftiges Interesse an seinem Gegenüber und die erstaunliche Gabe, Menschen sofort zu durchschauen.“ Egal, ob Bürgermeister oder Landwirt – Dorfmeister sei allen auf Augenhöhe begegnet. „Und er war ein hervorragender Ratgeber.“ Er habe Probleme erahnen erspüren können. „Er hat manchem einen guten Rat gegeben, der gar nicht wusste, dass er ihn braucht, aber später gemerkt hat, dass er richtig war.“

Dabei habe Dorfmeister seinen Worten stets Taten folgen lassen – wie damals, als der Redaktionsleiter und seine Frau Fränzi mit Putzlappen bewaffnet bei Redakteur Alois Ostler vor der Haustür standen, um die Hochwasserschäden, die der Arzbach hinterlassen hatte, zu beseitigen. „Jeder von uns hat diese kleinen Erlebnisse mit ihm gehabt“, sagte Schnitzer. Dann zitierte er aus zwei Texten, die Dorfmeister verfasst und mit hinterkünftigem Humor verfeinert hatte. Den Nachruf auf den Bezirkskaminkehrermeister titelte der Journalist beispielsweise mit den Worten: „Er kehrt nie wieder.“

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