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Doppelhäuser vor dem Hotel: Der Bichler Hof liegt hinter der Buchbergklinik auf einem Hügel. Auf der Wiese davor will Hotelinvestor Hubert Hörmann zur Querfinanzierung Wohnhäuser errichten. Der Stadtrat begrüßt die Pläne. 

Bichler Hof im Tölzer Stadtrat

18 Doppelhaushälften, 80 Hotelbetten

Bad Tölz – Muss Hubert Hörmann Grund für sozialen Wohnungsbau an die Stadt abgeben, wenn er das Areal Bichler Hof entwickelt? Muss er nicht, entschied der Stadtrat nach intensiver Debatte. Neue Hotelbetten sind wichtiger. Hörmann darf mit 18 Doppelhaushälften für junge Familien seine Hotelpläne querfinanzieren.

Von einer „Sternstunde“ und einer „guten Diskussion“ sprachen nach der Sitzung am Dienstag die Bürgermeister Josef Janker und Andreas Wiedemann. Sie hatten sich durchgesetzt. Die unterlegene Grünen-Fraktion reagierte hingegen säuerlich. Die Niederlage schmerzt.

Worum ging es: Bauträger Hörmann hat das 22 Hektar große Bichler-Hof-Areal vom Eon-Konzern gekauft und will dort auf rund 8 Hektar das Haupthaus zum Tophotel mit 80 Betten umbauen (wir berichteten). Mehrere Chalets nach Vorbild österreichischer Almdörfer könnten sogar für 120 neue Betten sorgen. Ein Restaurant, Sauna, Freischwimmbecken, Pferdestall mit Sandplatz und Schwimmteich runden das Angebot ab.

„Ein mittlerer siebenstelliger Betrag“ ist dafür nötig, sagte Bauamtsleiter Christian Fürstberger. Eine Querfinanzierung soll dem Bauherrn das nötige Kapital verschaffen. Entlang der Auffahrt zum Bichler Hof sollen 1,3 Hektar Grund als Bauland ausgewiesen werden und dort 18 Doppelhaushälften entstehen. „Der Gewinn daraus soll ganz in das Hotelprojekt fließen“, sagte Fürstberger.

Die entscheidende Frage, die der Stadtrat zu klären hatte, war, ob die neue ZoBoN-Satzung („Zukunftsorientierte Bodennutzung“) zur Anwendung kommt. Sie sichert bei Baulandausweisung ein Drittel der Flächen (hier: rund 4300 Quadratmeter) zum Beispiel für sozialen Wohnungsbau. Bei zentralen städtebaulichen Zielen kann die Stadt aber von diesem Vorrecht zurücktreten.

Die klare Mehrheit des Stadtrats war dieser Meinung. Denn es entstehen dringend benötigte neue Hotelbetten im Topsegment. Die Stadt will Hörmann auch dazu verpflichten, die Doppelhaushälften an junge Familien aus der Region zu veräußern. Das soll rechtlich abgesichert werden. Aus gutem Grund, wie Fürstberger sagte. Die nicht erfüllten Versprechungen bei den Wohnbauprojekten der Jod AG im Herderpark und an der Wilhelmstraße sind noch in guter Erinnerung.

Statt einem Drittel kommen dann alle Wohneinheiten jungen Familien zugute, warb Christof Botzenhart (CSU) in der Diskussion intensiv für einen Verzicht auf städtische Grundansprüche und versprach sich von dem Projekt auch eine entscheidende Wirkung auf weitere Hotelinvestoren. Das ist „ein guter Tag“ für den Tölzer Tourismus, pflichtete ihm Michael Lindmair (FWG) bei. Ingo Mehner (CSU) war „heilfroh“, dass neue Hotelbetten sowie auch Doppelhäuser entstehen, und nicht mehr nur Mehrgeschossbauten. Hörmann stehe zu seinem Wort, vertraute Camilla Plöckl (SPD) auf Zusagen des Bauherrn. „Wir müssen froh sein, dass ein Hotel kommt.“

Die dreiköpfige Grünen-Fraktion stimmt als einzige für eine Anwendung der ZoBoN-Klausel, wonach die Stadt ein Drittel der 1,3 Hektar selbst erwerben soll. Es sei doch ein Riesenunterschied, ob der Bauherr 600 000 Euro für eine Doppelhaushälfte verlange oder junge Familien bei der Stadt etwa über Erbbaurecht Grund zum Bauen erwerben und 200 000 Euro billiger fahren, argumentierte Richard Hoch. Dem Investor blieben mit rund 0,8 Hektar immer noch genug Flächen für die Quersubventionierung. Franz Mayer sah es eher grundsätzlich: Es gebe keine Baulandausweisung, die nicht städtebauliche Ziele fördern solle. Insofern könne man diese künftig bei jedem neuen Baugebiet als Grund heranziehen, um sich aus der ZoBoN auszuklinken. Verzichte die Stadt im Fall „Bichler Hof“ auf ihr Kaufrecht, sei die ZoBoN nichts als ein zahnloser Tiger.

Im Übrigen verlangte Mayer Gleichbehandlung etwa für die Firma Arcus an der Arzbacher Straße, wo auch zwei Hotels entstehen sollen. Da sei man bei der verlangten Querfinanzierung deutlich zurückhaltender bei der Stadt. „Das ist aber auch ein städtisches Grundstück und kein Privatgrundstück, das ist eine ganz andere Geschichte“, antwortete Fürstberger. Hörmann müsse überhaupt nicht in den „Bichler Hof“ investieren, „Arcus“ sei hingegen ein Hotelbetreiber. „Das ist deren Geschäft.“

Christoph Schnitzer

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