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Unter der Zwickerwiese hat vor 120 Jahren die Bergbaudirektion Penzberg Kohle suchen lassen. 

Bohrungen kosten im schlimmsten Fall 400 000 Euro

Zwickerwiese: „Haben eine Risikoabwägung gemacht“

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Auf der oberen Zwickerwiese ist derzeit der Neubau von 37 Gebäuden geplant. Die Stadt strebt eine frühzeitige Bürgerbeteiligung an. 

Bad Tölz – Was ist der Stand der Planungen am Baugebiet Hintersberg II (Zwickerwiese), wollte Anton Mayer (CSU) in der jüngsten Stadtratssitzung wissen und beklagte sich, dass er als Stadtrat Informationen über Bohrungen zunächst im Tölzer Kurier habe lesen müssen. Nicht ganz, erwiderte Bauamtsleiter Christian Fürstberger. Natürlich sei die Bekanntgabe zuvor im Bauausschuss erfolgt. In dem sitzt Mayer nicht.

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Dennoch gab es neue Informationen, die Fürstberger verkündete. Geplant sind auf der oberen Zwickerwiese in der Verlängerung der Heißstraße derzeit rund 37 Gebäude. Die Zahl kann sich im Bebauungsplanverfahren noch ändern, stellt das Bauamt auf Nachfrage klar. Apropos Verfahren: Die Stadt strebt eine frühzeitige Bürgerbeteiligung an. Im April oder Mai werde es eine öffentliche Veranstaltung dazu geben, kündigte Fürstberger an.

Die Erschließungsplanung für Kanal und Straße sei vergeben, berichtete Fürstberger. Das Schmutzwasser des neuen Wohngebiets werde zusammengeführt und über eine Hebeanlage zum Kanal Heißstraße geführt. Zu den von den Heißstraßen-Anliegern befürchteten 1400 Fahrzeugbewegungen am Tag werde es nicht kommen. Zu den 750 Fahrten derzeit addieren sich durch das neue Wohngebiet laut Gutachten nur rund 200.

Dass es unter dem Friedhofsberg und der Zwickerwiese ein Bergbaugebiet gegeben hat, habe die Stadt nie verschwiegen, sagte Fürstberger. Man könne das auch im Flächennutzungsplan leicht erkennen. Der 250 Meter lange Arnoldstollen (laut Tölzer Kurier vor 120 Jahren von der Penzberger Bergwerksdirektion angelegt) führe bis zu 25 Meter unter die Oberfläche. Deshalb seien die Erkundungsbohrungen, die möglichst schnell im Februar oder März beginnen sollen, notwendig. Die werde ein Spezialunternehmen aus dem Ruhrgebiet durchführen. Es seien rund 40 bis 50 Bohrungen nötig.

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Die Kostenaufstellung des Bauamtes ist interessant. Die Bohrungen selbst schlagen je nach Zahl mit etwa 50 000 Euro (netto) zu Buche. Sollte per Druckinjektionen verfüllt werden müssen, könne der Gesamtbetrag bis zu 330 000 Euro brutto betragen, schreibt das Rathaus auf Nachfrage. Die in der Sitzung genannte Zahl 400 000 Euro beziehe sich auf nicht zu erwartende, „nicht absehbare Eventualitäten“.

Die Zahl 180 000 Euro, die von Bürgermeister Josef Janker bei früherer Gelegenheit gegenüber dem Tölzer Kurier genannt worden war, sei ein Mittelwert des derzeit geschätzten Kosten-Korridors. Die Bohrungs- und Verfüllkosten teilen sich übrigens laut Bauamtsleiter zu zwei Drittel der Eigentümer und einem Drittel die Stadt. Letztere übernimmt die Planungskosten.

Zu dem laut Anton Mayer „zu hohen Ankaufspreis“, der nicht beziffert wurde, merkte Fürstberger an, dass eine Stadt anders als ein Privatmann stets den Verkehrswert zahlen müsse, sonst mache sie sich strafbar. „Was wir bezahlt haben, ist aber am unteren Ende des Verkehrswerts.“ Man habe mit der Kämmerei zuvor eine Risikoabwägung getroffen.

Fürstberger sagt aber auch, dass, wenn dort geschützte Fledermäuse gefunden würden, „wir eine landwirtschaftliche Fläche für einen sehr hohen Preis gekauft haben“. Das sei aber bei den gesetzlichen Vorgaben für Kommunen nicht zu ändern.  

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