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Kleinod am Tölzer Hausberg: Vor fünf Jahren wurde die kleine Kapelle unterhalb des Blomberghauses eingeweiht. Sie ist viel besuchter Andachtsort

Vor 5 Jahren war die Einweihung

Blombergkapelle: Ein Lebenstraum als Besuchermagnet

Vor fünf Jahren wurde die kleine Kapelle am Blomberg mit der Glockenweihe eröffnet. Sie ist längst zum gut besuchten spirituellen Ort am Tölzer Hausberg geworden. Eine Feier fiel Corona zum Opfer.

Wackersberg/Bad Tölz – Im Januar 2013 meldete sich Marlies Winterseel bei der Redaktion. Die Tölzerin hatte ein besonderes Anliegen. Ihr Lebenstraum sei eine Kapelle auf dem Blomberg. Ob der Tölzer Kurier da helfen könne? „Das unterstützen wir gerne“, war damals die Antwort des Redakteurs, der aber aus seinen Zweifeln über die Realisierbarkeit so eines Vorhabens kein Hehl machte. Er unterschätzte die Ausdauer Marlies Winterseels, die unermüdlich warb, Geld sammelte und schließlich mit den Bürgermeistern Josef Janker (Tölz) und Alois Bauer (Wackersberg) die entscheidenden Türöffner für das Projekt gewann. Die Gemeinde Wackersberg segnete die Baupläne ab, die Stadt Tölz gab das Grundstück und die logistische Unterstützung. Janker, der von dem ungewöhnlichen Vorhaben bis heute sehr angetan („einfach toll“) ist, half bei der Vermittlung von zahlreichen Handwerkern, die unentgeltlich mithalfen, dass das kleine Gotteshausunterhalb des Blomberghauses entstehen konnte.

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Am 31. Mai 2015 war die Weihe. Schon fünf Tage vorher bei der Glockenweihe durch Stadtpfarrer Peter Demmelmair waren mindestens 150 Wanderer dabei. Das große Interesse an der Kapelle ist geblieben. Sie hat sich zu einem spirituellen Anziehungspunkt entwickelt, der an schönen Tagen fast immer besucht ist.

Das bestätigt auch Georg Schöppner aus Kochel. Der heute 70-Jährige hat die Bänke und den Altar geschreinert. Der tiefgläubige Kochler weilt – trotz Krankheit – regelmäßig in der Kapelle, um mit Besuchern zu sprechen und ihnen nicht selten auch ein tröstendes Wort mitzugeben. Kardinal Reinhard Marx höchstpersönlich dankte Schöppner in einem Brieflein vor drei Jahren und forderte ihn zur Seelsorge auf.

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Viele Handwerker haben beim Kapellenbau mitgewirkt. Für den Boden hat Hias Krinner originale Blombergsteine zuschneiden lassen und verlegt

Dankbar blickt auch Josef Janker auf das „Gemeinschaftswerk“ zurück. Ihm ist es wichtig, den Architekten Martin Schneider zu nennen, bei dem seinerzeit alle Fäden zusammengelaufen seien. Das ehemalige Tölzer Stadtoberhaupt selbst sorgte mit einem Plädoyer für die Kapelle auch dafür, dass der Stadtrat mehrheitlich klar zu dem Projekt steht. Er setzte sich zudem mit dem Tölzer Veteranen- und Reservistenverein in Verbindung, der die Patenschaft für das Gotteshaus übernahm. „Und zwar aus Überzeugung“, sagt Vorstand Martin Bauer. Putzen, nach dem Rechten schauen und den Opferstock leeren, gehört zu den Pflichten.

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Über die Jahre wurde über Spenden und Kerzenverkauf laut Kämmerer Hermann Forster ein Guthaben von derzeit 11 200 Euro aufgebaut, von dem irgendwann fällige Sanierungsarbeiten bezahlt werden sollen. Denn: Der Stadtrat hat zwar für die Abgabe des Grunds und den Bau der Kapelle gestimmt, aber ansonsten keine finanziellen Zusagen gemacht.

Gerne hätte Marlies Winterseel am 31. Mai mit ihren Mitstreitern, dem Patenverein und beteiligten Handwerkern das Jubiläum gefeiert. „Die Musik war schon eingesagt und ein Geistlicher gefunden“, sagt Martin Bauer. Corona machte ein dicken Strich durch die Rechnung. „Irgendwann wird’s nachgeholt“, ist Winterseel überzeugt. Eine „stille Messe“ werde sie am Pfingstsonntag aber trotzdem feiern, oben in ihrem zur Wirklichkeit gewordenen Lebenstraum am Blomberg.

Von Christoph Schnitzer

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