Das Schulzentrum am Alten Bahnhof in Bad Tölz: Neben der Marie-Luise-Schultze-Jahn- sowie der Realschule liegt– erkennbar am Schornstein – das Biomasse-Heizkraftwerk.
+
Das Schulzentrum am Alten Bahnhof in Bad Tölz: Neben der Marie-Luise-Schultze-Jahn- sowie der Realschule liegt– erkennbar am Schornstein – das Biomasse-Heizkraftwerk.

Bericht im Ausschuss

Klimaschutz macht Schule: So sieht die Zwischenbilanz bei den Gebäuden aus

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
    schließen

Die CO2-Emissionen aller Liegenschaften im Eigentum des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen ist seit 2008 um 57 Prozent zurückgegangen. Trotzdem: Bis zur Klimaneutralität der Gebäude fehlt noch ein Stück.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Abkürzung „Seke 2035“ steht seit über zehn Jahren für die Bemühungen des Landkreises, bei seinen Liegenschaften – vornehmlich Schulen – im Sinne des Klimaschutzes vorzugehen. Im Kreis-Bau- und Schulausschuss zog der Klimaschutzbeauftragte des Landratsamts, Andreas Süß, nun Bilanz über das bisher Erreichte bei diesem „Schulentwicklungskonzept Energiewende 2035“, das eine Klimaneutralität der Gebäude bis 2035 anstrebt. Und Hauptamtsleiter René Beysel unterbreitete den Kreisräten einige Vorschläge, welche Ziele man sich als nächstes stecken könnte.

Als „sehr schönes Ergebnis“ bezeichnete es Süß, dass seit 2008 die CO2-Emissionen aller Landkreis-Liegenschaften um 57 Prozent zurückgegangen seien. Ein Faktor dabei: Der Gesamtenergieverbrauch ist im genannten Zeitraum um 15 Prozent zurückgegangen – wobei der Stromverbrauch nahezu konstant blieb. Aus Süß’ Sicht ist das nicht verwunderlich: „In den Schulen werden immer mehr Technologien eingesetzt“, sagte er und nannte die Stichworte „Lüftungsanlagen“ und „Digitalisierung“. Im Bereich Wärme hingegen ging der Energieverbrauch innerhalb von zwölf Jahren um 20 Prozent zurück.

Heizen mit Hackschnitzeln statt mit Gas

Unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes ist dabei von besonderer Bedeutung, dass der Landkreis mittlerweile vermehrt auf regenerative Energieträger setzt. „Ölheizungen hatten wir nie“, stellte Süß fest. Ursprünglich aber wurden Schulen und andere Liegenschaften des Landkreises größtenteils mit Gas beheizt. Der Energieverbrauch bei diesem Energieträger sei aber „extrem rückläufig“ und seit 2008 um 68 Prozent zurückgegangen, so der Klimaschutzbeauftragte. Stattdessen setze man verstärkt auf Hackschnitzel und Fernwärme. Dadurch sei der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmeerzeugung seit 2015 von acht auf heute 63 Prozent angewachsen – „Tendenz steigend“, so Süß.

Erreicht wurden die Einsparungen laut Süß’ Bericht zum Beispiel durch energetische Sanierungen der Schulgebäude, in Tölz zum Beispiel verbunden mit dem Bau eines Biomasse-Kraftwerks. Beim Schulzentrum Geretsried bestehe die Chance, eventuell schon heuer eine ausgeglichene CO2-Bilanz zu erreichen. Bei einigen Liegenschaften bestünden freilich noch „erhebliche Verbesserungspotenziale“, merkte Süß an und nannte hier die Berufs- und die Realschule in Wolfratshausen.

Vorschlag: Neubauten künftig nach Passivhaus-Standard

„Wir können insgesamt stolz sein auf das, was wir in den vergangenen zwölf Jahren erreicht haben“, sagte der stellvertretende Landrat Thomas Holz (CSU), der die Sitzung leitete. Hauptamtsleiter Beysel fügte hinzu, dass die in den vergangenen Jahren vorgenommenen Sanierungsmaßnahmen „kein Selbstzweck“ gewesen seien, sondern auch aufgrund des „Lebenszyklus“ der Schulen – „alle Gebäude waren über 50 Jahre alt“ – anstanden.

Er präsentierte den Kreisräten einige Ansätze zur Fortschreibung des „Seke 2035“, um neue gesetzliche Vorgaben zu berücksichtigen und das Ziel der „Nachhaltigkeit“ zu verankern. So könne festgeschrieben werden, dass Neubauten und Sanierungen mit über einer Million Euro Gesamtkosten im Passivhaus-Standard oder mit Passivhaus-Komponenten auszuführen seien.

In Zukunft mehr Lademöglichkeiten für Elektroautos?

Auch ließe sich festlegen, dass bei allen Neubauten oder Sanierungen die Wärmeversorgung auf der Basis von regenerativen Energieträgern oder Kraft-Wärme-Kopplung erfolgen sollte. Ein „Nachhaltigkeitskonzept“ für größere Baumaßnahmen und die Vorschrift, bei Neubauten und Dachsanierungen stets die größtmöglich erreichbare Stromerzeugungsleistung durch Fotovoltaikanlagen zu installieren, seien ebenfalls als Beiträge zu mehr Klimaschutz denkbar. Ein weiterer Vorschlag: Bei Landkreis-Liegenschaften sollten fünf Prozent der Pkw-Stellplätze mit einer Lademöglichkeit ausgestattet werden. Die Anregungen sollen nun zunächst in den Fraktionen diskutiert werden.

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare