+
Die beiden Seiten des Freizeitvergnügens an der Isar: Gewerblich organisierte Bootstouren und bierselige Freizeitkapitäne vor dem Start am Isarufer bei Lenggries. 

Kreis-Umweltausschuss

Bootfahren auf der Isar: Die nächsten Schritte hin zur Regulierung

  • schließen
  • Silke Scheder
    Silke Scheder
    schließen

Wie viele Bootsfahrer verträgt die Isar? Um das herauszufinden, bewilligte der Kreis-Umweltausschuss 30.000 Euro für eine Studie. Sie wird auch Einfluss darauf haben, wie Freizeitkapitäne den Fluss künftig nutzen dürfen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Angesichts dieser Zahlen schnappten einige Kreisräte hörbar nach Luft: 1278 Bootsfahrer in 416 Booten zählten Mitglieder des Isartalvereins und des Landesbunds für Vogelschutz am 4. August dieses Jahres am Ickinger Wehr – in fünf Stunden. „Die Schlange vor dem Einsetzen in die Isar war durch den Massenandrang rund 150 Meter lang“, berichtete Franz Steger, Chef der Unteren Naturschutzbehörde, in der jüngsten Sitzung des Kreisumweltausschusses.

Dieser hohe Freizeitdruck ist der Grund, warum das Landratsamt gewerblichen Anbietern das Fahren auf der Isar ab der Saison 2019 nur noch mit Genehmigung erlaubt (siehe unten). 

Lesen Sie auch: Regeln für Schlauchboot auf der Isar: Das ist ab jetzt alles verboten

Auch die Bootsfahrverordnung für die private Nutzung tritt kommendes Jahr in Kraft. Sie beinhaltet Regeln, die dem Naturschutz zugutekommen, vor allem aber auch der Sicherheit der Bootsfahrer . Um solche Vorschriften besser begründen zu können, will das Landratsamt eine sogenannte FFH-Verträglichkeitsprüfung in Auftrag geben. Sie soll aufzeigen, wie viel Nutzen das sensible Ökosystem Isar verträgt, ehe sich ihr Zustand verschlechtert.

Einschränkungen müssen gut begründet werden können

„Wir brauchen saubere, gute Argumente“, sagte Juristin Carolin Singer, die als Leiterin der Abteilung 3 am Tölzer Landratsamt für die Bootsfahrverordnung zuständig ist. Prinzipiell gilt die Erholung an der Isar als eine Art Grundrecht, sagte Landrat Josef Niedermaier (FW) auf Nachfrage. Wenn man das einschränke, müsse man das sehr gut begründen können.

Ursprünglich gab es die Überlegung, die gewerblichen Anbieter für die Studie bezahlen zu lassen, erinnerte Niedermaier in der Sitzung. In diesem Fall wären die privaten Bootsfahrer allerdings wohl nicht berücksichtigt worden. Erkenntnisse über sie seien für das Landratsamt aber sehr wichtig. „Deshalb habe ich gesagt: Das machen wir selbst“, so Niedermaier.

Lesen Sie auch: Harry G in Lenggries: Granteln und die Sau rauslassen

Ob nicht der Landkreis München ebenfalls einen Teil der Kosten übernehmen könnte, wollte der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) wissen. Schließlich würde auch er von den Ergebnissen einer solchen Studie profitieren. „Die Gespräche laufen“, antwortete Niedermaier. Laut Steger wolle man sich in den nächsten Wochen mit der Stadt und dem Landkreis München zusammensetzen und diese Frage klären.

Am Ende beschloss der Kreisausschuss einstimmig, 30.000 Euro für eine FFH-Verträglichkeitsprüfung in den Haushalt 2019 einzustellen. Die Behörde prüft, ob die Untersuchung über Leader oder ein anderes Programm gefördert werden könnte.

Mehr Isar-Ranger zur Überwachung

Noch offen bleibt die Frage, ob sich der Kreis neben der Studie drei zusätzliche Isar-Ranger-Stellen leisten will. Aus Sicht des Landrats sind sie zwingend nötig, wenn nächstes Jahr die neuen Regelungen in Kraft treten. „Jede Verordnung ist nur so gut wie ihre Überwachung“, sagte Niedermaier.

