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„Zum Teil dieselben Fahrzeuge wie zu Betriebsbeginn“: Die Unternehmensführung der BOB räumt ein, dass es bei den Integral-Zügen „gewisse Alterserscheinungen“ gibt.

Bayerische Oberlandbahn

BOB: Fahrgast-Frust in alten Zügen

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Wasser tropft von der Decke, Türen schließen nicht, Verspätungen häufen sich: Diese Probleme nervten zuletzt die Fahrgäste der BOB. Die Unternehmensführung beteuert, dass sich die Verhältnisse gebessert hätten – räumt aber einige Probleme ein.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ein weiß-rotes Absperrband ist an einer Sitzreihe im Zug entlang gespannt. Den Tölzer Florian Holnburger wundert dieser an sich skurrile Anblick schon lange nicht mehr. „Es tropft mal wieder von oben auf Sitze und Fahrgäste herunter – Stichwort: Tropfsteinhöhle“, sagt er. Es handle sich offenbar um auslaufendes Kühlwasser aus der Klimaanlage.

Der 34-Jährige fährt täglich mit dem Zug nach München – er arbeitet als Ingenieur im Klinikum Rechts der Isar. Er und auch viele andere Pendler sind mittlerweile nur noch genervt. „Mal geht eine Tür nicht zu, mal klappt es mit dem Zusammenkoppeln der Zugteile nicht“, sagt er. Im Winter funktioniere die Heizung nicht, und im Sommer falle die Klimaanlage aus. Andere Fahrgäste berichten, dass einmal Dieseltreibstoff auf heiße Motorteile getropft sei, wodurch sich im Abteil giftige Dämpfe ausgebreitet hätten.

Verspätungen von fünf bis zehn Minuten seien leider „das alltägliche Grundrauschen“, meint Holnburger. Aber auch größere Verzögerungen oder dass ein Zug wegen technischer Störungen ganz ausfalle, müsse man einkalkulieren. Der Tölzer hat mittlerweile Mitleid mit den Schaffnern, die nicht selten den angesammelten Frust der Fahrgäste abbekämen.

Weil Wasser von der Decke tropfte, wurden in der BOB zeitweise mehrere Sitzreihen gesperrt.

Die Unzufriedenheit ist freilich auch bis zur BOB-Geschäftsführung durchgedrungen. Die genannten Schilderungen beträfen allerdings Zustände der vergangenen Sommermonate, erklärt Sprecher Christopher Raabe auf Anfrage. In den vergangenen Monaten und speziell im August hätten sich „Wartungsaufträge überschnitten“, und das habe zu einem „Rückstau“ geführt. Das Unternehmen habe Prioritäten setzen müssen – und die lagen auf sicherheitsrelevanten Arbeiten vor „Schönheitsreparaturen“. „Im Klartext: Wir entschieden uns zur sofortigen Reparatur von beispielsweise störungsanfälligen Türen und haben die tiefergehende Reparatur einer Klimaanlagenleitung etwas zurückgestellt“, so Raabe. „Mittlerweile haben wir jedoch bei allen Reparaturen Oberwasser.“

Auch die Pünktlichkeit habe im September wieder einen Wert von 95,6 Prozent erreicht. Überhaupt könne man in den vergangenen sechs Monaten einen „weitgehend guten Verlauf“ der Quoten vorweisen – bis auf den August mit einem Ausreißer nach unten auf 87,2 Prozent.

„Gewisse Alterserscheinungen lassen sich nicht vermeiden.“

Generell sagt Horn zu den Fahrzeugen der BOB: „Wir betreiben die Strecken im Oberland bereits seit 1998, und das zum Teil mit denselben Fahrzeugen wie zu Betriebsbeginn. Gewisse Alterserscheinungen lassen sich nicht vermeiden.“ Tatsächlich muss die BOB die alten „Integral“-Züge weiter benutzen: Das war eine der Bedingungen, die der Freistaat an die weitere Auftragsvergabe von 2013 bis 2026 knüpfte. Damals war dieses Kriterium ein Vorteil für die BOB. Der Konkurrent Deutsche Bahn hielt die Integrale für zu störanfällig und zog deshalb seine Bewerbung zurück.

Erschwerend komme nun eine „für die Fahrzeuge sehr aufreibende Infrastruktur südlich von Holzkirchen“ hinzu, so Raabe: „eingleisige Strecken mit sehr alter Stellwerkstechnik“. Das seien „Herausforderungen“, die sich negativ auf die Pünktlichkeit und die Zufriedenheit der Fahrgäste auswirkten. Die Zukunft des Bahnverkehrs im Oberland sieht die BOB-Führung in einer Verbesserung der Infrastruktur und Fahrzeugen mit alternativen Antriebsarten. Darauf kann sie derzeit aber nur in Gesprächen mit der Politik hinweisen.

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