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Drei Tölzer Amis (v. li.): Ludwig Faistenhammer, Clarence Grant und Frank P. Sicari beim Wiedersehen der Special Forces in Bernried. Vor drei Wochen war der 92-jährige Faistenhammer wieder zu Besuch in Deutschland.

Kasernen-Schließung

Vor 25 Jahren verließen die Amerikaner Tölz

Bad Tölz - Es war ein Zäsur für Bad Tölz: Vor exakt 25 Jahren holten die Amerikaner das Sternenbanner ein und schlossen die Flint-Kaserne. „Ein Blödsinn“, sagen noch heute ehemalige US-Soldaten. „Es war aber auch eine Chance für Tölz“, sagt Bürgermeister Josef Janker.

„Also ich“, sagt der ehemalige Sergeant Major George Neuhaus, „kenne keinen, der sich nicht wohl gefühlt hätte in Tölz“. Der 81-Jährige lebt heute in Seeshaupt. Er war neun Jahre in Tölz stationiert und kam weltweit viel herum. Die seiner Meinung nach „schönste Kaserne“ wurde geschlossen, weil sie für die Größe zu teuer war.

„Und trotzdem habe ich gedacht, dass es ein Blödsinn ist, diesen Standort zu schließen“, ergänzt Ludwig Faistenhammer. Der ehemalige Colonel und Standortkommandeur ist der einzige amerikanische Träger des Goldenen Rings der Stadt Bad Tölz. Faistenhammer ist gebürtiger Münchner und wanderte 1929 mit der Familie nach New York State aus. Bis heute spricht Faistenhammer ein breites Bairisch und hat die deutsch-amerikanische Freundschaft stets hochgehalten. „Für mich waren die zehneinhalb Jahre in Tölz die schönste Zeit im Militär“, erzählt der 92-Jährige, als man ihn nach der Schwimmstunde (er trainiert Jüngere) am Telefon erwischt. Er schwärmt vom guten Kontakt zu den Einheimischen und der einmaligen Natur. Fast wäre Faistenhammer 1973 sogar im Isarwinkel geblieben. „Ich hatte mir schon ein Grundstück in Wackersberg angeschaut.“ Die vielen Familienkontakte in den USA gaben aber den Ausschlag: Die Faistenhammers gingen zurück.

Mit Wehmut denkt der Unternehmer Rainer Tietz aus Lenggries an seine Zeit bei den Amerikanern zurück. Er vertrat damals als Betriebsratsvorsitzender die Interessen von rund 200 deutschen Zivilangestellten. Nach diversen juristischen Scharmützeln sei es gelungen, die „hire-and-fire“-Politik des amerikanischen Arbeitgebers zu durchkreuzen. Es wurde vor Gericht ein Sozialplan erkämpft, der letztlich zur Basis für die Verhandlungen an vielen anderen US-Standorten wurde. Darauf ist Tietz noch heute stolz.

Dem 55-Jährigen ist eines ganz wichtig, wenn er zurückblickt. Durch das enge Zusammenleben von Amerikanern und Deutschen sei zwangsläufig auch Verständnis für das Handeln, auch das politische, des jeweils anderen entstanden. „Dieses Verständnis ist seit dem Weggang der Amerikanern geschwunden.“

Der Tölzer Bürgermeister Josef Janker weiß noch, wie er sich vor 25 Jahren gedacht habe: „Oh Gott, jetzt gehen die Amis. Was passiert jetzt?“ Er erinnert sich an seine Jugendzeit, an Herbstfeste und erste Hamburger. Dieser „Hauch Amerika“ sei toll gewesen.

Das rückblickendes Urteil über den Weggang der Amerikaner fällt dennoch ganz und gar pragmatisch und positiv aus. Für Tölz sei die Schließung des Standorts eine riesige Chance gewesen. Der Kauf der Flächen durch Stadt und Landkreis sei trotz aller Probleme absolut richtig gewesen. So hätten das Behördenzentrum, ein großes Wohn- und Gewerbegebiet sowie großzügige Sportanlagen entstehen können.

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