Lesen Sie auch: Lenggrieserin überholt im Kurvenbereich - Arzbacherin (15) bei Kollision verletzt

Die drei Isar-Ranger sollen für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren die Umsetzung der Isar-Verordnung überwachen. Ohne zusätzliches Personal könne das Landratsamt dies nicht leisten. Niedermaier rechnet mit vielen Diskussionen, wenn das Thema im Rahmen der Stellenplanberatungen zum Haushalt 2019 im Kreistag zur Sprache kommt. Die drei Stellen kosten ungefähr 80 000 Euro im Jahr, wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt. 

Strenge Auflagen: Kein Alkohol, kein Müll und Toiletten

Als erste Anliegergemeinde hat Lenggries eine Stellungnahme zur gewerblichen Nutzung der Isar mit Booten abgegeben. Der Gemeinderat formulierte in seiner Sitzung am Montagabend die Auflagen, auf die sich die Bürgermeister der betroffenen Kommunen bereits vergangene Woche bei einem Treffen im Landratsamt verständigt haben. Die Forderungen sehen vor:
– zeitliche Beschränkung der Bootsfahrten vom 1. Juni bis 15. Oktober 2019
– Nachtfahrverbot von 20.30 bis 7 Uhr
– maximal 10 Personen pro Boot
– Boote nicht zusammenhängen
– Bootsführer müssen Nachweis der Befähigung erbringen und einen Erste-Hilfe-Kurs nachweisen können
– absolutes Alkoholverbot für Bootsführer, Guides sowie Passagiere für die komplette Zeit der Veranstaltung.
– keine Mitnahme von Personen, die bereits bei Beginn erkennbar angetrunken sind
– Fahrverbot bei Hochwasser und Niedrigwasser sowie bei Unwetter
– Verbot von Glasflaschen
– Mitnahme und Entsorgung des Mülls
– Vermeidung von Lärm mit entsprechenden Hinweisen an die Kunden
– Fahrweise muss stets den Gegebenheiten angepasst werden
– nicht zulässig ist das „Gumpenspringen“ sowie Anlanden/Betreten von Kiesinseln
– Parken sowie Halten zum Be- und Entladen muss ohne Verkehrsbehinderungen vonstatten gehen
– Hinweise an Kunden, dass beispielsweise am Festplatz geparkt werden soll.

Lesen Sie auch: Herzinfarkt vor den Augen der Bergwacht: Zwei Einsätze halten Retter am Blomberg auf Trab

Auf Anregung von Gemeinderat Hans Proisl wird in den Auflagen-Katalog die Forderung aufgenommen, dass am Start und am Ausstieg der Bootstouren geeignete Toiletten (Dixi-Klos) aufzustellen sind.
Die Gemeinderäte waren sich einig, dass eine Reglementierung unabdingbar sei und die Auflagen von zusätzlichen Isar-Rangern überwacht werden müssten. Nach Einschätzung von Bürgermeister Werner Weindl werde man 2019 auch über eine Kontingentierung nachdenken müssen.
Bis Montag lagen der Gemeinde acht Anträge von gewerblichen Unternehmen vor. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Lenggries boomt: Tourismus knackt zwei Bestmarken
Immer mehr Gäste machen Urlaub in Lenggries. 2019 hat die Gemeinde gleich zwei Bestmarken geknackt: Die Jahresbilanz der Tourist-Information weist über 100 000 Ankünfte …
Lenggries boomt: Tourismus knackt zwei Bestmarken
Unabhängige Bürgerliste Gaißach: Die Vielfalt macht‘s
Als letzte der vier im Gaißacher Gemeinderat vertretenen Gruppierungen hat jetzt auch die Unabhängige Bürgerliste (BL) über ihre Kandidaten für die Kommunalwahlen …
Unabhängige Bürgerliste Gaißach: Die Vielfalt macht‘s
Ingo Mehner (CSU) will Tölzer Bürgermeister werden: „Kommunikation ist alles“
Vier Kandidaten bewerben sich am 15. März um die Nachfolge des Tölzer Bürgermeisters Josef Janker. Für die CSU geht Ingo Mehner ins Rennen. 
Ingo Mehner (CSU) will Tölzer Bürgermeister werden: „Kommunikation ist alles“
Bichl und Benediktbeuern: Zwei Dörfer im Faschings-Fieber
Alles eine Nummer größer: Unter diesem Motto steht in diesem Jahr der Benediktbeurer Faschingszug. Im Nachbarort Bichl dürfte sich dagegen alles im gewohnten Rahmen …
Bichl und Benediktbeuern: Zwei Dörfer im Faschings-Fieber

Kommentare