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Bild der Frau: „Females“ zeigen im Kleinen Kursaal Facetten der Weiblichkeit

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Die Künstlerinnen (v. li.) Jeannine Rücker, Stefanie Macherhammer, Marianne Hilger, Patrizia Zewe, Andrea Meßmer und Priska Ludwig stellten im Kleinen Kursaal aus. © bib

Bei der Ausstellung der Künstlerinnengruppe „Females“ in Bad Tölz war nicht nur viel fürs Auge geboten, sondern auch reichlich Diskussionsstoff. Zum Beispiel über die Frage: Sind auch Frauen sexistisch?

Bad Tölz – Allein schon zur Vernissage waren rund 100 Besucher da: Das „Art weekend“, das Kunstwochenendes der „females“, erwies sich als Besuchermagnet. Hinter diesem Namen verbergen sich sechs Künstlerinnen aus dem Oberland, die sich vor zwei Jahren zusammenschlossen. Nach erfolgreichen Ausstellungen in München, zuletzt im Juli, zeigten sie nun Werke aus zwei Themenschauen im Kleinen Kursaal in Bad Tölz.

Dabei war nicht nur viel fürs Auge geboten, sondern auch reichlich Diskussionsstoff. „Frauen können auch sexistisch sein“, hatten Künstlerinnen und Besucher festgehalten. In Debatten über „Me too“ bekamen die Ausstellerinnen dafür auch Lob von Männern. Auf einem Bild beispielsweise schaut der Betrachter einer Unbekannten fast schon unter den roten Rock, wie sie auf hohen Hacken auf dem „Walk of Fame“ einherschreitet. „Frauen setzen ihre Weiblichkeit auch bewusst ein, um voranzukommen“, sagte Künstlerin Jeannine Rücker.

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Knapp 50 Werke stellten Marianne Hilger, Stephanie Macherhammer, Jeannine Rücker, Priska Ludwig, Andrea Meßmer und Patrizia Zewe aus. Sie waren rund um die Themenüberschriften „sexyness“ und „wonderfulwomanlifechange“ angefertigt worden. Aus der Not eine Tugend machend, präsentierten die Künstlerinnen unter anderem ihre kleinformatigen Werke auf Tischen liegend, was beim Publikum laut Patrizia Zewe sehr gut ankam. Als eine Installation war eine fünf Meter lange silberne Folie auf dem Boden ausgerollt, auf der Zewe englische Begriffe gesammelt hatte, etwa für „mutig“, „verheiratet“ oder „Einfluss“. Die Folie führte zu drei großen Gemälden von Andrea Meßmer, die Frauenbilder zeigte: eine Mutter mit Kind, lange Beine in einer Jeans, neben denen rote Pumps in der Hand schaukeln, sowie eine Seniorin auf einem Sofa.

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Eine moderne „Madonna“ von Zewe zeigte zu Füßen einer Schaufensterpuppe drei Plastikbabys. „Das sind die ungeborenen Kinder“, erklärte die Künstlerin. Für jede Frau, die sich eine Abtreibung überlegen müsse, sei diese Entscheidung schlimm, meinte sie. Unter ihren Modezeichnungen „I love my dress“ (Ich liebe meine Kleidung) hatte Zewe auch eine verschleierte Figur gemalt.

Priska Ludwig hatte gezögert, ihre Fotografien „Desire 1 und 2“ sowie „Satisfaction“ in den Kursaal zu bringen. Die Fotos zeigen Ketten, Lack und Leder auf nackter Haut. Was sie so außergewöhnlich machte, waren die echten Gitter vor den Bildern. Das Unmoralische, das in der heutigen Zeit kaum mehr für Skandale sorgt, hatte durch den Kunstgriff wieder an Erregungspotenzial gewonnen.

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Eine liegende Frauenfigur, eingewickelt und mit einer Barbie-Puppe und einer vorzeitlichen Venusfigur verbunden, gab Rätsel auf. Marianne Hilger verwendete dieses Motiv schon dutzende Male. Einmal schaukelt in einem farbigen Druck ein Mädchen zwischen beiden Figuren. „Schönheitsideal und Urweiblichkeit ist hier mein Thema“, erklärte Hilger. Das Bild machte nachdenklich.

Ein anderes Bild zeigte dagegen: Frauen lieben es auch ganz entspannt, einfach die nackten Füße auf dem Balkongitter abzulegen – möglicherweise nach dem Auftragen von Nagellack.  

bib

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